Pharma-GenussscheinDeswegen feiert der Markt das Roche-Ergebnis

Der Pharma- und Diagnostikkonzern Roche löst mit seinem Resultat an der Börse Begeisterung aus. Der Genussschein des Unternehmens legt deutlich zu. Die Gründe, wieso der Markt so erfreut ist.
27.07.2017 11:02
Von Marc Forster
Ein Roche-Gebäude in Basel.
Ein Roche-Gebäude in Basel.
Bild: ZVG

Das Lob kommt unisono und in (für Analysten) fast überschwänglichen Worten. Die Experten zeigen sich in ihren Reaktionen sehr angetan vom Roche-Zahlenset zum Halbjahr und sprechen von "starken" (Vontobel, Liberum), "hervorragenden" (ZKB) oder gar "exzellenten" (BaaderHelvea) Zahlen. Der Roche-Abschluss überzeugt bezüglich Qualität, Umsatz und operativer Leistung, wie Vontobel weiter schreibt.

Im Detail ist vieles am Roche-Resultat erfreulich. Folgende Punkte sind zur Stunde wichtig:

Die Zahlen

Roche ist wachstumsstark, profitabel und schneidet dabei noch besser ab als gedacht. Die 26,3 Milliarden Franken Umsatz liegen nicht nur um 5 Prozent über dem Vorjahresergebnis, sie sind auch etwa 2 Prozent höher als die Erwartungen.

Die Pharma-Sparte trieb das Ergebnis massgeblich an und erreichte ein Wachstum von 7 Prozent auf 10,3 Milliarden Franken. Das sind 3 Prozent mehr als der Konsens der Analysten-Prognosen. Die Diagnostik-Sparte wuchs um 4 Prozent auf gut 3 Milliarden Franken, was immerhin den Erwartungen entsprach.

Der operative (Kern-)Gewinn stieg um 3 Prozent auf 10,1 Milliarden Franken, auch das eine Zahl, die 2 Prozent über dem Konsens steht. Roche steigerte das Ergebnis trotz laufender Investitionen in Forschung und Entwicklung, wie die Bank Vontobel hervorhebt. Die Marge schrumpfte indessen von 39,4 auf 38,5 Prozent, allerdings weniger deutlich, als befürchtet worden war.

Tecentriq und Ocrevus

Tecentriq ist ein Mittel zur Behandlung von Krebs, und Ocrevus hat Roche zur Behandlung Multipler Sklerose entwickelt. Diese neueren Mittel sind Hoffnungsträger des Pharmakonzerns, denn sie sollen über den Verlust von Patenten hinweghelfen. Beide Medikamente entwickelten sich gut.

Ocrevus, das erst im ersten Quartal eingeführt wurde, erreichte 192 Millionen Franken Umsatz, wo Analysten nur 54 Millionen erwartet hatten. BaaderHelvea spricht denn auch von einem raketenartigen Start in den USA. Für die ZKB stellt Ocrevus "alles in den Schatten".

 

 

Morgan Stanley hebt zusätzlich das ebenfalls neue Produkt Alecensa zur Behandlung von Lungenkrebs hervor, das mit Verkäufen von 148 Millionen Franken ebenfalls deutlich besser als erhofft abgeschnitten hat.

Die Blockbuster

Auch die etablierten Blockbuster Mabthera/Rituxan, Herceptin oder Avastin trieben den Pharma-Umsatz in die Höhe. Die Verkäufe dieser Wirkstoffe fielen ebenfalls höher aus als erwartet. Auch Avastin hatte zunächst etwas Sorgen aussgelöst, da das Mittel wegen neuer Therapeutika in der Immun-Onkologie, also Medikamenten, die körpereigene Reaktionen gegen Krebs fördern, unter Druck stand.

Die Aussichten

Dass Roche den Ausblick anhebt, kommt für die meisten Branchenbeobachter überraschend. Die Unternehmensprognose für den Umsatz im Gesamtjahr wurde von einem "Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich" auf ein "mittleres einstelliges Wachstum" erhöht - auch dies ist ganz klar ein Grund, weswegen der Roche-Bon am Markt gesucht ist.

Zudem blieben die Dividenden-Aussichten laut Morgan Stanley intakt. Zuletzt hat Roche 8,55 Franken ausgeschüttet, nach 8,20 Franken im Vorjahr. Roche ist bekannt dafür, die Aktionärs-Gewinnbeteiligung pro gehaltenem Titel stetig zu erhöhen.

Konkurrenzdruck

Ein Thema bleibt der Konkurrenzdruck durch Nachahmerpräparate. Ab nächstem Jahr dürfte der Druck sogar grösser werden, vor allem bei Biosimilaren, also Nachahmerprodukten von Biopharmazeutika. Roche verweist darauf, dass dieser Herausforderung mit Innovation begegnet werden könne: "Wir werden sehen, inwiefern dies gelingt", schreibt die Neue Helvetische Bank. Mittel für Investitionen seien aber vorhanden, unter anderem dank tiefer Nettoverschuldung.

(Mit Material der Nachrichtenagentur AWP)