Ramsch-Bonds ziehen Investoren an

Während einige Investoren aufgrund gefallener Öl-Preise aus Hochzinsanleihen aussteigen, investieren andere jetzt erst recht.
13.08.2016 06:23
Der tiefe Ölpreis macht den Ölförderern das Leben schwer.
Der tiefe Ölpreis macht den Ölförderern das Leben schwer.
Bild: Bloomberg

Dass sich Ramsch-Anleiheindizes im Gleichschritt mit den Energiepreisen bewegen, muss nicht unbedingt so bleiben. Über weite Strecken der vergangenen beiden Jahre wiesen beide zwar in dieselbe Richtung, Hochzins-Bonds konnten in den letzten zwei Monaten aber moderate Gewinne verzeichnen - und das, obwohl bei den Rohölpreisen erneut ein Bärenmarkt eingesetzt hatte. Der lässt Zweifel am Schicksal von Ölförderern, -Produzenten und -Transporteuren aufkommen, die bei einigen Hochzinsindizes den grössten Teil ausmachen.

Die Frage ist, ob die Unruhe an den Energiemärkten letztlich die Ramsch-Bonds-Bewertungen nach unten drücken wird, während die Pleiten und Zahlungsausfälle unter den Emittenten aus der Ölbranche zunehmen.

Nicht zuletzt wegen Warnungen, darunter von Bill Gross von Janus Capital, werden Investoren selbst mit Blick auf besser bewertete Anleihen nun wählerischer bei Hochzinspapieren - besonders bei spekulativen Bonds aus dem Energiesektor. "Wir schauen uns nicht nach Chancen im Energiebereich um. Aber falls Öl in der Nähe dessen bleibt, wo es ist, halten wir definitiv in anderen Ecken von Hochzins Ausschau", sagt beispielsweise Zach Jonson, Geldmanager bei Icon Advisers, das rund 2 Mrd. Dollar an Aktiva verwaltet.

Sowohl der Bloomberg USD High Yield Corporate Bond Index als auch der Bank of America Merrill Lynch U.S. High Yield Index wiesen zwischen dem 8. Juni und dem 3. August einen Ertrag von mehr als zwei Prozent aus - unter Einbeziehung von Energie-Bonds - während die Ölpreise in diesem Zeitraum um rund 20 Prozent einbrachen.

Rohöl belastet Hochzinsmarkt

Investoren erhielten ein Beispiel für die potenzielle Markt-Volatilität am 1. August, als der Ölpreis unter die Marke von 40 Dollar je Barrel fiel. Energie-Emittenten im BofA-Index büssten an jenem Tag rund 0,48 Prozent ein - was ihren gesamten Ertrag aus den vier vorangegangenen Wochen auslöschte.

Falls Rohöl weiter fällt, wird das wahrscheinlich die Bewertungen auf dem gesamten Hochzinsmarkt belasten, sagen Barclays-Plc-Strategen unter der Führung von Bradley Rogoff. Förder- und Produktions-Firmen seien besonders anfällig. "Bei 35-Dollar für Öl funktioniert es bei den meisten dieser Unternehmen mittel- bis langfristig nicht. Und wir sind zu diesem Zeitpunkt nicht sehr weit davon entfernt", sagt er.

Einige Investoren haben den erneuten Einbruch der Ölpreise zum Anlass genommen, um aus dem Sektor auszusteigen. Dazu zählt Mike Collins von Prudential Fixed Income. Sein Fonds hatte in den vergangenen Wochen die verbliebenen kleinen Positionen im Bereich Hochzins-Energie verkauft. Andere hingegen sind zurückhaltend, weil sie keine attraktiven Bereiche haben, um das Geld zu reinvestieren, sagt Martin Fridson, Investmentchef bei Livian Fridson Advisors.

"Wenn man mit Portfolio-Managern spricht, werden sie sagen, ’Wir haben Angst, irgendetwas zu verkaufen, weil es nichts gibt, das wir kaufen können, um es zu ersetzen, das irgendwelchen Wert bietet’", erklärt Fridson in einem Interview mit Bloomberg.

Sektor übt trotzdem Anziehungskraft aus

Falls die Ölpreise auf dem derzeitigen Niveau verharren, werden die Emittenten, die keine Restrukturierung durchgeführt haben, ihre Finanzvereinbarungen umbauen müssen - welche einst unter der Annahme aufgesetzt wurden, dass der Preis bei 80 Dollar je Fass oder mehr liegen würde. Diesen Standpunkt vertritt Margie Patel, eine Portfolio-Managerin bei Wells Capital Management. "Sie können es vielleicht aufschieben. Entkommen können sie nicht."

Dennoch übt der Sektor für einige Investoren offenbar eine gewisse Anziehungskraft aus, weil die Flut an Pleiten und Restrukturierungen möglicherweise die schwächeren Kredit-Papiere herausgespült hat. Gershon Distenfeld, ein Portfolio-Manager bei Alliance Bernstein Holding LP, sagt, sein Fonds habe "begonnen, anzubeissen".

"Für den grössten Teil des Hochzinsmarktes sind niedrige Ölpreise eine gute Sache, weil das die Verbrauchernachfrage antreiben kann", erklärt Distenfeld. Zwar mache Energie den grössten Bestandteil des Hochzins-Marktes aus, doch es ist "noch immer eine Minderheit im Markt. Und der grösste Teil des Marktes profitiert noch immer von niedrigen Ölpreisen."

(Bloomberg)