PrognosenGrossbank nennt zehn mögliche Marktüberraschungen

Ein schwacher Euro, ein um 30 Prozent höherer Ölpreis oder eine harte Landung Chinas. Strategen der Credit Suisse haben zehn mögliche überraschende Marktentwicklungen für das Jahr 2017 zusammengestellt.
06.02.2017 09:15
Von Lorenz Burkhalter
Die CS-Strategen sehen den Euro unter Umständen abtauchen.
Die CS-Strategen sehen den Euro unter Umständen abtauchen.
Bild: Bloomberg

Schon seit 25 Jahren stellen die Aktienstrategen der Credit Suisse jeweils Anfang Februar zehn gewagte Thesen auf. Dabei sagen sie, was an den Finanzmärkten im weiteren Jahresverlauf alles ganz anders als erwartet kommen könnte. In diesem Jahr weichen die möglichen Überraschungen besonders stark von der allgemein vorherrschenden Meinung ab:

1. Die Börse in New York steigt kräftig

Basierend auf den "offiziellen" Prognosen der Credit Suisse lässt sich ableiten, dass die Schweizer Grossbank den S&P-500-Index bis Mitte 2017 auf 2'350 Punkte klettern sieht. Im weiteren Jahresverlauf soll das Börsenbarometer - es gibt die Aktienkursentwicklung der 500 grössten amerikanischen Unternehmen wieder - auf 2'300 Zähler zurückfallen. Im Zuge der allgemeinen Börseneuphorie sehen die CS-Strategen den S&P-500-Index nun kurzfristig eventuell sogar auf 2'500 Punkte steigen, bevor ein Absturz auf 2'000 Zähler droht.

2. Der Euro taucht gegenüber dem Dollar

Wie die Autoren des Strategiepapiers schreiben, erwarten ihre für die Devisenmärkte verantwortlichen Berufskollegen auf einen Horizont von drei Monaten einen auf 1,03 Dollar rückläufigen Euro. Auf einen Horizont von 12 Monaten sehen sie die Einheitswährung sogar auf die Parität von eins-zu-eins fallen. Nun könnte der Euro kurzfristig eventuell sogar auf 0,90 Dollar tauchen, so die Aktienstrategen. Das wiederum könnte den hiesigen Aktienmärkten kurzerhand Auftrieb verleihen, ist ein schwacher Euro für europäische Exportunternehmen im internationalen Wettbewerb doch von Vorteil.

3. Wachstum in China verlangsamt sich

In den vergangenen Jahren war eine harte Landung Chinas immer mal wieder ein Thema für die Finanzmärkte. Die Experten der Credit Suisse schliessen deshalb nicht aus, dass das chinesische Bruttoinlandprodukt (BIP) in diesem Jahr nur noch mit 5 Prozent wächst. Offiziell erwartet die Grossbank für 2017 sogar eine leichte Beschleunigung auf 6,8 Prozent, nachdem das BIP in den vergangenen 12 Monaten um 6,7 Prozent gestiegen war.

Für die Schweiz ist China in den letzten Jahren zu einem wichtigen Handelspartner aufgestiegen. Mit einem Handelsvolumen von 31 Milliarden Franken steht die Volksrepublik auf Platz Nummer drei nach Europa und den Vereinigten Staaten.

4. Marine Le Pen gewinnt die Wahlen in Frankreich

Wie viele andere Berufskollegen sagen auch die Autoren des CS-Strategiepapiers dem republikanischen Kandidaten François Fillon in den anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich einen Sieg voraus. Im Rahmen ihrer 10 möglichen Börsenüberraschungen schliessen sie aber auch einen Wahlsieg von Marine Le Pen nicht aus. Ein solcher Rechtsrutsch in unserem westlichen Nachbarland hätte womöglich Signalwirkung für die Wahlen in den Niederlanden und Deutschland.

5. Defensive Aktien feiern in Europa ein Comeback

Schon seit Monaten setzt die Credit Suisse ihr Schwergewicht in Europa auf Aktien und Sektoren, welche von freundlicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen profitieren würden. Defensive Aktien von Pharma- oder Nahrungsmittelherstellern werden in den Kundenportfolios hingegen leicht untergewichtet.

Den Strategen zufolge könnte dieses Titelsegment im weiteren Jahresverlauf nun aber überraschend um bis zu 15 Prozent besser abschneiden. Das wiederum würde dem Schweizer Aktienmarkt helfen, sind die drei defensiven Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis beim Swiss Market Index doch für gut die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

6. Trump enttäuscht die Finanzmärkte

Noch ist unklar, wie die zukünftige amerikanische Wirtschaftspolitik unter dem Republikaner Donald Trump aussehen wird. Hält der neue amerikanische Präsident seine Wahlversprechen, ist mit Steuersenkungen und zusätzlichen Investitionen in die Infrastruktur, aber auch vereinzelt mit protektionistischen Massnahmen zu rechnen. Allerdings schliesst man Enttäuschungen bei der Credit Suisse nicht völlig aus.

7. Der Ölpreis steigt kräftig

Offiziell sieht die Schweizer Grossbank den Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent Crude im Jahresverlauf auf 62 Dollar steigen. Unter gewissen Umständen halten die Aktienstrategen beim "schwarzen Gold" sogar einen Anstieg auf 75 Dollar je Fass für möglich, was gut 30 Prozent über den derzeitigen Notierungen liegt. Höhere Ölpreise wiederum könnten die Teuerung anheizen.

8. Hausse am japanischen Aktienmarkt

Basierend auf den Prognosen der Credit Suisse für den japanischen Nikkei-225-Index lässt sich bis Mitte Jahr einen Anstieg um rund 8 Prozent auf 20'500 Punkte ableiten. Dennoch schliessen die Experten nicht aus, dass dieses Indexziel überschossen wird und das Börsenbarometer sogar auf 25'000 Zähler klettert. Ein solches Überschiessen wäre aber nur in Kombination mit einem schwächeren Yen möglich. Kaum eine andere Weltbörse weist nämlich eine derart hohe Wechselwirkung zur Währungsentwicklung auf. Fällt der Yen, steigen die Aktienkurse - und umgekehrt.

9. Europäische Pharmaaktien fallen relativ betrachtet um 10 Prozent

Bei der Credit Suisse geht man im Hinblick auf das zweite Quartal von einem leicht überdurchschnittlichen Abschneiden europäischer Pharmaaktien gegenüber dem Gesamtmarkt aus. Eine Fortsetzung der kursseitigen Talfahrt der letzten 12 bis 18 Monate schliessen die Strategen jedoch nicht kategorisch aus und nennen einen relativen Kursrückgang um 10 Prozent als mögliche Überraschung. In Anbetracht der hohen Abhängigkeit des Schweizer Aktienmarktes von den Pharmawerten wäre diese Entwicklung negativ zu werten.

10. Zinsanstieg in den Vereinigten Staaten

Die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen sehen die Zinsstrategen der Credit Suisse Ende Dezember bei genau 3 Prozent. Allerdings könnte die Zinsentwicklung in Übersee überraschen und die Rendite könnte sogar auf 4 Prozent steigen, so die Experten. Ein solcher Anstieg wäre womöglich Gift für die Aktienmärkte, besagt eine alte Faustregel doch, dass zehnjährige Renditen von über 3 Prozent negativ für Aktien sind.