Platzt die Tech-Blase 2.0?

Bei den Technologie-Werten trennt sich die Spreu vom Weizen. Denn die vergangenen Tage zeigten: Einige Tech-Helden verlieren zunehmend die Gunst der Investoren und haben an der Börse deutlich verloren.
29.10.2014 12:16
Von Ivo Ruch
Amazon gehört zu den Internetunternehmen, die unter Druck stehen.
Amazon gehört zu den Internetunternehmen, die unter Druck stehen.
Bild: Bloomberg

Platzt sie oder platzt sie nicht? Die Rede ist von einer möglichen Spekulationsblase am Markt für Technologieunternehmen. Tatsache ist: Etliche Firmen aus diesem Bereich haben ein durchzogenes Jahr hinter sich. Amazon, eBay, Google oder Twitter haben allesamt im laufenden Jahr an Börsenwert verloren. Der Online-Händler Amazon hatte die Anleger kürzlich mit einem Verlust über den Erwartungen schockiert und zudem einen trüben Ausblick kommuniziert. Die Aktie reagierte prompt und weitete ihren Verlust im laufenden Jahr auf 26 Prozent aus.

Noch schlechter läuft es derzeit für Twitter. Der Kurznachrichtendienst konnte mit den neusten Nutzerzahlen die hohen Erwartungen nicht erfüllen und musste einen weiteren hohen Quartalsverlust bekannt geben, weshalb die Aktie am Dienstag um 10 Prozent einbrach. Twitter hat in seiner Unternehmensgeschichte noch nie Gewinn gemacht. Doch hohe Bargeldreserven halten den Betrieb am Laufen. Die Frage ist nur, wie lange noch?

Facebook hängt Twitter ab

Aktuell hat Twitter zwar 284 Millionen Mitglieder. Allerdings ist das Unternehmen von CEO Dick Costolo immer noch weit von Facebook mit seinen über 1,3 Milliarden aktiven Nutzern entfernt. Bei Facebook läuft es besser. Dank einer grossen Nachfrage von Werbekunden nach Anzeigen auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets hat Facebook den Umsatz im dritten Quartal um 59 Prozent gesteigert. Zusätzlich kletterte der Gewinn auf 3,2 Milliarden Dollar. Zwei Drittel der Einnahmen werden mittlerweile mit Reklame auf mobilen Geräten gemacht. Hier erzielt Facebook deutlich mehr Erfolge als Twitter.

Trotzdem kam der Quartalsbericht an der Börse nicht gut an. Nachdem Finanzchef David Wehner in einer Telefonkonferenz mit Analysten angekündigt hatte, dass die Kosten und Ausgaben im kommenden Jahr um 55 bis 75 Prozent steigen könnten, fiel die Facebook-Aktie nachbörslich um zehn Prozent. Allerdings hatte der Kurs im bisherigen Jahresverlauf um fast 50 Prozent zugelegt und war allein in der vergangenen Woche um sechs Prozent gestiegen.

Auch Apple gehört mit einem Plus von 33 Prozent wieder zu den Tech-Lieblingen. Kaum vom Fleck gekommen ist aber Google. Der Suchmaschinen-Gigant ist trotz soliden Geschäftszahlen immer noch gleich viel wert wie zu Jahresbeginn.

Parallelen zur letzten Blase

Verschiedene Beobachter der Tech-Szene warnen schon seit längerem vor einer erneuten Blase. Sie sehen in der derzeitigen Entwicklung Parallelen zur Dotcom-Blase im Frühsommer 2000. Damals enttäuschten etliche Technologieunternehmen die hohen Gewinnerwartungen der Anleger, was zu massiven Kurseinbrüchen führte.

Die Übernahme von WhatsApp durch den Facebook im letzten Februar bezeichnete ein Analyst kürzlich DAS Schlüsselereignis. Der 16-Milliarden-Dollar-Deal sei vergleichbar mit der damaligen Offerte von Time Warner für AOL auf dem absoluten Höhepunkt der Technologiehausse. Skeptisch sind diesbezüglich auch die cash-Leser. Mit grosser Mehrheit gaben sie in einer Umfrage im September an, die Euphorie um Internet-Aktien werde verfliegen wie im Jahr 2000.

Auch das Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers hat in einer Studie gezeigt, dass in den USA immer mehr Risikokapital in Technologieunternehmen fliesst. Kommt hinzu: Der amerikanische Technologie-Index Nasdaq ist im laufenden Jahr wieder in die Nähe der Rekordstände während eben dieser Blasenzeit gestiegen ist. Und die durchschnittliche Bewertung ist mit einer Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25,5 auf der teuren Seite.

Alibaba und die Nachahmer

Ein weiteres Argument der Skeptiker ist die zunehmende Anzahl von Börsengängen aus dem Internet-Bereich. Aus diesem Bereich bleibt bestimmt der der IPO von Alibaba in Erinnerung, geht er doch als bisher grösster in die Börsengeschichte ein. Rund 25 Milliarden Dollar betrug das Emissionsvolumen der chinesischen Handelsplattform.

Alibaba ist kein Einzelfall. Denn auch zahlreiche europäische Internetunternehmen liessen sich von der IPO-Welle mitreissen, wie die Beispiele von Zalando und Rocket Internet zeigen. Allerdings gingen die ersten Schritte auf dem Börsenparket mit unterschiedlichem Erfolg vonstatten. Während die Alibaba-Aktie bisher um 4 Prozent teurer geworden ist, gelten Rocket und Zalando mit einem Plus von 2 und einem Minus von 13 Prozent eher als Rohrkrepierer.