Preise für Occasion-Autos rasseln in den Keller

Schweizer Occasion-Fahrzeuge sind so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Was die Konsumenten freut, könnte für die Autobranche zusehends zum Problem werden.
26.02.2016 00:17
Von Ivo Ruch
Der starke Franken liess die Autopreise purzeln.
Der starke Franken liess die Autopreise purzeln.
Bild: iNg

2015 war für die Autobranche ein sehr gutes Jahr. Punkto Absatz erreichten Neuwagen wie auch Gebrauchtwagen neue Rekordwerte. Ausschlaggebend dafür waren vor allem die tiefen Preise. Die starke Aufwertung des Schweizer Frankens veranlasste die offiziellen Marken-Importeure dazu, ihre Preise nach unten anzugleichen. Zudem ist der Schweizer Automarkt mittlerweile stark umkämpft, was ebenfalls auf die Preise drückt.

Doch während die Preise für neue Autos seit August 2015 wieder ansteigen, werden Gebrauchtwagen günstiger und günstiger. Im Januar erreichten sie ein neues Mehrjahrestief, wie der Marktindex von AutoScout24 zeigt. So kostete im September ein Occasion im Durchschnitt noch 20'546 Franken – Ende Januar waren es rund 500 Franken weniger.

Grund für die Diskrepanz in der Preisentwicklung ist laut AutoScout24-Direktor Christoph Aebi die zeitliche Verzögerung von drei bis fünf Monaten, bis auch die Restwerte der Occasionswagen angepasst werden. Das würde bedeuten, dass es nun höchste Zeit für steigende Gebrauchtwagenpreise ist, wie ein Vergleich der beiden Grafiken zeigt. Laut Carmine Langone vom Autohaus Schiess spielt auch der Januar-Effekt eine Rolle: "Anfang Jahr sind Preise generell tiefer, weil Leute und Firmen viel eher Geld brauchen."

Für 2016 geht Aebi denn auch davon aus, dass die Talsohle für Occasionen erreicht ist und sich die Preise etwas erholen werden. Dennoch bleibt der Markt vergleichsweise verlockend. "Der Fahrzeugpark ist 'verjüngt'. Zudem sind viele attraktive Gebrauchtwagen mit tiefem Kilometerstand und modernen Motoren im Angebot", so der AutoScout24-Direktor.

Erste Bremsspuren sichtbar?

Die tiefen Preise freuen die Konsumenten, doch für die Autobranche werden sie zusehends zur Herausforderung. Wie auto-schweiz, die Vereinigung der Schweizer Auto-Importeure kürzlich in einer Mitteilung schrieb, können die zusätzlichen Verkäufe des vergangenen Jahres nur bedingt über die Schwierigkeiten der Branche hinwegtäuschen. Die durch den starken Franken geschrumpften Margen könnten "nur teilweise über das grössere Volumen aufgefangen werden", liess sich Direktor Andreas Burgener zitieren. Dementsprechend vorsichtig blickt der Branchenverband in die Zukunft. Auch 2016 werde wegen des starken Frankens kein einfaches Jahr.

Wie schnell und wie stark die Preise im weiteren Jahresverlauf steigen, hängt auch mit der Kauflaune der Schweizerinnen und Schweizer zusammen. Wie der neuste Konsumindikator der Grossbank UBS anzeigt, hellt sich die Stimmung bei Konsumenten auf, bleibt aber gedämpft.

Der Privatkonsum ist mit einem Anteil von gut 50 Prozent die wichtigste Komponente des Schweizer Bruttoinlandprodukts. Die Immatrikulation von Neuwagen wiederum gilt als substanzieller Indikator für die Konsumentenstimmung.

Im Vergleich zum Vorjahr wurden im Januar zwar 10 Prozent mehr neue Personenwagen eingelöst (rund 20'200 Stück). Verglichen mit allen anderen Monaten des letzten Jahres können die Immatrikulationen allerdings bei weitem nicht mithalten. Alleine im Dezember 2015 rollten 32'600 neue Personenwagen auf die Schweizer Strassen. Deuten sich hier Bremsspuren der höheren Arbeitslosigkeit und des rückläufigen Wirtschaftswachstums an?

Autohändler Langone merkt davon noch nichts. "Bei uns finden die Leute immer ein Auto. Wenn sie weniger Geld haben, ist es dann vielleicht einfach ein kleineres."