Rechnungslegung - Vorwürfe setzen Meyer Burger-Aktie zu

Der Schweizer Börse SIX zufolge soll Meyer Burger Rechnungslegungsvorschriften verletzt haben. Noch äussern sich nur wenige Analysten zu den Vorwürfen. Die Aktie des Solarzulieferers gerät unter Verkaufsdruck.
13.06.2018 13:11
Von Lorenz Burkhalter
Der Hautpsitz von Meyer Burger.
Der Hautpsitz von Meyer Burger.
Bild: ZVG

Die Schweizer Börsenbetreiberin SIX will den Solarzulieferer wegen Verstössen gegen die Rechnungslegungsvorschriften sanktionieren. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, das operative Ergebnis im 2016 sowie im ersten Halbjahr 2017 zu hoch ausgewiesen zu haben. Zudem bestehe im Zusammenhang mit einer frühzeitig zurückgekauften eigenen Anleihe ein mutmasslicher Fehler in der Geldflussrechnung, schreibt die SIX in einer Mitteilung an die Medien.

An der Schweizer Börse SIX wird die Meyer-Burger-Aktie zur Stunde noch mit einem Minus von 7,6 Prozent auf 0,992 Franken abgestraft. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 0,957 Franken.

Zwei Analysten halten sich vorerst noch bedeckt

Wie einer ersten Stellungnahme aus dem Hause Zürcher Kantonalbank entnommen werden kann, betreffen die Kritikpunkte aus heutiger Sicht die Verbuchungen am falschen Ort der jeweiligen Abschlüsse und nicht die Verbuchung von falschen Beträgen. Selbst in Erwartung abschätzbarer potenzieller Folgen einer Busse im fünfstelligen Frankenbereich erachtet der Autor den Kurseinbruch als übertrieben. Dennoch räumt auch er ein, dass der Sanktionsantrag "unschön" sei. Die Aktie von Meyer Burger wird bei der Zürcher Kantonalbank mit "Übergewichten" zum Kauf empfohlen.

Noch keine Reaktionen liegen seitens der Berufskollegen von der Bank Vontobel und von Research Partners vor. Auch sie beiden raten seit geraumer Zeit zum Kauf der Aktie.

Wie es im hiesigen Handel heisst, werfen Anschuldigungen im Zusammenhang mit Buchführungspraktiken grundsätzlich ein schlechtes Bild auf betroffene Unternehmen. Von der SIX-Rüge bleibe deshalb wohl auch beim Solarzulieferer etwas hängen.

In Kommentaren aus den Handelsabteilungen von Julius Bär und der MainFirst Bank werden die Neuigkeiten hingegen als wenig kursrelevant heruntergespielt.

Ahnte jemand etwas von den Vorwürfen?

Die Vorwürfe gegen Meyer Burger lassen zudem aus anderer Optik aufhorchen: Mit jeweils gut 11 Millionen Aktien wechselten bei Meyer Burger in den vergangenen zwei Tagen auffällig viele Titel die Hand. Zum Vergleich: An durchschnittlichen Tagen sind es zwischen 3 und 5 Millionen Aktien. Gleichzeitig zogen die Derivatvolumen kräftig an.

Kursentwicklung der Meyer-Burger-Aktie seit Anfang Juni (Quelle: www.cash.ch)

Alleine am Montag und Dienstag verlor der Solarzulieferer gut 7 Prozent seines Börsenwerts. Im hiesigen Handel erklärte man sich die Kursverluste mit den Plänen der chinesischen Regierung in Peking, den USA im Handelsstreit mit einer Kürzung der Solarsubventionen entgegenzukommen. Diese Pläne sind allerdings schon seit Anfang Mai bekannt und erklären die Kursverluste der letzten Tage nur bedingt.