Razzia - Hausdurchsuchungen bei LafargeHolcim in Paris und Brüssel

Die Ermittlungen in Frankreich und Belgien um die Vorgänge im syrischen Lafarge-Werk in den Jahren 2013 und 2014 nehmen offenbar Fahrt auf.
14.11.2017 17:22
Lafarge Holcim: Die Büros in Paris und Brüssel haben Besuch von der Polizei erhalten.
Lafarge Holcim: Die Büros in Paris und Brüssel haben Besuch von der Polizei erhalten.

In Paris wurde die Niederlassung von LafargeHolcim durchsucht, in Brüssel das Büro der Groupe Bruxelles Lambert (GBL), einem ehemaligen Hauptaktionär von Lafarge. GBL befindet sich zu 50% im Besitz der Genfer Beteiligungsgesellschaft Pargesa.

Polizisten hätten am Dienstag den Firmensitz von LafargeHolcim in Paris durchsucht, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage zu entsprechenden Medienberichten. Parallel dazu fand eine Durchsuchung in Brüssel statt, erklärte die belgische Staatsanwaltschaft ihrerseits. Es gehe um den Verdacht der Finanzierung einer terroristischen Gruppe durch einen internationalen französischen Konzern - ein Firmenname wurde von den belgischen Ermittlern aber nicht genannt.

Inzwischen teilte GBL mit, dass ihre Büroräume durchsucht wurden. Beide Unternehmen betonten, vollumfänglich mit den Behörden zu kooperieren. In früheren Meldungen hatte es geheissen, dass auch in Brüssel das LafargeHolcim-Büro durchsucht wurde.

Schutzgelder gezahlt

In Frankreich läuft seit Juni eine offizielle Untersuchung zu den Vorgängen um das Lafarge-Werk in Syrien in den Jahren 2013 und 2014. Im Mittelpunkt steht laut früheren Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft der Vorwurf der "Finanzierung von terroristischen Vorhaben" und die Gefährdung von Leben.

So soll das Unternehmen etwa nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs Schutzgelder an verschiedene Gruppierungen gezahlt haben, um den Betrieb des Werks aufrecht zu erhalten. Menschenrechtsorganisationen hatten im vergangenen Jahr Anzeige erstattet und Lafarge vorgeworfen, möglicherweise zur Finanzierung der Terrormiliz Islamischer Staat beigetragen zu haben.

Zuvor hatte eine interne Untersuchung von LafargeHolcim ergeben, dass die Massnahmen zur Weiterführung des Betriebs in dem nordsyrischen Werk 2013 und 2014 nicht akzeptabel gewesen seien.

Die französische Lafarge-Gruppe hatte sich 2015 mit dem Schweizer Konzern Holcim zum grössten Zementhersteller der Welt zusammengeschlossen. Das Unternehmen hat 90'000 Mitarbeiter in mehr als 80 Ländern.

(AWP)