PharmaWas Sie jetzt über Novartis wissen müssen

Novartis hat im zweiten Quartal positiv überrascht und damit die Anleger erfreut. Fünf Punkte zeigen auf, was den Pharmakonzern als nächstes beschäftigen wird und wo Chancen und Fallstricke liegen.
18.07.2017 14:05
Von Marc Forster
Novartis-Schriftzug am Standort Basel.
Novartis-Schriftzug am Standort Basel.
Bild: Bloomberg

Die Novartis-Aktie hat im Tageshandel ihren Kurs um 2,25 Prozent gesteigert. Das Zweitquartalsergebnis stimmt die Anleger für einmal positiv. Die Eckdaten sehen in der Tat nicht schlecht aus: Der Umsatz fiel weniger deutlich als erwartet um 2 Prozent auf 12,24 Milliarden Dollar. Der Rückgang des Kern-Betriebsgewinns um 3 Prozent auf 3,24 Milliarden Dollar ist ebenfalls schwächer ausgefallen als befürchtet. Was ebenfalls für eine gute Stimmung sorgt: Die Augensparte Alcon, Sorgenkind der Pharmagruppe, wuchs um drei Prozent.

Im Detail aber ist nicht alles so rosig um Novartis. Folgende Punkte zum Verständnis des heutigen Resultats:

1. Auch die strengen Analysten loben Novartis

Der Umsatz lag 1 Prozent über den Konsensschätzungen, während die operative Leistung die Erwartungen um 3 Prozent überstieg. Die Analysten sprechen von einem "soliden" oder gar "guten" Quartal. Die Experten, die wie gewohnt auf Details achten, loben Novartis auch wegen der Produkteentwicklungen. "Die wichtigsten neuen Wachstumsmotoren Entresto und Cosentyx übertrafen unsere Erwartungen", schreibt die Bank Vontobel.

Entresto, ein Herzmedikament, sei auf dem Weg, das Umsatzziel von 500 Millionen Dollar noch dieses Jahr zu erreichen, schreibt die Zürcher Kantonalbank. Auch das Schuppenflechte-Mittel Cosentyx erfülle die Erwartungen mehr als ausreichend.

2. Das Alcon-Problem ist noch nicht gelöst

Für Zuspruch sorgt auch die Augenchirurgie und Kontaktlinsen-Sparte Alcon, weil sie wieder zum Wachstum zurückfindet. Novartis hatte sie für 50 Milliarden Dollar von Nestlé gekauft, und erlebt, dass sie nie die erwünschte Profitabilität brachte. Nun wurde der Umsatz-Ausblick aber angehoben. Konzernchef Joseph Jimenez verkündet bereits euphorisch den Turnaround. Wegen Sanierungskosten weitete sich der operative Verlust bei Alcon im zweiten Quartal allerdings von sieben auf 19 Millionen Dollar aus.

Gegen Ende des Jahres will Alcon informieren, wie es weitergehen soll. Möglich ist weiterhin eine Wertberichtung auf dem 8,3 Milliarden Dollar schweren Goodwill, der neben 8,6 Milliarden anderen immateriellen Vermögenswerten steht. Der Markt würde indessen weiterhin einen Verkauf der Sparte bevorzugen. Die Leistungsschwäche bei Alcon sei weder haltbar noch aktionärsfreundlich, schreibt die Neue Helvetische Bank. Was aber auch wahr ist: Wenn die Augensparte weiter wächst, wird ein Alcon-Börsengang für Novartis interessanter.

3. Generika-Konkurrenz ist ernsthaft ein Thema

Dass der Novartis-Umsatz leicht zurückgegangen ist, liegt vor allem an der Generika-Konkurrenz. Die Generika-Konzernsparte Sandoz verlor vor allem wegen des Preisdrucks in den USA drei Prozent Umsatz. Das erste Halbjahr zeigte auch, dass Novartis speziell beim Blutkrebsmedikament Glivec, das wichtigste Novartis-Medikament, den Wettbewerb durch Nachahmer-Produkte spürt. Für Glivec ist das Patent abgelaufen.

4. Jimenez betont die Rolle der Wachstumstreiber

Ein Pharma-Weltkonzern wie Novartis kann nicht ohne gut gefüllte Pipeline mit neuen Entwicklungen existieren. 2018 solle das Wachstum so richtig einsetzen, verspricht das Communiqué. Laut Konzernchef Joseph Jimenez gleichen Wachstumstreiber die Generika-Schwäche aus. Gleichzeitig will die Konzernsparte Sandoz Biosimilare für Europa lancieren.

Im Video-Interview (in englischer Sprache) äussert sich Jimenez unter anderem über das neu zugelassene Medikament Kisqali gegen Brustkrebs:

5. Die Aktie steht bei Analysten nicht mehr so hoch im Kurs

Aktuell stehen für Novartis von namhaften Banken und Brokern mehr "Hold"- als "Buy"-Empfehlungen aus. Vor einigen Monaten gab es noch mehr Kauf-Empfehlungen als andere Ratings. Die globale Konkurrenz von Novartis erhält teils deutlich bessere Bewertungen.

Die UBS, Vontobel, J.P. Morgan, Berenberg, Goldman Sachs und Deutsche Bank wie auch Barclays und S&P Capital raten zum Halten der Aktie, was manche Investoren als stilles Verkaufs-Signal erachten. Die Credit Suisse empfiehlt gar direkt ein Abstossen der Aktie. Allerdings stehen immer noch nur wenige "Sell" auf Novartis aus.

Auch beim Wert, auf den die aktuell 82 Franken teure Aktie steigen dürfte, sind die Analysten vorsichtig: Über 90 Franken hinaus geht kaum eine Kursziel. Das zeigt: Novartis wird nach wie vor in einer Übergangsphase gesehen, bezüglich der Aktie ist Abwarten angesagt.