Quartalsgewinn - Neuer Credit-Suisse-Chef mit mässig überzeugendem Einstand

Unter dem neuen Firmenchef Thomas Gottstein steigert die Credit Suisse den Quartalsgewinn deutlich. Allerdings liegt der Teufel einmal mehr im Detail. Für Gesprächsstoff sorgen vor allem die hohen Kreditrückstellungen.
23.04.2020 10:49
Von Lorenz Burkhalter
Thomas Gottstein leitet das Schweiz-Geschäft der Credit Suisse.
Thomas Gottstein leitet das Schweiz-Geschäft der Credit Suisse.
Bild: ZVG

Als Thomas Gottstein Mitte Februar bei der Credit Suisse (CS) die Nachfolge von Firmenchef Tidjane Thiam übernahm, dürfte er sich seine erste Ergebnispräsentation vermutlich anders vorgestellt haben.

Auf den ersten Blick kann sich der Zahlenkranz der Grossbank für die ersten drei Monate zwar sehen lassen. Der Vorsteuergewinn konnte im Jahresvergleich um 13 Prozent, der Reingewinn sogar um 75 Prozent gesteigert werden. Darin enthalten sind allerdings ein einmaliger Gewinn aus dem Verkauf von InvestLab sowie Steuergutschriften. Zudem wird das Aktienrückkaufprogramm unter Gottstein vorläufig ausgesetzt.

Für Gesprächsstoff sorgen in Analystenkreisen aber vor allem die Rückstellungen in Höhe von 568 Millionen Franken für Kreditrisiken. Analysten hatten bloss mit bis zu 200 Millionen Franken gerechnet. Mit weiteren 444 Millionen Franken schlagen sogenannte "mark-to-market"-Verluste in den Geschäftsbereichen Investment Banking und Asien Pazifik zu Buche.

Nach einem frühen Vorstoss bis auf 7,914 Franken verliert die CS-Aktie zur Stunde gar 1,8 Prozent auf 7,56 Franken.

Vorsteuergewinn um Einmaleffekte bereinigt tiefer als erwartet 

Die eher unterkühlte Reaktion der Börse fusst darauf, dass der Vorsteuergewinn in den Geschäftsbereichen Universalbank Schweiz, Internationalen Wealth Management, Asien Pazifik und Investment Bank allesamt unter den jeweiligen Analystenerwartungen liegt.

Wie es bei der Zürcher Kantonalbank heisst, beinhaltet der Zahlenkranz viele Einmaleffekte, die dem Markt nicht gefallen werden. Ein Kränzchen windet sie der Grossbank hingegen für die auf der Kostenseite erzielten Fortschritte, sofern sich diese auf das ganze Jahr hochrechnen lassen. Die Zürcher Bank stuft die Aktie wie bis anhin mit "Marktgewichten" ein.

Die Bank Vontobel versucht ihrerseits, alle Einmaleffekte aus dem Zahlenkranz wegzurechnen. Sie kommt dabei auf einen rund 10 Prozent unter den durchschnittlichen Analystenschätzungen liegenden Vorsteuergewinn. Den "höchsten Quartalsgewinn seit fünf Jahren" erklärt sich die Bank Vontobel einerseits mit einem Veräusserungsgewinn in Höhe von 268 Millionen Franken auf InvestLab und andererseits mit einer Steuergutschrift in Höhe von 110 Millionen Franken. Sie hält deshalb sowohl am "Hold" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 8 Franken fest.

Ist die CS-Aktie ein «Schönwetter-Investment»?

Die Citigroup stösst sich hingegen an der Aussage, wonach das eingestellte Aktienrückkaufprogramm nach dem dritten Quartal wieder aufgenommen werden könnte. Die US-Investmentbank hält eine Wiederaufnahme erst im kommenden Jahr für sehr viel realistischer. Nichtsdestotrotz empfiehlt sie die CS-Aktie mit einem Kursziel von 13,50 Franken zum Kauf.

Klare Worte fand schon am Tag vor der Quartalsergebnisveröffentlichung die HSBC. In einer Branchenstudie stufte die britische Grossbank die Aktie der Credit Suisse von "Buy" auf "Hold" herunter, wobei die Kaufempfehlung auf Ende Juni 2017 zurückgeht. Gleichzeitig strich sie die Gewinnschätzungen um bis zu 40 Prozent zusammen und stutzte ihr Kursziel auf 9 (zuvor 16) Franken zurück.

Das Geschäftsmodell der Schweizer Grossbank mache die Aktie zu einem "Schönwetter-Investment", so die HSBC weiter. Sie gibt im von Unsicherheiten geprägten Umfeld neuerdings jener der defensiver aufgestellten Erzrivalin UBS den Vorzug (der cash Insider berichtete).

Der vorliegende Zahlenkranz scheint die Aussagen der HSBC bestätigen zu wollen.

 
Aktuell+/-%
CS Group N8.766-1.64%
UBS Group N9.678-2.97%