Projektfinanzierung - Biotechfirma Molecular Partners erwägt Kapitalerhöhung

Die Schweizer Biotechnologiefirma Molecular Partners will durch eine Kapitalerhöhung oder eine Partnerschaft an frisches Geld zur Finanzierung ihrer Forschungsprojekte kommen.
24.05.2017 11:51
Patrick Amstutz, CEO Molecular Partners.
Patrick Amstutz, CEO Molecular Partners.
Bild: ZVG

Zwar reichen die Barmittel von rund 170 Millionen Franken noch bis Ende 2019, wie Firmenchef Patrick Amstutz erklärte. Zu lange abwarten will er mit der Beschaffung neuer Mittel allerdings nicht. "Es gibt zwei Wege an neues Geld zu kommen: Wir können Vermögenswerte verkaufen oder Aktien", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. "Wir werden das auf jeden Fall sorgfältig abwägen mit dem Ziel, eine starke Liquiditätslage zu erhalten."

Molecular Partners ist auf Augen- und Krebsmedikamente spezialisiert und setzt auf künstliche Proteine, sogenannte DARPins. Geld braucht das Unternehmen für die in Eigenregie vorangetriebenen Krebsarzneien. Der Wirkstoff MP0250, der in einer Phase-II-Studie zur Behandlung des Multiplen Myeloms, einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks, getestet wird, soll auch gegen andere Tumorarten eingesetzt werden. Das würde das Forschungsbudget der 2004 als Spin-off der Universität Zürich gegründeten Firma sprengen.

In Konkurrenz zu Roche, Novartis und Bayer

Rückenwind verspricht sich Amstutz vom jüngsten Multimilliardendeal: Die Übernahme von Actelion durch den US-Gesundheitskonzern Johnson & Johson rückte die Schweiz als Biotech-Standort wieder stärker in den Blick. Auch anstehende klinische Testergebnisse könnten dazu beitragen, dass sich die eher kurzfristig orientierten Biotech-Investoren aus Amerika für Molecular Partners interessieren. "Das Gute ist, wir haben etliche Studienergebnisse bis 2019", sagte Amstutz, einer der Firmengründer.

Im kommenden Jahr stehen Resultate von zwei spätklinischen Studien mit dem Augenmedikament Abicipar auf dem Programm. Der am weitesten fortgeschrittene, zusammen mit US-Partner Allergan entwickelte Wirkstoff soll gegen altersbedingte Makuladegeneration (AMD) eingesetzt werden. Die Arznei müsste nach einer Zulassung allerdings gegen bereits gut etablierte Milliardenmedikamente wie Lucentis von Roche und Novartis oder Eylea von Bayer bestehen. Zudem entwickelt Novartis mit RTH258 eine weitere AMD-Arznei. Abicipar soll Patienten durch eine geringere Zahl von Injektionen und weniger Arztbesuchen Vorteile bringen, sagte Amstutz. "Wir glauben, das macht wirklich einen Unterschied."

Die in Schlieren bei Zürich ansässigen Molecular Partners ist seit Ende 2014 an der Schweizer Börse gelistet und aktuell rund 580 Millionen Franken wert. Bei dem Unternehmen ist jüngst der Milliardär Hansjörg Wyss mit knapp zehn Prozent eingestiegen. Der Gründer des später an J&J verkauften Orthopädiekonzerns Synthes erwarb Aktien von Risikokapitalgebern.

(Reuters)