Pharmaindustrie - Grosse Pharmakonzerne verlieren Marktanteile

Die grössten Pharmakonzerne der Welt sind 2016 weniger stark als im Vorjahr gewachsen. Vor allem bei den ganz grossen Unternehmen zeigt sich eine Wachstumsverlangsamung.
15.05.2017 12:08
Der Hauptsitz von Novartis in Basel. Die Schweizer Pharmariesen liegen beim Wachstum unter dem internationalen Durchschnitt.
Der Hauptsitz von Novartis in Basel. Die Schweizer Pharmariesen liegen beim Wachstum unter dem internationalen Durchschnitt.
Bild: Bloomberg

Die 21 grössten Pharmakonzerne der Welt haben 2016 den Umsatz wechselkursbereinigt gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent auf 445,4 Milliarden Euro gesteigert. Das ist gegenüber dem Wachstum des Vorjahres ein Rückgang. Damals wuchsen die Verkäufe noch um 4,6 Prozent, wie eine am Montag veröffentlichte Studie des Beratungsunternehmens EY zeigt.

Innerhalb der 21 Konzerne zeigen vor allem die zehn grössten Pharmakonzerne eine Wachstumsverlangsamung. Ihre Umsätze haben lediglich um 1,3 Prozent zugenommen. Die Unternehmen auf den Plätzen 11 bis 21 dagegen konnten ihre Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent erhöhen.

In Hinblick auf die Herkunft der Unternehmen entwickelten sich die Konzerne aus den USA positiver als ihre Konkurrenz aus Europa und Japan. So weist AbbVie mit einem Plus von 13,3 Prozent das stärkste Wachstum zwischen 2014 und 2016 aus. Sechs der zehn wachstumsstärksten Konzerne stammen aus den USA.

Schweizer unterdurchschnittlich

Die Schweizer Konzerne Roche (+2,6 Prozent) und Novartis (+1,2 Prozent) dagegen haben laut der Studie unterdurchschnittlich zugelegt. Beide Firmen investieren aber überdurchschnittlich in die Forschung und Entwicklung (F&E) und damit in die Zukunft.

Insgesamt steigerten die 21 Konzerne die Forschungs- und Entwicklungsausgaben 2016 wechselkursbereinigt um 3,9 Prozent auf insgesamt 80,7 Milliarden Euro. Wie beim Umsatz hat sich auch in diesem Bereich das Wachstum verlangsamt. 2015 wuchsen die F&E- Ausgaben noch um 8,6 Prozent, wobei die ganz grossen (+4,3 Prozent) die Forschungsinvestitionen stärker erhöht haben als die kleineren (+2,3 Prozent).

In absoluten Zahlen führen Roche und Novartis mit Ausgaben von 7,9 Milliarden respektive 6,4 Milliarden Euro nach wie vor die Liste der Innovationstreiber an. Während Roche jedoch die F&E Ausgaben nochmals steigerte (+3,4 Prozent), fuhr sie Novartis zurück (-5,8 Prozent).

Trotz gedrosselter Ausgaben ist die Produktepipline der grossen Pharmaunternehmen 2016 zweistellig angewachsen. Die Zahl der Produkte in der klinischen Entwicklung ist vergangenen Jahr um 12 Prozent auf 4606 angestiegen. Die Konzerne konzentrieren sich dabei weiterhin auf Krebswirkstoffe. Krebsmedikamente machen laut Studie inzwischen knapp 29 Prozent aller Medikamentenumsätze der Top-21-Unternehmen aus.

Für die Studie hat EY die 20 umsatzstärksten börsenkotierten Pharmakonzerne sowie Boehringer Ingelheim als global grösstes privates Pharmaunternehmen in Familienhand berücksichtigt.

(SDA)