Pharma-Schwergewichte ziehen Schweizer Börse nach unten

Die Schweizer Börse hat am Dienstag erneut an Boden verloren. Kräftige Kursabschläge bei den Index-Schwergewichten Novartis und Roche lasteten auf dem Gesamtmarkt.
25.10.2016 17:55
Am Dienstag ein negatives Schwergewicht im SMI: die Novartis-Aktie.
Am Dienstag ein negatives Schwergewicht im SMI: die Novartis-Aktie.
Bild: Bloomberg

Der Leitindex SMI gibt 0,8 Prozent auf 7930 Punkte nach. Dabei sorgte ein unerwarteter Anstieg des deutschen Ifo-Index im Oktober über weite Strecken für gute Stimmung. "Aber das ist das übliche Spiel. Wenn Novartis und Roche schwach sind und das dritte Schwergewicht Nestlé nicht läuft, dann haben die anderen Papiere Mühe, das wieder wettzumachen", sagt ein Händler. Am Montag hatte der SMI 0,4 Prozent nachgegeben.

Im Mittelpunkt des Interesses standen Firmennachrichten. Die Aktien von Novartis sacken nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts 2,8 Prozent ab. Der Konzern braucht für die Sanierung seines Augenheilgeschäfts Alcon länger als ursprünglich angenommen. Der Umsatz der Sparte dürfte sich im Schlussquartal stabil entwickeln oder leicht sinken, sagt Konzernchef Joseph Jimenez. Bislang hatte der Amerikaner für den Problembereich eine Rückkehr zu einem niedrigen einstelligen Wachstum bis Jahresende in Aussicht gestellt. Mit dem Verkauf der milliardenschweren Roche-Beteiligung will Novartis zuwarten, bis der Erlös reinvestiert werden kann. Die Roche-Anteile geben 1,1 Prozent nach.

Die Nestlé-Aktien schliessen nach den jüngsten Abschlägen erneut leicht im Minus. Der Lebensmittelkonzern hatte vergangene Woche seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr gesenkt.

Syngenta trotz Übernahmeverzögerung im Plus

Zu den Spitzenreitern im Leitindex zählen mit einem Plus von 1,4 Prozent die Anteile des Agrarchemiekonzerns Syngenta, obwohl sich die Übernahme durch den chinesischen Staatskonzern Chemchina verzögert. Statt bis Jahresende rechnet Syngenta nun damit, dass sich der Zulassungsprozess bis ins erste Quartal 2017 hinzieht. Investoren hatten in den letzten Tagen bereits um die Zustimmung der EU-Wettbewerbshüter zu dem milliardenschweren Deal gezittert und sich in Scharen von den Syngenta-Aktien getrennt. "Offensichtlich ist das Vertrauen wieder zurück, dass der Deal doch noch irgendwann über die Bühne geht", sagt ein Händler. Der Aktienkurs liege aber weiterhin deutlich unter dem von Chemchina gebotenen Preis.

In den kommenden Tagen dürfte sich der Fokus der Anleger auf die Veröffentlichung der Bankbilanzen richten: Am Donnerstag legt die Deutsche Bank ihren Zwischenbericht vor und am Freitag folgt die UBS. "Man möchte sehen, inwiefern sich die guten Zahlen der US-Investmentbanken in Europa niederschlagen", sagt ein Händler. Im Vorfeld geben die UBS-Titel 0,2 Prozent nach, während Credit Suisse 1,4 Prozent verlieren.

Die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär hingegen rücken 0,7 Prozent vor. Die Privatbank zählt Insidern zufolge zu den Interessenten für das zum Verkauf stehende Asien-Geschäft der niederländischen Bank ABN Amro. Neben Bär habe auch die DBS Group aus Singapur ein Auge auf die Aktivitäten mit verwalteten Vermögen von rund 20 Milliarden Dollar geworfen, sagten mehrere mit der Lage vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Preiszettel für das Geschäft dürfte sich Schätzungen von Investmentbankern zufolge auf 300 Millionen bis 350 Millionen Dollar belaufen.

Gefragte Schindler-Titel nach guten Quartalszahlen

Zu den Verlierern im SMI zählt ABB mit einem Abschlag von 0,6 Prozent. Analysten gehen davon aus, dass der Elektrotechnikkonzern am Donnerstag einen leicht geschrumpften Quartalsgewinn bekanntgeben wird.

Am breiten Markt waren mit einem Plus von 2,4 Prozent die Titel von Schindler gefragt. Der Aufzug- und Rolltreppenhersteller hat nach einer Gewinnsteigerung seine Umsatzprognose bekräftigt. Die Analysten der Zürcher Kantonalbank sprachen von einer soliden Bilanz.

Die Aktien des Chip- und Sensorenherstellers AMS sacken nach einem enttäuschenden Ausblick und der Ankündigung einer Grossübernahme knapp 13 Prozent ab. Die österreichische Firma kauft für bis zu 855 Millionen Dollar den auf Mikrooptik und optische Sensorik spezialisierten Technologiekonzern Heptagon. Die durch die Übernahme angestrebte Rentabilitätssteigerung dürfte sich erst 2018 richtig materialisieren, erklärten die ZKB-Analysten. Zudem lägen die Prognosen für Umsatz und Betriebsgewinn für das vierte Quartal unter den Erwartungen.

(Reuters)