Politische Risiken gefährden Wachstum der Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft schwächelt seit längerem. Auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rückt dabei vor allem ein Thema in den Vordergrund: Die politischen Risiken.
07.10.2016 20:01
US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump: Ein Risiko für die Weltwirtschaft.
US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump: Ein Risiko für die Weltwirtschaft.
Bild: Bloomberg

"Die massgeblichen Risiken sind politische", sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Washington. Gemeint ist die wachsende Unzufriedenheit vieler Menschen mit den politischen Entscheidungsträgern und die Globalisierungs-Kritik. Viele Länder - etwa in Afrika - profitieren kaum. Hat man solche "Verlierer" der Globalisierung nicht genügend beachtet, wird IWF-Chefin Christine Lagarde gefragt: "Wahrscheinlich nicht", räumt die Französin ein.

Ganz neu ist das Problem nicht. Aber es rückt nach vorne, weil in immer mehr Ländern populistische Bewegungen am linken und rechten Rand an Bedeutung gewinnen, wie in Deutschland die AfD. Sie propagieren eine Rückkehr zum Nationalen. In den USA will der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump die weltgrösste Volkswirtschaft stärker abschotten.

Schäuble: «Ich bin tiefbesorgt»

"Ich bin tiefbesorgt", sagt Schäuble. Denn solche Entwicklungen könnten die Weltwirtschaft, die unter der Konjunkturabkühlung in China sowie Rezessionen in Russland und Brasilien leidet, weiter ausbremsen. Beispiel Brexit: Durch den geplanten britischen EU-Austritt verlieren Ökonomen zufolge beide Seiten. Denn ein freier Welthandel und ein Abbau von Handelsschranken vertragen sich nicht mit wieder stärker national orientierten Ausrichtungen. Weitreichende Freihandelsvereinbarungen der USA mit den pazifischen Staaten (TPP) und mit der EU (TTIP) stehen wegen grosser Widerstände in der Bevölkerung vor dem Aus. Der Welthandel, so klagt der IWF, falle als Treiber des globalen Wirtschaftswachstums mehr und mehr aus.

"Viele Menschen trauen ihren politischen und wirtschaftlichen Eliten nicht mehr", so Schäuble. Es müsse eine neue, sozial gerechtere Art von Wachstum geben. IWF-Chefin Lagarde verwendet deswegen oft den Begriff "inklusives Wachstum", das es zu verfolgen gelte. Alle müssten daran teilhaben. Ohne Wachstum könne es allerdings auch keine Verteilungsgerechtigkeit geben. Und Bremsfaktoren gebe es bereits ausreichend: hohe Schulden, zu viele Arbeitslose, Terror-Gefahr sowie Kriege und Konflikte wie in Syrien und der Ost-Ukraine.

(Reuters)