Ratssitzung der Notenbank - EZB wird das Anleihenkaufprogramm drosseln, aber das Wie ist die Frage

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte die monatlichen Anleihekäufe im nächsten Jahr auf 30 Milliarden Euro halbieren und die verbleibende Kapazität des Programms ausdehnen.
23.10.2017 19:20
Wird am kommenden Donnerstag wieder sehr genau auf seine Wortwahl achten müssen: EZB-Chef Mario Draghi.
Wird am kommenden Donnerstag wieder sehr genau auf seine Wortwahl achten müssen: EZB-Chef Mario Draghi.
Bild: youtube

Dabei wird die EZB auf ein Anziehen der Inflation warten. Das hat eine Umfrage von Bloomberg unter Ökonomen ergeben. Die geldpolitischen Entscheidungsträger werden rund neun Monate weiter kaufen und das Programm auf etwas mehr als 2,5 Billionen Euro bringen, sagen die Befragten vor der Entscheidung der EZB am 26. Oktober. Das stimmt mit dem überein, was manche Offizielle unter den derzeitigen Regeln als Marktlimit sehen. EZB-Präsident Mario Draghi wird den Erwartungen zufolge Anfang 2019 seine erste Zinserhöhung bekannt geben.

Ein solches Ergebnis für die quantitative Lockerung würde die Besorgnis von Notenbankern zerstreuen, die ein deutliches Signal für ein Ende des Programms wünschen, und jenen entgegenkommen, die die Stimuli beibehalten wollen, solange die Inflationsaussichten weiterhin schwach sind. Es löst nicht die Frage, was in einem Jahr passiert, wenn das Konsumentenpreiswachstum immer noch nicht auf Kurs zum EZB-Ziel ist.

«Keine abweichende Stimme»

"Es gab vor der Sitzung keine abweichende Stimme bei der EZB über die Notwendigkeit, die Netto-Käufe zu reduzieren", sagte Maxime Sbaihi, ein Ökonom bei Bloomberg in London. "Die Frage ist also weniger 'ob' sie drosseln werden, als die Details 'wie' dies von statten gehen soll."

Wenn Details über die Drosselung von QE (Tapering) genannt werden, könnten Ökonomen und Investoren besser abschätzen, wann die Zinsen zu steigen beginnen dürften. Ausgehend von der Zusicherung, dass die Leitzinsen weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden, wird in der Umfrage der erste Anstieg des Einlagensatzes im ersten Quartal 2019 und eine Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes in den folgenden drei Monaten erwartet.

Bloomberg berichtete in diesem Monat, dass einige geldpolitische Entscheidungsträger Spielraum für kaum mehr als 200 Milliarden Euro an Käufen sehen. Die Mitglieder des EZB-Rats erwägen, die monatlichen Käufe von derzeit 60 Milliarden Euro ab Januar um mindestens die Hälfte zu kürzen und sie um neun Monate zu verlängern, mit der Massgabe, bei Bedarf mehr zu tun.

Angst vor Erstarkung des Euro

"Der EZB-Rat scheint besorgt zu sein, dass ein aggressiverer Tapering-Plan die Finanzbedingungen beeinträchtigen könnte, vor allem, indem er den Euro noch stärker aufwerten lässt", sagte Kristian Tödtmann, Ökonom bei der Deka-Bank in Frankfurt. Die Gemeinschaftswährung hat in diesem Jahr mehr als 12 Prozent gegenüber dem Dollar gewonnen.

Der wichtigste kontroverse Punkt unter den Ratsmitgliedern ist, ob sie sich auf für ein Enddatum für QE festlegen. Draghi mahnte zwar zur Vorsicht, hat sich aber zuversichtlich geäussert, dass der Konjunkturaufschwung der Region letztlich ihm und seinen Ratskollegen helfen wird, ihr Mandat zu erfüllen. Die Inflation lag im September bei 1,5 Prozent und die eigene Prognose der EZB sieht bis Ende 2019 keine Rückkehr auf das Ziel von knapp 2 Prozent vor.

"Offenbar wollen die Falken ein definitives Enddatum, während die Tauben es offen lassen wollen", sagt Alan McQuaid, Ökonom bei Merrion Capital in Dublin. "Ich denke, wir werden einen Kompromiss erhalten, die EZB dürfte sagen, dass sie ihr QE-Programm im September 2018 beenden will, aber wenn sich die Lage in der Zwischenzeit dramatisch verschlechtert, wird sie ihr System verlängern, bis sich die Dinge stabilisiert haben. "

(Bloomberg)