Reaktionen auf SNB-Zinsentscheid - «Emanzipation gegenüber der EZB wäre notwendig»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Das kommt nicht bei allen Experten gut an.
21.03.2019 10:21
Schweizerische Nationalbank am Bürkliplatz in Zürich.
Schweizerische Nationalbank am Bürkliplatz in Zürich.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank setzt zur Schwächung des aus ihrer Sicht noch immer hoch bewerteten Frankens weiterhin auf Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen. Die Notenbank beliess am Donnerstag das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor am Donnerstag bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Banken müssen für ihre Sichtguthaben bei der SNB weiterhin einen Strafzins von 0,75 Prozent bezahlen.

Ökonomen kommentieren die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB wie folgt:

THOMAS GITZEL, VP BANK:

"Verglichen mit den Pressetexten der EZB und der Fed wirken die Aussagen der SNB wesentlich ausgeglichener. Das ist auch gut so, denn bei allen gerechtfertigten und bestehenden wirtschaftlichen Risiken sollte nicht vergessen werden, dass die chinesische Regierung rekordhohe Steuersenkungen auf den Weg brachte. Gleichzeitig könnten schon bald die Handelsgespräche zwischen den USA und China zu einem positiven Ende kommen. Vor diesem Hintergrund sollten die Währungshüter in Washington und Frankfurt etwaige positive Wachstumsüberraschungen im zweiten Halbjahr nicht unterschlagen. Die eidgenössischen Währungshüter manövrieren sich jedenfalls nicht in eine Sackgasse, wie es die US-Notenbank in der vergangenen Nacht getan hat.

Die SNB wird also ihren eingeschlagenen Kurs fortsetzen. Eine Änderung der Zinspolitik ist vorerst nicht zu erwarten. Die eidgenössischen Währungshüter täten aber gut daran den Stellenwert der Währungsentwicklung zu reduzieren. Noch immer fürchtet man sich vor einer deutlichen Aufwertung des Franken. Damit kettet sich die SNB aber unweigerlich an die geldpolitische Ausrichtung der EZB. Eine Emanzipation wäre hier notwendig, um tatsächlich in Zukunft einen Ausstieg aus dem Negativumfeld zu finden."

DANIEL HARTMANN, BANTLEON:

"Die SNB hat ihre Inflationsprognose gegenüber Dezember über den gesamten Prognosehorizont deutlich nach unten korrigiert. Selbst am Ende des Prognosehorizonts im vierten Quartal 2021 rechnen die Währungshüter lediglich mit 1,5 Prozent. Die Teuerung bleibt damit trotz anhaltend expansiver Geldpolitik namhaft unter der Obergrenze des Inflationsziels von zwei Prozent. Als Grund für die Abwärtskorrektur der Inflationsprognose wird die weltwirtschaftliche Abschwächung genannt.

Mit dieser niedrigen Inflationseinschätzung gibt die SNB ein sehr dovishes Signal an die Märkte und schwenkt damit auf den Kurs der Fed und EZB ein, die jeweils dovishe Vorlagen geliefert haben. Mit einer Leitzinserhöhung ist mithin auf absehbarer Zeit in der Schweiz nicht zu rechnen. Auch wird die SNB weiterhin den Wechselkurs unter Kontrolle halten wollen.

Der Ausblick für die Schweizer Wirtschaft wird demgegenüber von der Notenbank moderat optimistisch gezeichnet. Dies bedeutet zugleich, dass das Deflationsrisiko wohl als vergleichsweise gering eingeschätzt wird.

Anders als der Fed oder der EZB fehlt es der SNB indes im aktuellen Umfeld an einem Instrumentarium, um zusätzliche expansive Impulse in der Geldpolitik zu erzeugen. Wir rechnen frühestens zum Ende des ersten Quartals 2020 mit einer ersten Leitzinserhöhung in der Schweiz - von minus 0,75 auf minus 0,50 Prozent. Voraussetzung ist, dass die EZB kurz zuvor ebenfalls an der Zinsschraube dreht."

DAVID MARMET, ZÜRCHER KANTONALBANK:

"Die Medienmittelung zur geldpolitische Lagebeurteilung vom 21. März birgt insofern keine Überraschung, als dass die SNB ihre expansive Geldpolitik unverändert beibehält, den Franken immer noch als hoch bewertet taxiert und auch die Lage am Immobilienmarkt ähnlich einschätzt wie vor einem Quartal.

Zu überraschen vermag hingegen die deutlich tiefere Inflationsprognose. Aufgrund des in den letzten Monaten wieder höheren Erdölpreises hätten wir eine tiefere Inflationsprognose erst gegen Ende des Prognosehorizonts erwartet, und nicht bereits für dieses Jahr. Zudem überrascht, dass die BIP-Prognose nicht nach unten angepasst wurde. In der Medienmitteilung wird zwar auf das schwächere globale Wachstum hingewiesen, aber die SNB erwartet für die Schweiz unverändert eine BIP-Zunahme von 1,5 Prozent. Wir hätten erwartet, dass sie neu auf ein bis 1,5 Prozent geht." 

(Reuters)