Pharmahersteller - Vifor mit «hochkomplexen Zahlen» - Aktie fällt

Nach einem starken ersten Halbjahr erhöht der Pharmahersteller Vifor die diesjährigen Zielvorgaben. Die schon zuvor hohen Markterwartungen und die eher mässige Ergebnisqualität lassen den Kurs der Aktie fallen.
08.08.2018 13:45
Von Lorenz Burkhalter
Verpackungsanlage bei Vifor Pharma in Genf.
Verpackungsanlage bei Vifor Pharma in Genf.
Bild: ZVG

Der Zahlenkranz von Vifor Pharma für die erste Jahreshälfte kann sich sehen lassen. Zumindest auf den ersten Blick übertrifft der Pharmahersteller aus Bern beim operativen Gewinn (EBITDA) sowie beim den Aktionären zurechenbaren Reingewinn selbst die höchsten Analystenerwartungen. Der Reingewinn fällt gar doppelt so hoch aus.

Aufgrund der starken Geschäftsentwicklung erhöht das Unternehmen erwartungsgemäss die Zielvorgaben für das Gesamtjahr. Neu strebt es ein Wachstum beim operativen Gewinn (EBITDA) von mehr als 25 Prozent (bisher mehr als 20 Prozent) bei einem um mindestens 15 Prozent (bisher mindestens 10 Prozent) höheren Umsatz an.

So weit, so gut - lägen die Konsenserwartungen nicht bereits bei einem Umsatzwachstum von 16,5 Prozent und einem operativen Gewinnwachstum von 34 Prozent (cash berichtete). Auch der deutlich besser als erwartet ausgefallene Reingewinn muss relativiert werden, spielten doch einmalige Faktoren mit hinein. Zudem verkaufte sich der mittels einer milliardenschweren Grossübernahme teuer erkaufte Kaliumbinder Veltassa deutlich schlechter als erhofft.

Nachdem der Kurs der Vifor-Aktie im frühen Handel bis auf 176,95 Franken abtauchte, verliert sie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde noch 4,1 Prozent auf 181,30 Franken.

Ein hochkomplexes Zahlenwerk

Wie der Pharmaanalyst der UBS schreibt, ist das vorliegende Zahlenwerk sehr schwierig zu deuten. Während sich das Eisenmedikament Mircera besser verkaufte, blieb der Kaliumbinder Veltassa hinter den Erwartungen zurück. Vifor Pharma selbst kürzt denn auch die diesjährigen Absatzprognosen für Veltassa und rechnet neu mit einem Umsatzbeitrag von 90 (zuvor 100) Millionen Franken.

Die Vifor-Aktie durchlief in den letzten 12 Monaten eine Kursverdoppelung (Quelle: www.cash.ch)

Dem UBS-Analysten zufolge dürfte der starke Absatz mit dem Transplantationsmedikament Cellcept kaum nachhaltig sein. Hinzu kommen weitere das Ergebnis aufblähende Faktoren, beispielsweise Währungsgewinne auf innerhalb des Unternehmens vergebenen Krediten. Die Vifor-Aktie wird bei der UBS deshalb weiterhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 132 Franken zum Verkauf empfohlen.

Auch in einem Kommentar des für Kepler Cheuvreux tätigen Berufskollegen ist die Absatzschwäche bei Veltassa und die diesbezüglich tieferen Absatzprognosen für den Kaliumbinder das zentrale Thema. Den ihm vorliegenden Informationen zufolge liegen die diesjährigen Markterwartungen für Veltassa gar bei einem Umsatz von 116 Millionen Franken. Dem steht neu eine firmeneigene Prognose von 90 Millionen Franken gegenüber. Der Kepler-Cheuvreux-Analyst sieht nun auch die mittelfristigen Absatzziele für den Kaliumbinder in Gefahr und stuft die Aktie mit "Hold" und einem Kursziel von 137 Franken ein.

Gewinnmitnahmen wenig überraschend

Bei Baader-Helvea ist hingegen von einem starken Halbjahresergebnis die Rede. Allerdings räumt der Autor ein, dass die Verbuchung einiger Produktumsätze vorverschoben worden seien. Dadurch präsentiert sich das Zahlenwerk insgesamt etwas besser. Die Vifor-Aktie wird bei Baader-Helvea wie bis anhin zum Kauf empfohlen. Das 135 Franken lautende Kursziel dürfte erhöht werden.

Ebenfalls das Kursziel erhöhen will die Bank Vontobel. Sie stufte die Aktie bisweilen mit "Hold" und einem Kursziel von 157 Franken ein.

Mit einem Kursplus von mehr als 50 Prozent zählt die Vifor-Aktie zu den diesjährigen Gewinnern am Schweizer Aktienmarkt. Ein Schnäppchen ist sie mittlerweile nicht mehr. Auf Basis der nächstjährigen Schätzungen der für die Bank Vontobel tätigen Pharmaanalystin errechnet sich ein stolzes Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 37. Andere Berufskollegen kommen sogar auf noch höhere Werte.

Aus der Sicht von Beobachtern überrascht deshalb nicht, dass die Aktie Gewinnmitnahmen zum Opfer fällt.