Rasche Erholung der Schweizer Börse nach Trump-Wahl

Der Schweizer Aktienmarkt legt bis am Mittwochmittag dank der starken Pharmawerte klar zu.
09.11.2016 13:00
Wirds rot oder grün? Die Schweizer Börse hat sich von einem kurzen Schreck nach der Trump-Wahl schnell erholt.
Wirds rot oder grün? Die Schweizer Börse hat sich von einem kurzen Schreck nach der Trump-Wahl schnell erholt.
Bild: cash

Das Beben, das die Finanzmärkte am Morgen der letztlich doch überraschenden Wahl Trumps zum kommenden US-Präsidenten begleitet hat, hat sich etwas abgeschwächt und einer nüchterneren Betrachtungweise Platz gemacht. Ausser dem SMI notieren zwar die wichtigsten europäischen Aktienmärkte weiterhin im Minus, allerdings haben sich auch dort die Kurse gegenüber dem frühen Geschäft merklich erholt, dies bei einer insgesamt höheren Volatilität.

Nicht dass dies heissen würde, die Finanzmärkte hätten Freude an der Wahl Trumps, denn dahingehend äussert sich praktisch niemand. Im Gegenteil warnen sowohl Finanzmarktexperten als auch Politiker vor der anhaltenden Unsicherheit sowohl in politischer wie auch wirtschaftlicher Hinsicht im Zusammenhang mit Trumps künftigem Kurs. "In Zeiten wachsender globaler Unsicherheit ist Trumps Wahlsieg ein weiterer, grosser destabilisierender Faktor", lässt sich etwa das Institut für Weltwirtschaft vernehmen. Gleichwohl wird weitum auch zu Besonnenheit gemahnt. Schweizer Unternehmen wollen sich vorerst mehrheitlich noch nicht zum Wahlausgang äussern.

Der SMI legt bis am Mittag 1,5% auf 7860 Punkte zu, dies nach einem Tagestief im frühen Geschäft von 7699 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gewinnt 0,6% auf 1217 Punkte und der breite SPI 1,3% auf 8601 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln liegen 18 im Minus und 12 im Plus.

Welthandelabhängige Titel tauchen am tiefsten

Grösste Verlierer sind aktuell mit Dufry (-3,2%) und Syngenta (-2,3%) Aktien zweier Unternehmen, die stark auf einen offenen Welthandel angewiesen sind.

Belastet, aber von den ärgsten Verlusten im frühen Geschäft etwas erholt zeigen sich weitere konjunktursensitive Aktien wie Kühne+Nagel (-2,0%), Richemont (-1,6%) oder Adecco (-1,3%). Für Adecco hat S&P Global im Nachgang zu den Drittquartalszahlen das Rating auf "Hold" von zuvor "Buy" gesenkt.

Swatch (-0,7%) zeigen sich etwas besser erholt vom frühen Schock, ebenso CS (-0,2%) als UBS (-1,6%).

Von den Schwergewichten bleiben Nestlé (-1,3%) klar im negativen Bereich, wogegen die Pharmaaktien Roche (+5,8%) und Novartis (+5,5%) massiv gesucht sind und damit den Gesamtmarkt in die Gewinnzone hieven. Beide Unternehmen haben sich gegenüber AWP eher diplomatisch zur Wahl Trumps zitieren lassen. In einem Kommentar von RBC heisst es, dass Trump - anders als während des Wahlkampfes angekündigt - nicht das komplette Gesundheitssystem (Obamacare) auf den Kopf stellen könne. Das System sei mittlerweile viel zu tief im Gesamtsystem verankert. Mit Donald Trump seien die drohenden US-Preiskontrollen für Medikamente zumindest vorderhand vom Tisch, heisst es in einem weiteren Kommentar. Hillary Clinton hätte als neue US-Präsidentin wegen ihrer Ambitionen, die Pharmapreise zu senken, als wenig förderlich für die Pharmabranche gegolten.

Ebenfalls sehr gesucht sind Actelion (+5,1%) und etwas moderater Galenica (+3,7%) und Sonova (+3,1%).

Swiss Life halten sich nach Zahlen gut

Swiss Life halten sich mit einem Minus von 0,1% vergleichsweise gut, dies nach der Präsentation des Neunmonatsergebnisses. Der Lebensversicherer hat mit seinen Angaben zur Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten die Erwartungen der Analysten mehr oder weniger erfüllt. Während die Prämieneinnahmen erwartungsgemäss zurückgegangen sind, wird das Wachstum der für Drittkunden verwalteten Vermögen begrüsst. Die Versicherungseinnahmen seien schwach gewesen, der Rest aber gut, heisst es denn auch in einem Kommentar der ZKB. Swiss Life ist zudem mit dem starken Heimmarkt Schweiz internationalen Verwerfungen etwas weniger ausgesetzt als andere Unternehmen.

Im breiten Markt fallen Titel so unterschiedliche Titel wie diejenigen der Immobiliengesellschaft Züblin (-4,4%) oder des Sonnenenergie-Anbieters Edisun (-4,3%) mit Abgaben auf, während auch hier Pharmapapiere aus dem Gesundheitsbereich wie Santhera (+6,8%), Ypsomed (+3,5%) oder Cosmo (+3,4%) gegen den Trend gesucht sind.

Autoneum (-0,5%) zeigen sich anlässlich eines Investorentages unauffällig. Das Unternehmen hatte am Morgen die bisherigen Ziele für das laufende Jahr und auch für den Zeitraum bis 2020 bekräftigt.

(AWP)