Reisen in der Krise - Corona-Krise brockt Lufthansa Milliardenverlust ein - Swiss in den roten Zahlen

Unter dem Strich steht dem Lufthansa-Konzern ein Minus von rund 1,5 Milliarden Euro ins Haus. Dies nach einem Gewinn von 226 Millionen ein Jahr zuvor.
06.08.2020 07:30
Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns - Swiss, Lufthansa und Austrian - am Flughafen Wien-Schwechat, aufgenommen kurz vor dem Coronavirus-Lockdown im März.
Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns - Swiss, Lufthansa und Austrian - am Flughafen Wien-Schwechat, aufgenommen kurz vor dem Coronavirus-Lockdown im März.
Bild: imago images / Alex Halada

Der Zusammenbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise hat der Lufthansa im zweiten Quartal einen weiteren Milliardenverlust eingebrockt.  Der operative Verlust (bereinigtes Ebit) lag mit knapp 1,7 Milliarden Euro noch höher, wie der inzwischen vom Staat gestützte Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankte das Unternehmen einem Rekordergebnis seiner Frachttochter Lufthansa Cargo, die von der stark gestiegenen Nachfrage nach Frachtflügen profitierte.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet, dass der Flugverkehr frühestens im Jahr 2024 wieder das Niveau aus der Zeit vor der Krise erreicht. Der Konzern will deshalb seine Kosten bis zum Jahr 2023 um 15 Prozent senken, die Flotte um mindestens 100 Flugzeuge verkleinern und 22 000 Vollzeitstellen abbauen. Bis Ende Juni hat die Lufthansa die Zahl ihrer Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um knapp 8300 gesenkt.

95 Prozent der Swiss-Flieger am Boden

Die Corona-Pandemie hat die Swiss im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerissen. Operativ flog die Lufthansa-Tochter einen Verlust von 266,4 Millionen Franken ein nach einem Gewinn von 245,3 Millionen im Vorjahressemester.

Der Umsatz stürzte um rund 55 Prozent auf 1,17 Milliarden Franken ab, wie die Swiss am Donnerstag in einem Communiqué bekannt gab. Schuld ist die Coronapandemie, wegen der zeitweise 95 Prozent der Flotte am Boden stand. In den ersten sechs Monaten flogen 64 Prozent weniger Passagiere mit der Swiss, die im Vorjahr noch 8,8 Millionen Reisende befördert hatte. Die durchschnittliche Auslastung der Maschinen sank auf 71,2 Prozent.

Der Buchungsstand betrage rund 20 Prozent eines normalen Jahres, hatte Swiss-Chef Thomas Klühr am Vortag in einem Interview gesagt. Im Gegensatz zum Lockdown führe die Swiss derzeit Flüge durch, sobald sie die variablen Kosten wie Treibstoff oder Gebühren verdienen würden. Derzeit verliere die Swiss weniger als 1 Million pro Tag. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte der Swiss-Chef die Verluste auf 3 Millionen pro Tag beziffert.

Zwei Drittel der Flotte wieder im Einsatz

Im Juni wurde der Minimalflugbetrieb sukzessive auf 15 bis 20 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazität wieder hochgefahren. Bis zum Herbst sollen mit etwa einem Drittel der Kapazitäten rund 85 Prozent aller Destinationen wieder angeflogen werden, die vor der Corona-Krise bedient wurden. Seit Juli seien rund zwei Drittel der 91 Swiss-Flugzeuge wieder im Einsatz, schrieb die Swiss.

Es gebe die Chance, dass sich die Lage im Sommer 2021 wieder erhole, sagte Klühr. Die Erholung hänge von der Pandemie-Entwicklung in Europa und den USA ab.

Keine Staatshilfe geflossen

Die Staatshilfe des Bundes sei noch nicht geflossen. "Wir warten auf die Freigabe durch den staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Deutschland. Ich hoffe, dass die in den nächsten Tagen kommt." Bisher sei die Swiss durch ihren Mutterkonzern Lufthansa gestützt worden.

Der Bund hatte für die Swiss und ihre Schwestergesellschaft Edelweiss eine Garantie von 1,275 Milliarden Franken beschlossen. Damit können sich die beiden Airlines Kredite bei den Banken in Höhe von 1,5 Milliarden Franken besorgen.

Es gebe kaum eine Airline, die ohne Staatshilfe durch die Coronakrise komme, sagte Klühr: "Trotzdem tut es weh." Die erste Kredittranche werde ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag sein, sagte Klühr: "Wir werden alles daran setzen, das Geld möglichst schnell zurückzuzahlen." Der Zins liege bei über 3 Prozent.

Liquidität gesichert

"Dank der frühzeitig eingeleiteten Massnahmen zur Liquiditätssicherung konnten wir unsere Fixkosten deutlich senken", erklärte Finanzchef Markus Binkert. Mit den Darlehen der Lufthansa Group und dem in Aussicht gestellten, vom Bund garantierten Bankenkredit sei die Liquidität gesichert.

"Wir müssen aber weiterhin unsere Kosten strukturell reduzieren, um die Kredite baldmöglichst zurückzahlen zu können", erklärte Binkert. Zur Verbesserung der Kostenstruktur werde die Swiss in den kommenden Monaten weitere umfassende Sparmassnahmen ergreifen und unter anderem ihren Flotteneinsatz auf den Prüfstand stellen sowie sämtliche nicht betriebsnotwendigen Investitionen über alle Unternehmensbereiche hinweg aussetzen.

(SDA/AWP)