Pharmakonzern vor Veränderungen - Wird bei Novartis jetzt alles besser?

Mit der Aktie von Novartis liess sich in den letzten Wochen kein Geld verdienen. Das könnte sich laut einem einflussreichen Analysten schon bald ändern. Doch die Mehrheit des Marktes bleibt skeptisch.
13.02.2017 08:49
Von Lorenz Burkhalter
Bei Novartis sind grössere Veränderungen zu erwarten.
Bei Novartis sind grössere Veränderungen zu erwarten.
Bild: Bloomberg

Seit Sonntag ist es offiziell: Dem deutschen Arzneimittelhersteller Stada liegen zwei nichtbindende Übernahmeofferten vor. Neben Finanzinvestoren buhlt angeblich auch Novartis um die Gunst des Rivalen. Alleine schon von der Grösse her passt letzterer ins Beuteschema der Basler.

Eine Übernahme von Stada könnte bei Novartis grundlegende strategische Veränderungen nach sich ziehen, so sind sich Branchenkenner einig. Veränderungen sind beim breit diversifizierten Gesundheitskonzern denn auch dringend notwendig. Aus Sicht der Aktionäre erwiesen sich die letzten Jahre bestenfalls als ein Nullsummenspiel. Mittlerweile trennen die Aktie nicht weniger als 27 Prozent vom Rekordhoch vom Juli vor zwei Jahren. Damals wurden in der Spitze Kurse von bis zu 103,20 Franken bezahlt.

In einer Unternehmensstudie der MainFirst Bank nennt der Autor die Probleme beim Namen: Wichtige Medikamente haben bei Novartis den Patentschutz verloren, die Restrukturierungsbemühungen wollen kein Ende nehmen und auch der strategische Zick-Zack-Kurs der letzten Jahre hat Spuren hinterlassen. Der Analyst wähnt den Gesundheitskonzern in einem Hamsterrad. Besser gesagt: Novartis kommt nicht vom Fleck.

Prozentual zweistelliges Gewinnwachstum möglich

Allerdings sieht er das Unternehmen im Laufe dieses Jahres aus dem Hamsterrad steigen. Folglich stuft der Studienautor die zuletzt arg vernachlässigte Aktie mit einem 90 Franken lautenden Kursziel von "Neutral" auf "Outperform" herauf.

Die Novartis-Aktie (rot) hinkt dem SPI (grün) hinterher; Quelle: www.cash.ch

Gerade im Geschäft mit innovativen Medikamenten rechnet der Analyst nach wachstumsarmen Jahren mit einer deutlichen Beschleunigung. Er zeigt sich zuversichtlich, dass die beiden Schlüsselpräparate Entresto und Cosentyx mit etwas mehr Marketinganstrengung doch noch zum Verkaufsschlager werden. Gelingt das Vorhaben, sind über die nächsten fünf Jahre sogar prozentual zweistellige Gewinnwachstumsraten möglich.

In der Studie wird auch die in der Augenheilkunde tätige Novartis-Tochter Alcon ausführlich abgehandelt. Erst vor wenigen Wochen liess Konzernchef Joe Jimenez durchblicken, dass dieser Geschäftsbereich bis Ende Jahr sogar verkauft werden könnte.

Andere Analysten bleiben skeptisch

Der Autor beziffert den Wert von Alcon auf rund 17 Milliarden Dollar, was einen Goodwill-Abschreiber von knapp 10 Milliarden Dollar nach sich ziehen würde. Ursprünglich zahlte Novartis sogar über 50 Milliarden Dollar für die Tochter. Ein milliardenschwerer Abschreiber liesse sich jedoch umgehen, findet Alcon vor dem Verkauf wieder zu Wachstum.

Trotz einer attraktiv hohen Dividendenrendite von 3,5 Prozent und einem eben erst angekündigten Aktienrückkaufprogramm in Milliardenhöhe ist die Novartis-Aktie bei Analysten nicht gerade sehr beliebt. Wie Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP verraten, empfehlen nur acht von 23 Experten den Titel zum Kauf. 14 haben eine neutrale, ein Analyst sogar eine negative Einschätzung. Mit einem durchschnittlichen Kursziel von 80 Franken wird der Aktie nur ein Aufwärtspotenzial von 6 Prozent zugetraut.