Preise für Wohneigentum setzen zur Landung an

Die Preise für Wohnimmobilien in der Schweiz sind im dritten Quartal 2016 weiter gestiegen. Im Vergleich zum dynamischen Vorquartal habe sich der Preisauftrieb allerdings spürbar verlangsamt.
15.11.2016 08:36
Mit Schweizer Backsteinen dürfte in Zukunft weniger zu verdienen sein.
Mit Schweizer Backsteinen dürfte in Zukunft weniger zu verdienen sein.
Bild: pixabay.com

Das teilt Raiffeisen Schweiz am Dienstag mit der Veröffentlichung der quartalsweise berechneten hedonischen Preisindizes mit.

Demnach legten die Preise für Einfamilienhäuser im dritten Quartal gegenüber dem zweiten um 0,7% zu, wogegen die Eigentumswohnungen leicht billiger wurden. Am stärksten sei die Preiskorrektur bei luxuriösen und hochpreisigen Eigentumsobjekten ausgefallen. Selbst an besten Lagen lasse sich nicht mehr jeder Preis durchsetzen, die Preisspitze scheine gebrochen, heisst es.

Der Chefökonom der Raiffeisen Gruppe, Martin Neff, nennt es in der Mitteilung eine "zwar langwierige, aber weiche Landung" der Eigentumsmärkte.

Der Markt habe dies antizipiert, indem die Angebotsausdehnung im Hochpreissegment spürbar nachgelassen habe. Von den etwa mehr als 10'000 leer stehenden Eigentumsobjekten dürften nach Einschätzung von Raiffeisen die meisten dem gehobenen bzw. Topsegment angehören. Oder es sind von der Grösse her überdimensionierte Wohnungen an weniger guten Lagen. Die Nachfrage verlagere sich mehr und mehr in erschwingliche Lagen oder kleinere Objekte mit weniger hohem Ausbaustandard.

Die Käufer von Eigentumsobjekten seien dabei vermehrt zu Kompromissen bereit, sowohl was die Lage, als auch was Grösse und Ausbaustandard der gesuchten Objekte betreffe.

Ein anderes Bild ergibt sich im Mietwohnungsbereich. Der rückläufigen Bautätigkeit im Eigentumssegment stünden rege Aktivitäten im Mietwohnungssegment gegenüber, schreibt Raiffeisen. Dies habe mittlerweile zu einer Verflüssigung des Angebotes geführt, zumal die Nachfrage auch migrationsbedingt an Dynamik verloren habe. Die Zahl leer stehender Mietwohnungen nähert sich in der Schweiz gemäss einer Schätzung von Neff rasch der Fünfzigtausendermarke. Daher gäben vor allem die Angebotsmieten spürbar nach.

Der Höhepunkt des Zyklus im Mietwohnungsmarkt dürfte damit wohl erreicht sein und in Zukunft werde es wieder schwieriger werden, Wohnraum zu vermarkten. Was auf der Wohnungssuche Entspannung verspreche, könne auf der Angebotsseite so schon bald für Anspannung Sorgen.

Gleichzeitig kritisiert die Bank die strengen Vergabekriterien für Hypotheken. Die strikte Ansetzung des kalkulatorischen Zinssatzes auf 5% bei der Tragbarkeitsrechnung sei angesichts der historisch tiefen Zinssätze nicht mehr zeitgemäss, denn sie beruhe auf Durchschnittswerten "längst vergangener Tage". Ebenfalls kritisch beurteilt wird die Forderung nach einer harten Eigenkapitalquote von 10% sowie die lineare Amortisationspflicht.

(AWP)