Pharmakonzerne - Ein heisses Rennen um neue HIV-Arzneien

Im Wettlauf um neue HIV-Medikamente liefern sich der britische Pharmariese GlaxoSmithKline und US-Rivale Gilead ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
05.11.2017 08:25
Ein Mitarbeiter des US-Pharmaunternehmens Gilead im Labor.
Ein Mitarbeiter des US-Pharmaunternehmens Gilead im Labor.
Bild: Bloomberg

"Der Wettbewerb wird ab Februar nächsten Jahres zweifellos deutlich zunehmen", erwartet Deborah Waterhouse, Chefin des HIV-Spezialisten ViiV Healthcare, der mehrheitlich im Besitz von Glaxo ist. Bislang nehmen Patienten bei der HIV-Behandlung in der Regel eine Kombination aus drei Wirkstoffen ein, um das Virus im Schach zu halten. Eine seit Jahren bewährte Strategie, auf die auch Gilead mit seiner neuen Kombination aus drei Wirkstoffen setzt.

Glaxo hofft dagegen, dass sein Schlüsselmedikament in der HIV-Behandlung stark genug ist, um mit nur einem weiteren Mittel zusammen eingesetzt werden zu können. Sollten die Briten Erfolg haben, könnten sie einen neuen Standard setzten, zumal eine Behandlung mit zwei Wirkstoffen weniger Nebenwirkungen haben und günstiger sein könnte.

Gilead warnt jedoch davor, dass sich bei dieser Kombination schneller Resistenzen bilden könnten, da das Virus nur zwei Wirkstoffen und nicht drei entgehen muss. Die Bildung von Resistenzen ist ein grosses Problem in der HIV-Therapie. Um dem entgegenzuwirken, werden mehrere Medikamente miteinander kombiniert.

Forscher drängen auf neue Ansätze

Glaxo erwartet am 1. Dezember eine Entscheidung der US-Gesundheitsbehörde FDA über eine Zulassung der Kombination seines Top-Mittels Dolutegravir, das unter dem Handelsnamen Tivicay vermarktet wird, mit dem Wirkstoff Rilpivirine. Damit wäre der Konzern dem US-Konkurrenten Gilead zwei Monate voraus, der bis Mitte Februar mit grünem Licht für eine Dreierkombi mit seinem Hoffnungsträger Bictegravir rechnet.

Investoren fürchten die Auswirkungen auf das HIV-Geschäft von Glaxo, das in den ersten neun Monaten 2017 ein Umsatzplus von 26 Prozent auf 3,2 Milliarden Pfund (3,6 Milliarden Euro) verzeichnete, zumal sich das Wachstum im wichtigen US-Markt verlangsamt. Denn obwohl Millionen von Menschen heute in armen Ländern mit billigen Generika behandelt werden, macht der hochpreisige US-Markt immer noch 65 bis 70 Prozent des weltweiten HIV-Umsatzes aus.

Fast zwei Millionen Menschen weltweit infizieren sich jährlich neu mit HIV. Forscher drängen auf neue Ansätze zur Behandlung der Krankheit. Vor allem ältere Patienten leiden zunehmend unter Nebenwirkungen.

Langfristige Wette für Glaxo

Für Glaxo und Gilead geht es um viel. Die beiden Unternehmen haben einen Anteil von 53 beziehungsweise 22 Prozent am weltweiten Markt für HIV-Medikamente. Glaxo-Chefin Emma Walmsley hat das HIV-Geschäft als eine der beiden zentralen Säulen für das Pharmageschäft der Briten auserkoren. Und für die kalifornische Gilead ist das neue HIV-Mittel eine gute Gelegenheit, den Umsatz in einem anderen Schlüsselbereich anzukurbeln, nachdem das einst für den Erfolg der Amerikaner so wichtige Hepatitis-C-Geschäft an Glanz verloren hat.

Experten gehen davon aus, dass für Glaxo noch viel mehr von einer möglichen Zulassung seines Wirkstoffs Dolutegravir in Kombination mit seinem günstigeren, patentfreien Mittel 3TC abhängt. Diese Kombi könnte bei erfolgreichem Studienverlauf im zweiten Halbjahr 2019 auf den Markt kommen. Und gerade im kostenbewussten Europa ist es besonders wichtig, ein günstigeres Medikament auf dem Markt zu haben.

Waterhouse geht zwar davon aus, dass Konkurrent Gilead mit seiner neuen Dreierkombi zunächst stärkeres Wachstum beschieden sein dürfte als den Briten mit ihrer Zweierkombi. Glaxo könne dann aber auf die Kombi aus Dolutegravir und 3TC aufbauen. "Das ist nur der Anfang."

(Reuters)