Publigroupe: Kommt der unbekannte Dritte?

Swisscom und Tamedia haben sich im Bieterkampf bei Publigroupe auf ein gemeinsames Vorgehen im Markt für Verzeichnisdienste geeinigt. Sie wollen das Filetstück der Publigroupe teilen. Die Publigroupe-Aktie fällt.
28.05.2014 09:19
Swisscom-Gebäude in Zürich.
Swisscom-Gebäude in Zürich.
Bild: cash

Statt darum zu streiten, wollen sich Tamedia und Swisscom die lukrative Informationsplattform "local.ch" und damit das Filetstück der Publigroupe teilen. Die beiden Gesellschaften planen, nach der angestrebten Übernahme der Publigroupe durch die Swisscom die beiden Verzeichnisdienste local.ch sowie search.ch in eine gemeinsame Tochtergesellschaft einzubringen. Damit nimmt der Übernahmepoker um Publigroupe bzw. local.ch eine nicht ganz unerwartete Wende, war es doch von Anfang an klar, dass insbesondere in der Zusammenarbeit von local.ch und search.ch die grössten Synergiepotentiale liegen.

Swisscom werde 69% an der gemeinsamen Tochtergesellschaft halten und das Unternehmen konsolidieren. Die Beteiligung der Tamedia werde bei 31% liegen. Das vereinigte Verzeichnisgeschäft soll "zu einer starken Schweizer Alternative zu Google" weiterentwickelt werden, so die Absicht, wobei sowohl local.ch als auch search.ch als eigenständige Angebote im Nutzermarkt weitergeführt werden.

Mit der nun erzielten Übereinkunft findet der Übernahmepoker zwischen den beiden Konzernen um die Werbevermarkterin Publigroupe ein Ende. Tamedia verzichte auf eine Erhöhung der eigenen Offerte von 190 CHF je Publigroupe-Aktie. Damit liegt das Swisscom-Angebot von 200 CHF je Titel vorne. Tamedia werde ihre Publigroupe-Aktien der Swisscom andienen. Ihre aktuelle Beteiligung an Publigroupe bezifferte Tamedia am Vortag auf 17,6%.

Ein neuer Bieter?

Wenig wahrscheinlich, wenn auch nicht vollkommen ausgeschlossen, erscheint es nach Ansicht verschiedener Beobachter zudem, dass sich noch ein unbekannter Dritter in das Rennen einschalten wird. Die NZZ am Sonntag hatte entsprechende vage Spekulationen aufgebracht.

An der Börse glaubt man auf alle Fälle nicht mehr an einen Dritten. Die Publigroupe-Titel verlieren am Mittwoch 4,4% auf 199,80 CHF und sinken damit mehr oder weniger auf den von Swisscom offerierten Preis. Der Übernahmekampf hatte die Aktien in die Höhe getrieben: Am Dienstag schlossen sie mit 209 Franken, Anfang April kostete sie noch 105 Franken. Die Aktie von Tamedia legt 1 Prozent zu, diejenige von Swisscom 0,3 Prozent.

Die Tage von Publigroupe als unabhängigem Unternehmen sind jedenfalls gezählt. Die Werbevermarkterin werde die neue Situation analysieren und sich äussern, sobald es etwas zu vermelden gebe, so Publigroupe-Sprecher Beat Werder.

Das vereinbarte Beteiligungsverhältnis an der gemeinsamen Tochtergesellschaft von 69% für Swisscom und 31% für Tamedia reflektiere die Bewertung der beiden Unternehmen local.ch und search.ch, erklärte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer gegenüber AWP. Geld fliesse keines. Für Tamedia sei dies eine gute Lösung, auch wenn man sich nun in einer Minderheitsposition befinde, so Zimmer weiter. Nur gemeinsam könne eine starke Schweizer Alternative zu Google geformt werden.

Gemeinsam 4,8 Millionen Internet-Nutzer in der Schweiz

Vor der Einbringung in die neue gemeinsame Tochtergesellschaft übernimmt Tamedia von der Search.ch-Mitbesitzerin Post deren 25% Anteil. Eine entsprechende Option sei bereits bei der Übernahme von search.ch vereinbart worden, sagte der Tamedia-Sprecher.

Die beiden öffentlichen Übernahmeangebote von Swisscom und Tamedia für die Publigroupe-Aktien würden im Übrigen nach den anwendbaren Vorschriften weitergeführt, heisst es weiter. Die Übernahme der Publigroupe durch Swisscom sowie die Partnerschaft zwischen Swisscom und Tamedia stünden zudem unter Vorbehalt der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden.

Swisscom beabsichtigt laut Mitteilung, nach einer erfolgreichen Übernahme der Publigroupe die Minderheitsbeteiligungen der Werbevermarkterin an den Medienunternehmen SNP Société Neuchâteloise de Presse SA (29%), Südostschweiz Presse und Print AG (20%) sowie Rhône-Media SA (18%) zu verkaufen. Man strebe keinen Einfluss auf diese Gesellschaften an, heisst es. Dem angekündigten Verkauf der FPH Freie Presse Holding AG an die NZZ-Gruppe werde man sich nicht widersetzen. Für die übrigen Beteiligungen würden alle Optionen geprüft.

Local.ch und search.ch erreichen pro Monat gemeinsam 4,8 Millionen Internet-Nutzer in der Schweiz. Zu local.ch gehören neben der Onlineverzeichnisplattform local.ch die Telefonbücher Local Guide. Der Such- und Informationsdienst search.ch bietet unter anderem auch ein elektronisches Telefonbuch, eine interaktive Landkarte, einen Routenplaner, einen lokalen Wetterbericht sowie das Kinoprogramm.

(AWP/cash)