Ratingagentur äussert Sorge über Portugal

Portugal spürt nach kritischen Äusserungen einer Rating-Agentur Gegenwind am Kapitalmarkt. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe schnellte am Dienstagnachmittag auf 2,81 Prozent in die Höhe.
16.08.2016 16:56
Eine Villa ist an der Algarve im Süden Portugals zum Verkauf ausgeschrieben. Das Land scheint wirtschaftlich noch nicht über den Berg.
Eine Villa ist an der Algarve im Süden Portugals zum Verkauf ausgeschrieben. Das Land scheint wirtschaftlich noch nicht über den Berg.
Bild: Bloomberg

Der Anstieg fiel mit elf Basispunkten so stark aus wie seit dem Brexit-Schock vom Juni nicht mehr. Die Papiere Portugals waren unter Verkaufsdruck geraten, nachdem ein Manager der Rating-Agentur DBRS im Gespräch mit Reuters verstärkte Sorge über die Wachstumsaussichten des Landes geäussert hatte.

Portugal war 2011 unter den EU-Rettungsschirm geflüchtet und konnte ihn erst 2014 verlassen, nachdem es mit 78 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt worden war. Nun profitiert das Land vom Anleihenkaufprogramm der EZB, das es wie auch andere Euro-Staaten faktisch vor höheren Kreditkosten am Markt bewahrt. Doch Portugals Teilnahme hängt am seidenen Faden: DBRS bestätigte zuletzt die Mindestanforderung für die Kreditwürdigkeit und bewahrte es davor, aus dem Programm herauszufallen.

DBRS-Manager Fergus McCormick sagte Reuters, es bleibe zwar beim stabilen Ausblick für das iberische Land. Doch die Wachstumsaussichten seien offenbar im dritten Quartal weiter schwach. Die Wirtschaft hatte im Frühjahr nur um 0,2 Prozent zugelegt. Portugal ist ebenso wie Spanien wegen überhöhter Defizite ins Visier der EU-Kommission geraten. In Lissabon hat die sozialistische Regierung Reformen der konservativen Vorgänger rückgängig gemacht. Das Land muss Brüssel im Oktober eine Liste mit Sparvorschlägen zuschicken, mit denen die von der EU geforderte Defizitobergrenze von drei Prozent wieder eingehalten werden kann. Danach will DBRS die Kreditwürdigkeit des Landes erneut bewerten.

(Reuters)