Pharmaindustrie - Roche-CEO setzt auf neue Therapien und Innovation

Roche-CEO Severin Schwan sieht die Menschheit im Kampf gegen den Krebs auf eine offene Zukunft zusteuern.
17.04.2017 17:07
Severin Schwan, CEO von Roche.
Severin Schwan, CEO von Roche.
Bild: cash

"Heute kann keiner auf seriöse Weise abschätzen, wie lange es dauern wird, bis wir den Krebs tatsächlich besiegen können", erklärte Schwan im Interview mit der "Schweiz am Wochenende" (Ausgabe, 15. April). Allerdings würden in der Krebsforschung beeindruckende Fortschritte erzielt, insbesondere in der Krebsimmuntherapie. Schwan glaubt, dass die Wissenschaft auch in Zukunft weitere Möglichkeiten für das Unternehmen offen hält.

"Wir sehen in den klinischen Studien sehr gute Ergebnisse mit Kombinationstherapien", so Schwan weiter. Jedoch habe der Krebs die Fähigkeit, sich ständig zu verändern, um Therapien auszuweichen. Daher werde versucht, über verschiedene Angriffsflächen den Krebs in Schach zu halten. Bei Roche sollen wichtige Studien zum Wirkstoff Tecentriq in der Behandlung von Lungenkrebs, die weltweit häufigste Krebsform, im zweiten Halbjahr Ergebnisse liefern. "Es wird sich zeigen, wie gut diese Daten im Vergleich zur Konkurrenz ausfallen. Ich bin sehr vorsichtig mit Prognosen", sagte der Roche-Chef.

Tatsächlich befinde sich das Unternehmen momentan in einer besonders kritischen Phase, da grosse Medikamente in einem engen Zeitraum ihre Patente verlieren, so Schwan weiter. "Es sieht glücklicherweise so aus, als könnten wir gleichzeitig eine Reihe neuer Wirkstoffe auf den Markt bringen. Das reduziert das Risiko." Ausserhalb der Krebstherapie stünden im zweiten Halbjahr 2017 auch wichtige Studien mit einem Augenheilmittel gegen die altersbedingte trockene Makula-Degeneration und einem Wirkstoff gegen die Bluterkrankheit an.

"Je mehr Studien positiv ausfallen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Umsatzerosionen durch die Nachahmerprodukte kompensieren können", erklärte Schwan. Zudem habe man vor kurzem ein vielversprechendes Medikament gegen multiple Sklerose lanciert.

Mit Blick auf die USA unter Präsident Donald Trump herrscht laut Schwan zurzeit eine "relativ hohe Unsicherheit". "Aber mein Vertrauen in die USA ist recht hoch." Die Begeisterung für medizinischen und technologischen Fortschritt sei extrem spürbar und tief verankert, trotz anhaltender Preisdebatte. "Ich bin überzeugt, dass echte Innovation in den USA auch weiterhin honoriert und damit bezahlt wird."

(AWP)