Referenzzinssatz - Der Libor soll bis Ende 2021 ausgedient haben

Die Zeit für den skandalumwitterten Libor läuft ab. Die britische Finanzaufsicht FCA, in deren Einflussbereich der Referenzzinssatz ermittelt wird, drängt auf eine Ablösung durch ein zuverlässigeres System bis Ende 2021.
27.07.2017 13:00
Der Referenzzinssatz Libor berechnet sich von den Preisen für Kredite von Banken zu Banken weltweit.
Der Referenzzinssatz Libor berechnet sich von den Preisen für Kredite von Banken zu Banken weltweit.
Bild: ZVG

Unklar ist allerdings, wie der Ersatz für die "London Interbank Offered Rate" aussehen wird und was mit Finanzprodukten passiert, die dann noch auf den Libor zurückgreifen.

"Die Planung und die Überleitung müssen jetzt beginnen", mahnte FCA-Chef Andrew Bailey am Donnerstag in London. Die Märkte dürften sich nicht länger auf den Libor in seiner jetzigen Form stützen. Die an der Ermittlung des Zinssatzes beteiligten Banken hätten aber zugesichert, den Libor noch für eine Übergangsperiode bis Ende 2021 zu pflegen. Bis dahin sollten auch die offenen Fragen geklärt werden.

Der Libor wird seit den 1980er Jahren jeden Bankarbeitstag in London festgelegt. Dazu melden die wichtigsten Banken die Zinsen, die sie aktuell für Kredite ihrer Konkurrentinnen zahlen müssen. Der daraus errechnete Libor dient als Basis für Geschäfte in Billionenhöhe - von Baukrediten bis zu komplexen Derivategeschäften. Eine Alternative ist der Euribor für den Euro-Raum.

Das Vertrauen in den Libor ist jedoch erschüttert: Über Jahre hinweg haben beteiligte Banker bei der Ermittlung des Zinssatzes getrickst und ihn damit in eine für sie vorteilhafte Richtung getrieben. Eine ganze Reihe von Grossbanken musste im sogenannten Libor-Skandal Milliardenstrafen zahlen. Als Folge übernimmt seit 2014 der US-Börsenbetreiber ICE die Verantwortung für die Libor-Berechnung, überwacht von der FCA. Vorher lag die Libor-Ermittlung alleine in den Händen der britischen Bankenvereinigung. Schon seit Jahren gibt es Forderungen nach einem Ende des Libor.

(AWP)