Prognose nicht erfüllt - Richemont enttäuscht im ersten Halbjahr mit tieferen Margen

Der Luxusgüterkonzern Richemont hat im Sommerhalbjahr den Umsatz gesteigert und dabei vor allem mehr Schmuck verkauft.
08.11.2019 10:03
Ein Geschäft der Richemont-Marke Cartier in Hongkong.
Ein Geschäft der Richemont-Marke Cartier in Hongkong.
Bild: cash

Allerdings bekam Richemont die Unruhen in Hongkong zu spüren. Zudem investierte der Konzern stark in das Vertriebsnetz und sein Online-Geschäft und verfehlte daher die Gewinnerwartungen der Analysten.

Der Konzernumsatz nahm in den Monaten April bis September um 9 Prozent 7,40 Milliarden Euro zu, wie Richemont am Freitag mitteilte. Um Währungseffekte sowie um Zu- und Verkäufe bereinigt rückte er um 6 Prozent vor. Analysten hatten im Vorfeld mit einem höheren Umsatz gerechnet.

Deutlich abgeschwächt hat sich das Wachstum in der grössten Absatzregion Asien-Pazifik (+5 Prozent). Vor Jahresfrist waren die Verkäufe dort noch um einen Fünftel in die Höhe geklettert. Der Grund für die Wachstumsdelle in Asien sind die Unruhen in Hongkong.

Das Chaos auf Hongkongs Strassen hat zeitweise zu Schliessungen von Boutiquen geführt und chinesische Touristen von Reisen in die ehemalige britische Kolonie abgehalten. Zweistellig wuchs Richemont in Asien hingegen im restlichen China und in Südkorea. Hongkong bleibe für Richemont ein wichtiger Markt, auch wenn der Anteil am Gesamtumsatz von 11 auf 8 Prozent geschrumpft sei, sagte Finanzchef Burkhart Grund an einer Telefonkonferenz.

In allen weiteren Regionen konnte Richemont die Verkäufe steigern. Europa legte um 7 Prozent zu, allerdings nur dank dem Wachstum im Online-Bereich. Ähnlich präsentierte sich die Lage in Amerika (+6 Prozent), während die separat geführte Marktregion Japan gut zweistellig zulegte.

Beliebter Schmuck

Einmal mehr konnte Richemont im grössten Bereich Schmuck mit den Marken Cartier und Van Cleef & Arpels zulegen: Der Umsatz nahm um 8 Prozent auf 3,74 Milliarden zu. Der Umsatz im Bereich Specialist Watchmakers mit Marken wie IWC oder Piaget stieg nur um 1 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro.

Im neu eingeführten Segment "Online Distributors" kletterten die Verkäufe mit den Übernahmen des Onlinehändlers Yoox-Net-A-Porter und Watchfinder.com um 32 Prozent auf 1,18 Milliarden in die Höhe. Mit den Online-Aktivitäten schreibt Richemont aber noch keine schwarzen Zahlen.

Das Geschäft im Internet soll wachsen und dafür nimmt der Konzern viel Geld in die Hand. Teil davon ist auch die Kooperation mit dem chinesischen Techriesen Alibaba. Gemeinsam haben sie mit Feng Mao ein Joint Venture auf die Beine gestellt, mit dem die Verkäufe von Luxusgütern in China gepusht werden soll.

Ergebnis unter den Erwartungen

Enttäuscht hat Richemont auf der Ergebnisseite. Der Betriebsgewinn (EBIT) stieg nur um 3 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro und lag damit unter den am Markt erwarteten 1,24 Milliarden. Die dazugehörige Marge kam bei 15,7 Prozent zu liegen nach zuvor 16,6 Prozent.

Höhere Kosten etwa fürs Verkaufsnetzwerk und hohe Investitionen in die Online-Kanäle drückten auf die Profitabilität. Ohne das Online-Geschäft wäre die EBIT-Marge leicht auf 21,8 Prozent angestiegen.

Unter dem Strich brach der Reingewinn um 61 Prozent auf 869 Millionen Euro ein. Der Grund dafür ist ein Bewertungsgewinn auf Yoox-Aktien, den Richemont vor einem Jahr im Rahmen der Vollübernahme der Italiener verbuchen konnte. Ohne diesen Effekt hätte sich der Gewinn stabil entwickelt, schrieb Richemont.

Zu Aussichten äussert sich das Management von Richemont seit jeher äusserst zurückhaltend und Prognosen zu Geschäftszahlen werden in der Regel nicht abgegeben - so auch diesmal.

An der Börse zeigen sich die Anleger enttäuscht über den Zahlenausweis von Richemont. Die Aktie verliert kurz nach Eröffnung 5,5 Prozent. Vor allem die Wachstumsverlangsamung und die tieferen Margen werden kritisiert.

(AWP/Reuters)

 

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