«Pokémon-Aktie» Nintendo stürzt ab

Kalte Dusche für Nintendo-Anleger: Nach dem gewaltigen Kursschub durch das Smartphone-Spiel «Pokémon Go» in den vergangenen Wochen ist die Aktie am Montag massiv abgestürzt.
25.07.2016 11:15
Wird Nintendo weniger in die Kassen spühlen, als von den Anlegern erwartet: Pokémon-Go-Spiel.
Wird Nintendo weniger in die Kassen spühlen, als von den Anlegern erwartet: Pokémon-Go-Spiel.

An der Tokioter Börse rutschten Nintendo um knapp 18 Prozent ab. So viel hat die Aktie an einem einzigen Handelstag seit knapp 26 Jahren nicht mehr verloren. Dabei wechselten fast fünf Mal so viele Papiere den Besitzer wie üblich.

Auslöser des Ausverkaufs war eine Mittelung des Unternehmens vom Freitag, wonach "Pokémon Go" nur einen begrenzten Einfluss auf die Geschäftszahlen haben werde. Es gebe derzeit keine Pläne, die Geschäftsziele anzuheben. Das Unternehmen will am Mittwoch seine Bücher öffnen. Dank des unerwartet grossen weltweiten Erfolgs von "Pokémon Go" hatte sich der Kurs der Nintendo-Aktien in den vergangenen zwei Wochen zeitweise verdoppelt.

"Es war stets recht offensichtlich, dass die Einnahmen für Nintendo diesen Kursanstieg nicht rechtfertigen", betont Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. "Die Tatsache, dass das Unternehmen dies nun bestätigt hat, sollte niemanden schockieren." Das Kursplus von gut 50 Prozent im Vergleich zum Niveau vor Markteinführung von "Pokémon Go" spiegele den erfolgreichen Einstieg von Nintendo in den stark wachsenden Markt für Handy-Spiele angemessen wider.

Überzogene Crash?

Wilsons Kollege David Gibson von der Bank Macquarie bezeichnet den aktuellen Kurssturz dagegen als überzogen. Er verwies auf die Download-Rekorde. Allein in Japan hätten binnen eines Tages zehn Millionen Nutzer das Spiel auf ihren Smartphones installiert. "Wegen dieses Trends wird 'Pokémon Go' einen erheblichen Einfluss auf die Einnahmen des Unternehmens haben." Börsianer erwarten durch zahlungspflichtige Erweiterungen des Spiels einen Gewinnschub von umgerechnet 400 Millionen Euro für Nintendo.

"Pokémon Go" wechselt zwischen der echten und der virtuellen Welt. Der Spieler muss dabei verschiedene Arten von Fantasiewesen einfangen, die bereits vor 20 Jahren mit einer Serie von Videospielen bekanntwurden.

Von Nintendos Kurseinbruch wurde am Montag auch dessen Werbepartner McDonalds Japan mitgerissen. Die Aktien der Schnellrestaurantkette fielen um knapp 12 Prozent. Das ist der grösste Tagesverlust seit etwa 15 Jahren. Vergangene Woche hatte das Unternehmen bekanntgegeben, dass "Pokémon Go"-Spieler in seinen 3000 Filialen um die kleinen Fantasiefiguren kämpfen können.

(Reuters)