Pharmakonzern - Stapelt Novartis bei den Zielvorgaben zu tief?

Der Gesundheitskonzern Novartis kann die Erwartungen an das Schlussquartal nicht ganz erfüllen. Vor allem aber von den Gewinnvorgaben für 2019 hatten sich die Analysten mehr erhofft. Dennoch fängt sich die Aktie.
30.01.2019 11:28
Von Lorenz Burkhalter
Der Hauptsitz von Novartis in Basel.
Der Hauptsitz von Novartis in Basel.
Bild: Bloomberg

Novartis schrammt im Schlussquartal 2018 an den Analystenerwartungen vorbei. Das weiss selbst der solide Absatz bei den beiden Schlüsselmedikamenten Gilenya und Cosentyx nicht zu verhindern.

Für Gesprächsstoff sorgen aber weniger der Zahlenkranz, als vielmehr die eher vorsichtig formulierten Wachstumsvorgaben für den operativen Kerngewinn (EBIT). Das gilt sowohl für die Zielvorgaben auf Basis der bisherigen Unternehmensstruktur als auch für jene für die Unternehmensstruktur nach Abspaltung von Alcon und dem Verkauf des Dermatologiegeschäfts der auf Nachahmermedikamente spezialisierten Sandoz.

Dass die Novartis-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde nur noch 1,2 Prozent auf 84,62 Franken und nicht mehr verliert, erklären sich Beobachter mit den möglicherweise zu tief angesetzten Zielvorgaben sowie mit dem 10 Milliarden Franken schweren neuen Aktienrückkaufprogramm.

Umsatzbeitrag von Glivec wohl nicht nachhaltig

Aus Sicht der UBS Investmentbank bewegt sich die Umsatz- und Gewinnentwicklung auf Konzernebene auf das Schlussquartal bezogen in etwa im Rahmen der Erwartungen. Positiv hebt die Grossbank den soliden Umsatzbeitrag aus dem Geschäftszweig Innovative Medicines hervor. Im Hinblick auf die geplante Abspaltung von Alcon stösst man sich bei der UBS hingegen am enttäuschenden Gewinnbeitrag des US-Tochterunternehmens im vierten Quartal. Auf die diesjährigen Zielvorgaben angesprochen, rechnet die Grossbank auf Stufe des operativen Gewinns mit Abwärtsrevisionen von 5 Prozent oder mehr. Das Anlageurteil für die Novartis-Aktie lautet weiterhin "Neutral", das 12-Monats-Kursziel wird mit 85 Franken angegeben.

Gemäss Baader-Helvea sind im vierten Quartal und auf das Gesamtjahr betrachtet grössere Überraschungen ausgeblieben. Wie bei der UBS wird vor allem die starke Absatzentwicklung bei Innovative Medicines begrüsst. Anders als die Grossbank werden die Zielvorgaben für 2019 bei Baader-Helvea jedoch als "im Rahmen der Erwartungen liegend" bezeichnet. Die Novartis-Aktie wird ebenfalls mit "Hold" und einem Kursziel von 85 Franken eingestuft.

Neben den Schlüsselmedikamenten Entresto, Gilenya und Cosentyx hat sich Experten zufolge auch das Leukämiepräparat Glivec gut verkauft. Da Glivec nach dem Ablauf des Patentschutzes von günstigeren Nachahmermedikamenten betroffen sei, sei der starke Absatz mit diesem Medikament aber mit Vorsicht zu geniessen, so heisst es. Über die etwas tiefer als erwartet ausgefallene Jahresdividende blickt man angesichts des milliardenschweren Aktienrückkaufprogramms grosszügig hinweg.

Gefährliche Abhängigkeit von Cosentyx und Gilenya

Noch verkauft sich das Psoriasis-Medikament Cosentyx zwar gut. Mit 806 Millionen Dollar schwoll der Umsatzbeitrag im Schlussquartal gegenüber dem Vorjahr um gute 30 Prozent an. Das macht Cosentyx zum zweitwichtigsten Präparat nach Gilenya. Bei Gilenya wuchs der Quartalsumsatz mit 836 Millionen Dollar im Jahresvergleich allerdings nur leicht.

Der britischen Grossbank Barclays zufolge könnte Gilenya früher als erwartet den Patentschutz verlieren. Ab dann wäre das Multiple-Sklerose-Medikament der Konkurrenz günstigerer Nachahmerpräparate ausgesetzt. Zudem geben behandelnde Ärzte Barclays gegenüber in Umfragen an, dass sie aufgrund der kürzlich erfolgten Sicherheitswarnung seitens der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA vermehrt auf andere Medikamente ausweichen wollen.

Auch Händler sehen in der hohen Abhängigkeit Novartis' von Gilenya und Cosentyx eine Gefahr. Das gelte erst recht im Hinblick auf die geplante Abspaltung des US-Tochterunternehmens Alcon. Novartis-Chef Vasant Narasimhan versucht die Wogen jedoch zu glätten und rechnet bei Gilenya zumindest 2019 noch nicht mit dem Markteintritt günstigerer Nachahmerpräparate. Baader-Helvea zufolge würde ein vorzeitiger Markteintritt von Nachahmermedikamenten den diesjährigen Konzerngewinn bei Novartis um geschätzte 2 Prozent schmälern.