Raiffeisen-Chef: «Würden bei Negativzinsen nicht vorpreschen»

Negativzinsen für Sparer sind für Raiffeisen derzeit kein Thema. CEO Patrik Gisel kann sich vorstellen, dass Banken diesen Strafzins einmal einführen, aber seine Regionalbankengruppe werde nicht den Anfang machen.
10.08.2016 12:37
Von Marc Forster
Raiffeisen-Schweiz-CEO Patrik Gisel.
Bild: cash

In einem Zeitungsinterview hat der Chef der Migros Bank, Harald Nedwed, die Diskussion um Negativzinsen für Sparer diese Woche neu lanciert. Sollte es nach lange diesen Strafzins von derzeit -0,75 Prozent der Nationalbank geben, könnte die Migros Bank dies auf Kunden abwälzen. Die Rede war von Vermögen über 100'000 Franken.

Bei den Raffeisenbanken, die ähnlich wie die Migros Bank stark im Retail-Geschäft verankert sind, sind solche Überlegungen noch nicht weit vorgeschritten. Dies sagt zumindest CEO Patrik Gisel im cash-Video-Interview. Unmöglich sei der Strafzins für Sparer aber nicht: "Natürlich muss man die konjunkturelle Situation beobachten, und es ist nicht gänzlich auszuschliessen, dass Banken zu diesem Schritt gezwungen sein werden."

Falls auf den Durchschnitssbürger einmal ein Negativzins abgewälzt wird, wäre dies laut Beobachtern wohl nur in einer konzertierten Aktion der Banken umsetzbar. Zu gross ist die Befürchtung, dass Kunden dann abwandern. Raiffeisen würde dabei kaum die Vorreiterrolle übernehmen, wie Gisel sagt: "Wir werden mit Sicherheit bei diesem Thema nicht vorpreschen."

Höhere Gebühren kein Thema

Auch höhere Gebühren seien wegen der Negativzinsen aktuell keine Überlegung bei Raiffeisen Schweiz. Operativ sei die Gruppe gut unterwegs. "Direkt aus dem Geschäft konnten wir das Ergebnis steigern", sagt Gisel.

Unter dem Strich musste die genossenschaftlich organisierten Regionalbanken aber Federn lassen. Der Geschäftserfolg sank um 7,7 Prozent auf 464 Millionen Franken und der Reingewinn um 7,1 Prozent auf 367 Millionen Franken, wie die Bankengruppe am Mittwoch mitteilte. Grund waren die eine volatile Situation an den Finanzmärkten und damit ein tieferer Handelsertrag sowie vor allem auch gestiegene Kosten.

Euro-Franken-Kurs bei 1,15?

"Wir haben deutlich mehr investiert in unsere Informatikplattform und in Digitalisierungsprojekte, und das wir für die nächsten zwei bis drei Jahre anhalten." Der CEO von Raiffeisen Schweiz zeigt sich aber zuversichtlich, dass die Gruppe trotz eines gleichbleibend hohen Kostenblocks einen Teil des "Rückstandes" aus dem ersten Halbjahr aufholen und die Ertragssituation verbessern könne. "Typischerweise verläuft das zweite Halbjahr immer etwas besser."

Bei der Raiffeisengruppe geht man davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft dieses Jahr um 0,9 Prozent wachsen wird. "Wir sind dabei etwas defensiver als andere", sagt der CEO. Gisel wagt aber auch die Prognose, dass sich der Franken zum Euro auf das Wechselkursverhältnis bon 1,14 oder 1,15 abschwächen könnte.

Im cash-Video-Interview sagt Patrik Gisel auch, wie gut die Raiffeisenbanken in Städte und stadtnahe Gebiete vordringt, was deren erklärtes strategisches Ziel ist. Er sagt auch, welche Kunden die Bankengruppe dort besonders interessieren.

(Mit Material der Nachrichtenagentur AWP)