Prominenter CEO warnt Wall Street

Mitten in das euphorische Treiben an der New Yorker Börse platzt der CEO eines hoch in der Anlegergunst stehenden Unternehmens. In einem Aktionärsbrief warnt er vor Übertreibungen - nicht nur bei der eigenen Aktie.
23.10.2013 08:52
Von Lorenz Burkhalter
Geht es nach dem CEO von Netflix, dann haben die Marktakteure an der Wall Street schon bald nichts mehr zu lachen.
Geht es nach dem CEO von Netflix, dann haben die Marktakteure an der Wall Street schon bald nichts mehr zu lachen.
Bild: iNg

Eigentlich hätte CEO Reed Hastings allen Grund zur Freude: Der von ihm geführte Streamingdienst Netflix stellte die Erwartungen von Analysten und Investoren zum wiederholten Mal in den Schatten. Das Unternehmen geniesst an der Wall Street mittlerweile Kultstatus und hat seinen Börsenwert alleine seit Jahresbeginn verdreifacht.

In einem an die Aktionäre gerichteten Brief, warnte er vergangene Nacht vor «exzessiver Euphorie». Diese erinnere ihn an die Monate nach dem Börsengang im Jahr 2002, so Hastings. Die Schuld schiebt er den auf Momentum-Situationen spezialisierten Investoren zu.

Warnung mit Signalwirkung für die Wall Street

In Marktkreisen wird die Warnung des CEO von Netflix dem Vernehmen nach ernst genommen. Konnte die Aktie seines Arbeitgebers im frühen Handel noch prozentual zweistellige Kursavancen verbuchen, ging sie um gut 9 Prozent tiefer aus dem Handel. Nachbörslich setzte sie die Talfahrt weiter fort, nachdem bekannt wurde, dass der US-Milliardär Carl Icahn seine Beteiligung mehr als halbiert habe.

Hastings weiss aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie nahe Erfolg und Misserfolg beieinander liegen. Alleine im Jahr nach dem Börsengang von 2002 verfünffachte sich die Aktie von Netflix auf 39 Dollar und gehörte damit zu den Jahresgewinnern an der Wall Street. Im Herbst vor zwei Jahren stieg die Aktie auf 300 Dollar, bevor sie nach einem gescheiterten Versuch, das Unternehmen in Einzelteile aufzuspalten, auf 55 Dollar zurück fiel.

Ruf von Hastings ist rehabilitiert

Dieser Rückschlag brachte Hastings in den Medien den Ruf als einer der schlechtesten CEO überhaupt ein. Mittlerweile scheint er allerdings rehabilitiert. Kein Wunder: Vergangene Nacht kletterte die Aktie von Netflix vorübergehend auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte. Die Börse bewertet das Unternehmen mittlerweile mit 19 Milliarden Dollar, was dem fünffachen für das laufende Jahr erwarteten Umsatz entspricht.

Marktbeobachtern zufolge hat die Warnung von Hastings nach der jüngsten Rekordjagd am amerikanischen Aktienmarkt Signalwirkung für die gesamte Wall Street.