Preisabsicherung bei RohstoffenEx-Leonteq-Manager will mit Rohstoffen Geld machen

Während Goldman Sachs, JPMorgan und Barclays sich vom Rohstoffhandel zurückgezogen haben oder einen solchen Schritt erwägen, versucht ein kleiner Londoner Broker, ihre Kunden für sich zu gewinnen.
22.07.2017 08:45
Eisenerz wird in Sao Joao da Barra in Brasilien abtransportiert.
Eisenerz wird in Sao Joao da Barra in Brasilien abtransportiert.
Bild: Bloomberg

Marex Spectron Group, Betreiber des grössten Rohstoff-Brokers an der London Metal Exchange, will mehr Händler für eine neue Sparte einstellen, die Unternehmen helfen soll, sich gegen Preisfluktuationen abzusichern. Das Unternehmen setzt damit auf einen Markt, der saftige Margen verspricht, auf dem aber nur wenige grosse Firmen erfolgreich waren.

Das Londoner Unternehmen schuf die neue Sparte mit dem Namen Marex Solutions im März, sagt Nilesh Jethwa, der den Geschäftsbereich leitet. Er war zuletzt Chef für Märkte bei Leonteq, dem Schweizer Anbieter von Finanzinvestment-Produkten, und stand zuvor als Händler in den Diensten von Lehman Brothers.

"Grosse Banken haben sich daraus zurückgezogen massgeschneiderte Absicherungen bei Rohstoffen anzubieten. Und die wenigen, die geblieben sind, tendieren dazu, nur ihre grössten, profitabelsten Kunden zu bedienen", sagt Jethwa, der im März als CEO der Solutions-Sparte begonnen hat.

Sinkende Erträge und einbrechende Preise zählen zu den Gründen, dass Banken wie JPMorgan, Barclays, Morgan Stanley and Deutsche Bank sich in den vergangenen Jahren dazu entschieden, im Rohstoffhandel Einschnitte zu machen oder diesen ganz aufzugeben. Regeln aus der Zeit nach der Finanzkrise zwangen die Banken dazu, mehr Kapital für langlaufende Derivate-Positionen vorzuhalten. Zudem wurde das Eingehen eigener Risiken in den Handelsabteilungen begrenzt.

Schlechte Ergebnisse bei Rohstoffen

Goldman Sachs, über Jahrzehnte der führende Rohstoffhändler an der Wall Street, hat derzeit die Rohstoffabteilung auf den Prüfstand gestellt. Für das zweite Quartal wies die Investmentbank das schlechteste Ergebnis aller Zeiten bei Rohstoffen aus, erklärte aber zugleich, an dem Geschäft festhalten zu wollen.

Marex Solutions wird Unternehmen wie Zuckerproduzenten, die sich gegen Preisrückgänge absichern wollen, massgeschneiderte Hedging-Produkte anbieten und dabei OTC-Derivate nutzen. Aktiv sein will die Firma im Bereich Agrarrohstoffe wie Getreide, Kaffee und Kakao sowie bei Metallen und Energie.

Das Unternehmen fährt das Geschäft weltweit hoch, etwa in Europa, den USA und Lateinamerika, sagt Jethwa. In der Zukunft wolle Marex Solutions auch eine Plattform für strukturierte Investmentprodukte entwickeln.

Die Firma zählt unter den Neueinstellungen auch einige grosse Namen. Christoph Schwarz kam beispielsweise im April von NetOTC bei Marex als Technologiechef an Bord. Und Harry Benchimol, zuvor bei Leonteq, und Mireia Masip, zuvor bei Finex Capital Management in Sao Paulo, nahmen laut Jethwa im Mai als Senior Product Structurers ihre Arbeit auf. Mehdi Mlaiki, einst bei UniCredit SpA, wird dieser Tage Chef für den Handel. Silvia Lamberti, eine Sprecherin der italienischen Bank, wollte auf Nachfrage von Bloomberg keinen Kommentar abgeben.

Kreditwürdigkeitsrisiken schwer zu handhaben

Aufgrund von Technologiefortschritten wird Marex Solutions Geld sparen, indem die Firma die quantitative Analytik-Funktionen outsourced - anstatt dutzende teurer Quants selbst im Haus zu beschäftigen, erklärt Jethwa.

Frederic Blanchi, Executive Partner für strukturierte Rohstoffhandels-Finanzierung beim Pariser Broker Cofarco, warnt jedoch davor, dass Kreditwürdigkeitsrisiken im Zusammenhang mit grossen Hedging-Geschäften für Firmen mit kleineren Bilanzen schwer zu handhaben sein können. Zur Lösung dieses Problems seien Versicherer an Bord gekommen, um Schutz vor Kreditrisiken und Gegenpartei-Ausfällen zu bieten.

Im vergangenen Jahr hatte sich der Vorsteuergewinn von Marex Spectron um 53 Prozent auf 27 Millionen Dollar erhöht. Dahinter standen unter anderem eine Expansion in den nordamerikanischen Ölmarkt, der Aubau eines Energie-Clearing-Geschäfts in Europa und eine neue elektronische Handelsplattform.

"Unternehmen werden anspruchsvollen und wollen klügere Hedging-Instrumente, die ihren spezifischen Bedürfnissen entsprechen, neben Produkten, die überall passen", sagt Jethwa.

(Bloomberg)