Reise-DetailhandelDufry verfehlt Gewinnerwartungen

Der Reise-Detailhändler Dufry hat im ersten Halbjahr 2017 deutlich mehr Umsatz erzielt als in der Vergleichsperiode des Vorjahres und dabei den Verlust stark eingedämmt.
31.07.2017 08:17
Ein Dufry-Shop in Mexiko City.
Ein Dufry-Shop in Mexiko City.
Bild: ZVG

Um die Verschuldung rascher als geplant zu reduzieren, zieht das Unternehmen einen Börsengang des Nordamerikageschäfts in Betracht. Die Verkäufe stiegen um 5,8% auf 3,82 Mrd CHF, entsprechend einem organischen Wachstum von 8,9%. Dieses hat sich damit im Vergleich zum ersten Quartal (+7,2%) noch einmal etwas beschleunigt. Die meisten Märkte hätten eine gute Performance gezeigt, teilt Dufry am Montag mit. Speziell stark seien Grossbritannien gewesen sowie die Geschäfte mit brasilianischen und russischen Reisenden. Letztere hätten die Märkte in Russland, Griechenland und in der Türkei belebt.

Verkaufsfläche wird weiter ausgebaut

Entsprechend der Strategie, das Wachstum zu beschleunigen, seien die Verkaufsflächen plangemäss ausgeweitet und renoviert worden. Bis Ende Jahr sollen in 300 Shops insgesamt 70'000 Quadratmeter an Fläche überholt oder neu eröffnet werden, was gut 15% der Gesamt-Retailfläche von Dufry entspricht. Darüber hinaus seien Verträge für weitere 21'800 Quadratmeter an neuer Fläche unterzeichnet worden, welche im laufenden und im kommenden Jahr wirksam werden.

Der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA legte im ersten Semester um 7,8% auf 411,2 Mio CHF, wobei sich die Marge um 20 Basispunkte auf 10,8% verbesserte. Diese sei von einer höheren Bruttomarge gestützt gewesen, welche dank Synergien durch die Integration von World Duty Free (WDF) um 110 Basispunkte auf 59,5% angezogen habe. Negativ auf die EBITDA-Marge wirkten sich höhere Konzessionsgebühren und allgemeine Ausgaben aus. Bei den Konzessionsgebühren fielen insbesondere höhere jährliche Mindestgarantie-Zahlungen in Spanien ins Gewicht sowie Anlaufkosten für renovierte Läden.

Der EBIT hat sich auf 90,0 Mio CHF im Vergleich zu den 31,7 Mio des Vorjahres beinahe verdreifacht. Die Abschreibungen im zweiten Quartal waren mit 40,1 Mio und die Amortisationen mit 90,6 Mio praktisch stabil gegenüber den Werten des ersten Quartals 2017. Die Linearisierungs-Kosten im Zusammenhang mit den Konzessionen in Spanien beliefen sich im ersten Semester auf 46,3 Mio CHF.

Reinverlust markant eingedämmt - mögliches IPO für Nordamerika-Geschäft

So resultierte im Halbjahr erneut ein Verlust nach Minderheiten von 24,9 Mio CHF. Dieser hat sich aber gegenüber den 75,0 Mio CHF des Vorjahres markant reduziert. Das Unternehmen verweist darauf, dass das Reinergebnis wegen saisonalen Effekten im zweiten Semester jeweils besser ausfalle. Unter Berücksichtigung des Minderheitsanteils von 24,0 Mio CHF ergab sich noch ein Reinverlust von 0,9 Mio, nach 57,6 Mio CHF im Vorjahr. Mit den Zahlen hat Dufry die Erwartungen hinsichtlich Umsatz in etwa getroffen, auf Stufe Gewinn aber verfehlt.

Mit dem Abbau der Verschuldung sieht sich Dufry auf gutem Weg. Um aber mehr strategische Flexibilität zu erhalten, zieht Dufry einen Börsengang (IPO) des nordamerikanischen Geschäftes in Betracht, sowohl für das Duty-free- wie auch für das Duty-Paid-Geschäft. Der nordamerikanische Reisedetailhandel unterscheide sich von anderen Dufry-Märkten im Bereich Food & Beverage und anderen spezifischen Segmenten. Zudem ergäben sich durch ein solches IPO Möglichkeiten, um andere Wachstumschancen im Nordamerika-Geschäft zu nutzen.

Die Einnahmen aus einem allfälligen IPO würde anfänglich für einen Schuldenabbau verwendet werden und es Dufry erlauben, die diesbezüglichen Ziele früher zu erreichen.

Dufry würde die Mehrheit am Geschäft allerdings auch bei einem IPO behalten und das Geschäft entsprechend auch vollständig konsolidieren. "Das Geschäft würde ein wichtiger Bestandteilt von Dufrys globaler Diversifikations-Strategie verbleiben", heisst es wörtlich. Operativ wäre es zudem bei allen wichtigen Funktionen in die Gruppe integriert, so dass das Nordamerika-Geschäft weiter von der Expertise und der Grösse des Mutterhauses profitieren könnte.

Mit Blick auf das Gesamtjahr 2017 gibt sich das Unternehmen relativ zuversichtlich. Im zweiten Semester sei mit guten Marktkonditionen zu rechnen. Dabei werde das dritte Quartal wie üblich das wichtigste. Einige Märkte hätten indes aus dem Vorjahr eine starke Vergleichsbasis.

(AWP)