Regulierung - Wie neue Vorschriften Europas ETF-Markt anheizen werden

Ein wenig Transparenz könnte für die blühende ETF-Branche sehr viel Geld bedeuten.
13.08.2017 01:00
Anbieter von Fonds an einer Finanzmesse.
Anbieter von Fonds an einer Finanzmesse.
Bild: cash

Im unüberschaubaren europäischen Markt für börsengehandelte Fonds (ETF), wo 70 Prozent der Anteile im Freiverkehr (OTC) gehandelt werden, müssen die Anbieter gemäß den europäischen MiFID II-Vorschriften bald Einzelheiten von Transaktionen wie etwa Preis und Handelsvolumen ausweisen.

Die Veränderung, die am 3. Januar in Kraft tritt, wird Investoren gefallen und dürfte die europäischen Fondsaktiva innerhalb von zwei Jahren von 725 Mrd. Dollar auf 1 Billion Dollar treiben, sagt Jürgen Blumberg, Leiter Kapitalmärkte beim ETF-Anbieter Source in London.

“Investoren in Europa denken, dass ETF nicht liquide sind", so Blumberg. “In Zukunft muss jedes Handelsgeschäft ausgewiesen werden, was zu mehr Sichtbarkeit von Liquidität führen und Gelder anziehen wird. Das könnte fünf bis zehn Prozent zusätzlich zum üblichen jährlichen Wachstum bringen."

Die Vorschriften der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) der Europäischen Union fördern auch mehr Transparenz bei den Gebühren innerhalb der gesamten Vermögensverwaltungsbranche für Produkte, bei denen derartige Informationen zuvor nicht bekannt gegeben werden mussten. Wenn mehr Einzelheiten zu dem provisionsbasierten Beratungsmodell zur Verfügung stehen, werde das die wahren Kosten von aktiv investierenden Fonds sichtbarer machen, so der Fondsbeobachter Morningstar Inc.

MiFID II definiert die Art und Weise wie Märkte funktionieren für alles Mögliche, von Research bis Dark Pools. ETFs dürften einer der größten Nutznießer der Vorschriften sein. Weltweit haben ETF-Aktiva ein Rekordvolumen erreicht, wobei auf die USA mehr als 3 Billionen Dollar des Gesamtvolumens von 4,5 Billionen Dollar entfallen. Der europäische Markt hinkt jedoch beim Wachstum hinterher.

21 Börsen mit 1500 Fonds

Der europäische ETF-Markt verteilt sich auf etwa 21 Börsen und umfasst 1500 Fonds, teilweise mit Mehrfach-Listings. Diese Fragmentierung hat die Entwicklung des Marktes behindert, sagt Thomas Meyer zu Drewer, weltweiter Leiter der zur Commerzbank gehörenden ComStage ETF. Er geht auch davon aus, dass der europäische ETF-Markt die Schwelle von 1 Billion Dollar überschreiten wird, aber erst 2020-2021. Das Wachstum werde teilweise von kostenbewussten Privatanlegern getrieben werden, die durch MiFID angelockt werden. Gegenwärtig machen Privatanleger 15 Prozent bis 20 Prozent vom Markt aus, sagt er.

“Nun sind Investoren in der Lage, einen Versicherungsvertrag und ein ETF zu vergleichen", sagt zu Drewer. “Sie können sehen, was für Kosten es gibt, etwa Nachlässe und Vergütungen, da Finanzberater plötzlich ihre Kunden informieren müssen, dass sie eine Provision für das Versicherungsprodukt erhalten."

Die Offenlegung von Gebühren bedeute, dass ETF “perfekt positioniert" sind, sagt Clarisse Djabbari, stellvertretende Leiterin von Lyxor ETF. “Das spielt den niedrigen Kosten und der transparenten Natur von ETFs in die Hände,’’ was zu einer verstärkten Nutzung führen werde, sagte sie.

ETF in Europa verzeichneten im zweiten Quartal bis Ende Juni Netto-Zuflüsse von 24 Mrd. Euro, so dass sich ihr Anlagevolumen laut Morningstar auf 613 Mrd. Euro beläuft. Mit Blick auf das Wachstumspotenzial in Europa hat die in Atlanta ansässige Invesco Ltd., die die ETF-Marke PowerShares anbietet, im April Source gekauft.

(Bloomberg)