Privatbanken - Wechsel von Collardi drückt die Aktie von Julius Bär

Boris Collardi tritt aus «persönlichen Gründen» per sofort als CEO von Julius Bär zurück. Er wird per Mitte 2018 Teilhaber beim direkten Konkurrenten Pictet anheuern.
27.11.2017 09:13
Von Daniel Hügli
Boris Collardi in einer Aufnahme vom Juli 2017.
Boris Collardi in einer Aufnahme vom Juli 2017.
Bild: cash

Der langjährige CEO Boris Collardi verlässt Julius Bär per sofort und wechselt nächstes Jahr als Partner zur Genfer Privatbank Pictet. Bernhard Hodler, Chief Risko Officer und stellvertretender CEO, wird mit sofortiger Wirkung Nachfolger von Collardi.

Ob Hodler CEO bleibt, ist nicht sicher: Bär wird "einen Evaluationsprozess für die langfristige Führung der Gruppe einleiten", wie es am Montag heisst. Collardi war seit Herbst 2009 Chef von Julius Bär und hat in dieser zeit die verwalteten Vermögen von Bär verdreifacht.

Bär-Verwaltungsratspräsident Daniel Sauter hat am Wochenende von Collardis Wunsch erfahren, dass dieser aus der Bank ausscheiden wolle, wie Sauter am Montagmorgen an einer Telefonkonferenz sagte. Collardi verlasse die Bank aus "persönlichen Gründen", antwortete Sauter auf die Frage, ob irgendwelche Differenzen zum Abgang geführt hätten.

Die Aktie von Julius Bär reagiert negativ auf die Ankündigung. Sie fällt im frühen Handel an der Schweizer Börse um 4 Prozent. In den letzten zwölf Monaten hat sie 35 Prozent zugelegt. 

Der Bär-Verwaltungsrat dankt Collardi für seine "hervorragende Leistung und seine Führungsstärke, mit der er die Gruppe fast neun Jahre lang leitete", wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. "Wir bedauern seinen Rücktritt, respektieren jedoch seinen persönlichen Wunsch nach Veränderung." Julius Bär sei derzeit in ausgezeichneter Verfassung, lässt sich  Sauter weiter zitieren. 

Neuer CEO zuversichtlich

Er schaue der neuen Herausforderung zuversichtlich entgegen, sagte wiederum der neue CEO Bernhard Hodler. Er kenne durch seine 19-jährige Tätigkeit für Julius Bär das Institut sehr gut und habe als stellvertretender CEO eng mit Collardi zusammengearbeitet. Entsprechend rechne er nicht mit einer schwierigen Übergangsphase. Er stehe für Kontinuität und Stabilität, gab Holder weiter zu Protokoll. Er glaube an die Zukunft von Julius Bär als eigenständiges Institut.

Hodler ist seit 1998 Mitglied des Führungsteams von Julius Bär und wurde im September 2017 zum stellvertretenden CEO ernannt. Davor bekleidete Hodler diverse Leitungsfunktionen, darunter jene des Chief Operating Officer und des Präsidenten des Management Committee der Bank.

In einer separaten Mitteilung vom Montagmorgen teilt Pictet mit, dass Collardi bei der Genfer Privatbank voraussichtlich ab Mitte 2018 tätig sein werde. Collardi werde mit dem geschäftsführenden Teilhaber Rémy Best die Verantwortung für Pictet Wealth Management auf globaler Ebene tragen. Er schliesse sich den sechs gegenwärtigen geschäftsführenden Teilhabern an. In der Reihenfolge ihrer Seniorität sind dies Nicolas Pictet, Renaud de Planta, Rémy Best, Marc Pictet, Bertrand Demole und Laurent Ramsey.

(mit Material von AWP)