Portfolio-Check in der neuen Realität

Der Mindestkurs ist weg, die EZB kauft Anleihen, der SMI schwankt: Der Januar hat die Märkte durchgeschüttelt. cash sagt Ihnen, auf welche Punkte Sie als Anleger jetzt ihr Portfolio durchleuchten sollen.
03.02.2015 01:04
Von Ivo Ruch
Unabhängig vom Umfeld gilt es beim Portfolio-Check grundsätzliches zu beachten.

Seit dem 15. Januar finden sich Schweizer Anleger in einer neuen Realität wieder. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses liess den Swiss Market Index (SMI) einbrechen. Noch immer ist der Leitindex rund 9 Prozent vom Stand vor dem SNB-Schock entfernt. Gleichzeitig hat sich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro deutlich aufgewertet.

Kurze Zeit später hat zudem die Europäische Zentralbank entschieden, ab März für mindestens anderthalb Jahre monatlich Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro zu kaufen. Auch das hat die Märkte jüngst stark beschäftigt. Nun, da sich der Rauch etwas gelegt hat, ist der Zeitpunkt ideal, um sein Portfolio einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.

Ohne Emotionen

Ob mit oder ohne Euro-Mindestkurs, als wichtigen ersten Schritt eines Portfolio-Checks muss immer Grundsätzliches beachtet werden. Der Anleger müsse zuallererst wissen, welchen Teil des Vermögens er zum Leben brauche und was er investieren möchte, sagt Florian Schubiger vom Winterthurer Beratungsunternehmen Vermögenspartner.

Sollte sich in der Lebenssituation des Anlegers etwas Grundlegendes verändert haben, muss dies auch in Bezug auf die Anlagestrategie und die Risikobereitschaft berücksichtigt werden. Gemäss Andri Peer von der Vermögensverwaltung Peersuna hat gerade dieser Punkt einen wesentlichen Anteil am Anlageerfolg.

Die zweite wichtige Grundlage der Vermögensallokation ist für Schubiger das emotionslose Hinterfragen der eigenen Strategie, bevor man allfällige Änderungen beschliesst. Denn einer sinnvollen Diversifikation stünden oft persönliche Vorlieben im Weg.

Der Winterthurer Finanzberater hat bei seinen Kunden die Erfahrung gemacht, dass viele von Anfang an eine bestimmte Aktie im Kopf hatten und Überwindung brauchen, sich davon zu lösen. "Es ist deshalb wichtig, sich zuerst mit der Aktienquote im Portfolio und erst in einem zweiten Schritt mit Einzeltiteln zu beschäftigen", sagt Schubiger.

Gewinner-Aktien suchen

Bei der Aktienauswahl im aktuellen Umfeld kann das bedeuten, dass man sich Unternehmen genauer anschaut, die von der neuen Frankenstärke profitieren dürften. Welche Aktien das sind, erfahren Sie hier und hier. Oder aber man hält Ausschau nach Gewinner-Aktien der EZB-Geldschwemme.

Bargeld auf der Bank zu parkieren, lohnt sich hingegen im Moment kaum. Denn die Zinsen sind so tief wie seit Jahren nicht mehr. Zu den tiefen Leitzinsen kommen Negativzinsen hinzu, welche die Schweizerische Nationalbank verlangt. So beträgt der durchschnittliche Zins auf ein Schweizer Sparkonto nur noch gut 0,15 Prozent. Bei Berücksichtigung der Gebühren resultiert sogar schnell ein Minus unter dem Strich.

Auch Obligationen werfen kaum noch Rendite ab. Die zehnjährigen Bundesobligationen, auch Eidgenoss genannt, sind gar negativ verzinst. Bereits raten Marktexperten dazu, Obligationen nicht einfach im Portfolio liegen zu lassen, sondern mit dividendenstarken Aktien gegenzusteuern.

Kostenstruktur beachten

Nicht vergessen werden sollte die Kostenstruktur des Portfolios. "Ein neues Jahr ist immer eine gute Gelegenheit, die direkten und indirekten Kosten zu hinterfragen", sagt der Sarganser Vermögensverwalter Peer. So können Anleger häufig einiges einsparen. Als verbreitete Kostenfresser nennt er beispielsweise aktiv betreute Obligationenfonds, die im derzeitigen Tiefzinsumfeld mehr Gebühren verursachen als überhaupt Rendite abwerfen.