Pharma - Santhera mit Rückschlag bei Raxone-Zulassungsantrag

Santhera muss einen Rückschlag bei der beantragten Marktzulassung seines Mittels Raxone melden. Die Börse reagiert äusserst ungnädig.
15.09.2017 11:11
Thomas Meier, CEO von Santhera.
Thomas Meier, CEO von Santhera.
Bild: cash

Die Aktien des Pharmaunternehmens Santhera müssen am Freitag ganz schön einstecken: Sie büssen mehr als die Hälfte an Wert ein. Auslöser für den Kurszerfall ist die negative Beurteilung einer vorberatenden Kommission der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) für das Kernprodukt Raxone. Damit könnte ein wichtiger zukünftiger Kurstreiber nun wegfallen.

Die Santhera-Aktien sacken bis 10 Uhr bei sehr hohen Volumen 51% auf 34,65 CHF ab. Zur Erinnerung: Vor rund zwei Jahren hatten die Papiere noch 134 CHF gekostet. Der Gesamtmarkt SPI büsst zu Wochenschluss aktuell 0,24% ein.

Raxone ist heute in Europa gegen das eher seltene Augenleiden Lebersche Optikusatrophie (LOHN) zugelassen. Das weitaus grössere Einsatzgebiet wäre jedoch die Krankheit Duchenne-Muskeldystrophie (DMD). Doch der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA hat Santhera nach einer mündlichen Anhörung am Mittwoch einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Das CHMP bezweifelte, dass die Studie von Santhera genügend Nachweis zur Wirksamkeit von Raxone bei DMD erbringt und gaben für die beantragte Indikationserweiterung eine negative Beurteilung ab. Santhera beabsichtigt gegen die Beurteilung des CHMP Widerspruch einzulegen und eine erneute Überprüfung zu beantragen.

Bereits in der Vergangenheit lief es nicht immer rund für Santhera mit Raxone bei DMD. Die Gesundheitsbehörden in Europa und in den USA hatten bei früheren Gelegenheiten weitere Wirksamkeitsdaten zu dem Produkt eingefordert. Der Zulassungsentscheid in Europa droht nun negativ auszufallen. Wann er in den USA gefällt wird, ist noch offen.

Dabei hatte es Juni noch vielversprechend ausgesehen: Seinerzeit wurde von der britischen Arzneimittelbehörde MHRA die erste positive Bewertung für Raxone zur Behandlung von DMD ausgesprochen. Das Präparat erhielt den Status eines "vielversprechenden innovativen Arzneimittels" zuerkannt.

Nun falle bei Santhera ein wichtiger zukünftiger Kurstreiber weg, erklären Händler und sprechen von einem "herben Rückschlag" für das Unternehmen. Zudem hätten die meisten Analysten mit einem positiven Entscheid der Europäischen Zulassungsbehörde gerechnet. Viele Anleger seien daher auf dem falschen Fuss erwischt worden.

(AWP/cash)