ProCredit Holding - Eine Frankfurt-Bank zahlt keine Boni, dafür stets Dividende

Im Schatten von Deutscher Bank und Commerzbank gibt es in Frankfurt ein börsennotiertes Finanzinstitut, das einiges anders macht. Es zahlt keine Boni, schüttet stetig Dividenden aus: Die ProCredit Holding.
30.07.2017 18:55
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Bild: cash

Die im Stadtteil Bockenheim ansässige Gruppe, die seit dem 22. Dezember im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert ist, befindet sich auf dem besten Weg, in diesem Jahr ihren Umbau zur Hausbank kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) abzuschliessen. Dies sagte Vorstand Borislav Kostadinov in einem Interview mit Bloomberg. Aus ihrer früheren Zielgruppe sehr kleiner Firmen - samt Mikrokrediten - steigt ProCredit komplett aus.

"Rund 83 Prozent unserer Kreditbuchs entfallen inzwischen auf Kredite mit einem Volumen von mehr als 30'000 Euro. Ende dieses Jahres werden wir mit wenigen Ausnahmen keine Kredite an Firmenkunden unter dieser Summe mehr in den Büchern haben", erklärt Kostadinov.

Was sich jedoch nicht verändern soll, ist die Dividendenstrategie. Das Unternehmen hat jedes Jahr seit Bildung der Gruppe 2003 mit einem Gewinn abgeschlossen. Aus ihrem Überschuss liess die ProCredit Holding erstmals 2007 eine Dividende an ihre Aktionäre fliessen - und dabei ist es bis heute in jedem Jahr geblieben, selbst während der Finanzkrise. Kostadinov: "An der Strategie, ein Drittel unserer Gewinne auszuschütten, halten wir fest". Zuletzt lag die Dividendenrendite bei 2,9 Prozent, zeigen Bloomberg-Daten.

Ost- und Südosteuropa

Aktiv ist die Gruppe mittlerweile vor allem in Ost- und Südosteuropa. In elf Ländern der Region betreibt sie Banken, darunter in Albanien, Serbien und Georgien. Die Strategie und die Bewertung des Unternehmens sind interessant, sagt Analyst Philipp Hässler von der Equinet Bank. Er stuft ProCredit mit "Akkumulieren" ein. "Die Bankprodukt-Durchdringung in Osteuropa und Südosteuropa ist nicht so stark, was das Geschäft dort attraktiv macht." Positiv seien ausserdem die gute Kapitalausstattung und die solide Qualität der Bilanz. 

Gleichzeitig verweist er im Gespräch mit Bloomberg aber auch auf politische Risiken, etwa in der Ukraine. Das Kosten-Ertragsverhältnis in den fortgeführten Geschäftsbereichen belief sich im vergangenen Jahr auf 71,3 Prozent. Hässler sieht noch Verbesserungspotenzial bei der Kosteneffizienz.

Aus Afrika hat sich ProCredit inzwischen vollständig zurückgezogen. In Lateinamerika hält sie nur noch an Ecuador und Kolumbien fest. Der Verkauf der Geschäfte in El Salvador und Nicaragua läuft noch. "Es ist nicht das erste Mal, dass wir Institute veräussern. Wir gehen davon aus, dass wir die Verkäufe bis zum Ende des Jahres abschliessen", sagt Kostadinov. Für die Kernkapitalquote wird danach ein Wert von mehr als 13 Prozent vorhergesagt.

Ursprünge als Beratungsfirma

Das Unternehmen war zu der Überzeugung gekommen, dass in vielen Länder keine ausreichende Nachfrage von KMUs nach Krediten besteht. Die Ursprünge von ProCredit gehen auf die Beratungsfirma IPC GmbH zurück. Sie griff seit den 1980er-Jahren etwa lateinamerikanischen Sparkassen unter die Arme. Als Mitte der 90er Jahre in Bosnien nach Kriegsende ein schwacher Bankensektor und eine Wirtschaftsstruktur aufeinandertrafen, in der kleinere Firmen ein wichtiges Standbein waren, gründeten öffentliche Förderer wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Finanzinstitut und beauftragten IPC mit dem Management. Aus dieser Initiative entstand die ProCredit-Bankengruppe. 

"Mikrofinanzierungen sind unserer Einschätzung nach in Ost- und Südosteuropa inzwischen zur Genüge vorhanden", sagt  Kostadinov. "ProCredit ist zur Überzeugung gekommen, dass durch die Unterstützung von KMUs, die über eine kritische Masse und Wachstumspotenzial verfügen, die Wirtschaft der Länder und der Aufbau von Arbeitsplätzen besser unterstützt werden können."

Im vergangenen Jahr erzielte ProCredit einschliesslich nicht fortgeführter Geschäftsbereiche einen Gewinn von 61 Millionen Euro. Das entsprach in etwa dem Vorjahresniveau. Fitch Ratings Ltd. bewertet das Unternehmen mit "BBB" aus dem Qualitätsbereich "Investment-Grade", der Ausblick ist stabil.

Professionalisierung auf dem Balkan

Zu den grössten Aktionären der Gruppe zählen neben der KfW mit 14,52 Prozent auch die Zeitinger Invest GmbH mit 17,48 Prozent, die 2016 aus der IPC hervorging, und DOEN Participaties BV mit 13,76 Prozent. Ebenfalls an Bord: der Omidyar-Tufts Microfinance Fund mit knapp 5 Prozent. Der Fonds war 2005 mit Hilfe von Pierre Omidyar, den Gründer von Ebay, gestartet worden.

"Die KfW unterstützt die ProCredit", bestätigte KfW-Sprecherin Charis Pöthig gegenüber Bloomberg. Deren Banken würden einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung des Bankensektors in den jeweiligen Ländern leisten. "Dies ist zum Wohl kleiner und mittelgrosser Unternehmen, welche das Rückgrat für die wirtschaftliche Entwicklung der Volkswirtschaften sind."

Der Börsengang von ProCredit im vergangenen Jahr war ein technisches Listing und kein klassisches IPO. Das heisst, zum Börsenstart wurde kein neues Kapital aufgenommen. "Wir halten uns grundsätzlich alle Türen offen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit, über den Kapitalmarkt Mittel zur Finanzierung aufnehmen zu können", sagt Kostadinov.

Prognose angehoben

Zudem verweist er darauf, dass sein Unternehmen keine Boni an Mitarbeiter zahlt. Darauf sei er stolz. "Es gibt keinen Grund bei einer Bank wie unserer, Boni auszuzahlen", meint er. "Boni können eher kontraproduktiv sein. Wenn ein Mitarbeiter ständig dem Kreditvolumen hinterherrennt, kann das bei Verlusten negative Konsequenzen für uns als Bank sowie für die Volkswirtschaften haben, in denen wir aktiv sind."

Vor kurzem hatte das Unternehmen seine Prognose angehoben. Bei Kreditvolumina von über 30'000 Euro war für das Geschäftsjahr 2017 ursprünglich ein Wachstum von etwa 10 Prozent erwartet worden. Für dieses Kernsegment sieht ProCredit nun einen Anstieg von mehr als 10 Prozent.

(Bloomberg)