Reiseplanung per Mausklick - Was Sie über Internet-Buchungsportale wissen müssen

Den attraktivsten Preis für Flüge und Hotels findet man im Internet nicht immer auf Anhieb. Reiseportale bieten einen guten Überblick, auch wenn man dort nicht unbedingt buchen sollte.
15.03.2017 11:17
Von Marc Forster
Stimmt der Preis? Hotelpool auf Mauritius im Indischen Ozean.
Stimmt der Preis? Hotelpool auf Mauritius im Indischen Ozean.
Bild: Pixabay

Zuerst die gute Nachricht: Buchungsportale für Reisen machen die Auswahl grösser und transparenter. Preise und Hotels lassen sich vergleichen, die Auswahl wird enorm. Ob der Kunde aber immer profitiert, ist eine andere Frage. Je grösser die Auswahl wird, desto mehr kann Verwirrung entstehen. Wie die Internetsuchen der Anbieter genau funktionieren, weiss man nicht. Und was für Informationen die Portale für den User ungemerkt einsammeln, ist ebenfalls nicht so klar.

Zudem: Leider irren sich auch Buchungsportale, und was die Suchmaschinen von Booking.com, Trivago, skyscanner.com & Co. ausspucken, ist nicht immer das beste und das günstigste. Wer also Hotels und Flüge zu attraktiven Preisen – und dem Ziel von möglichst wenig Ärger in den Ferien – buchen will, sollte sich folgende Fragen stellen:

Wie finde ich den günstigsten Flug?

Die Suche nach dem wirklich günstigsten Flug ist eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Preise auf Buchungsportalen wie skyscanner.com, checkfelix.com oder tripsta.com ändern sich laufend.

Wer bereit ist, umzusteigen, kann viel Geld sparen – absurderweise kann ein Flug Zürich-Brüssel über Kopenhagen dreimal so billig ist wie ein Direktflug. Wer Umsteigeflüge bucht, muss aber auf die Länge der Zwischenstopps achten, sowie auf Zeitzonen-Unterschiede. Was auf den ersten Blick gut aussieht, kann mit strapaziösen Wartezeiten erkauft sein.

Bei Flugbuchungen lohnt sich auch der direkte Vergleich mit den Angeboten der Fluggesellschaft. Aber auch dann bestehen noch Tücken: Das System für Zusatzgebühren für Gepäck, bestimmte Sitzplatzreihen oder auch für Kreditkartenzahlungen ist kompliziert geworden – bei den Buchungsportalen wie auch bei den Airlines selber.  

Wann soll ich buchen?

Besonders bei Flügen ist der Zeitpunkt der Buchung wichtig. Das Buchungsportal kayak.de will herausgefunden haben, dass bei Langstrecken meistens Hin- und Rückflüge, die an einem Dienstag stattfinden, am billigsten sind. Auf europäischen Flügen sind Hinflüge am Freitag und Rückflüge am Montag am billigsten. Natürlich wird es wiederum teurer, wenn man bequem am Vormittag hin und die Zeit am Reiseziel gut ausnutzend am Abend zurückfliegen will.

Für Flüge nach Nordamerika, in die Karibik und nach Asien bucht man laut kayak.de am günstigen vier Monate im Voraus. Bei Südamerika sollte man drei Monate vor Reiseantritt zuschlagen, während es in Europa zwei bis drei Monate vor dem Datum am preiswertesten ist. Nach Afrika kommt man interessanterweise am billigsten, wenn man zwei Wochen vor dem Flug ein Ticket kauft.

Angebote auf der website Swoodoo (Screenshot www.swoodoo.ch)

Last-Minute-Angebote oder Arragements auf Schnäppchen-Websites sind sicherlich günstig. In den 80er Jahren, noch vor dem Internet, entstand Last Minute zum Abverkauf von Überkapazitäten. Mittlerweile ist der Reisemarkt so kompliziert, dass dies nicht mehr unbedingt der Fall ist. Verlass, dass Last Minute die billigste Form des Reisens ist, gibt es nicht mehr.

Was bringen Sonderangebote und «Schnäppchen für begrenzte Zeit»?

"Punta Cana ab 699 Franken" oder "Rio de Janeiro in der Business Class für 2529 Franken" – schön und gut, aber man kann nur in den Genuss dieser Flug-Vergünstigungen kommen, wenn man an bestimmten Tagen reist. Immerhin gibt es Fluggesellschaften, darunter die Swiss, die einigermassen realistische Daten angeben, an denen man hin- und zurückfliegen kann.

Bei den Hotel-Buchungsportalen findet man gerne einmal ein "Schnäppchen für begrenzte Zeit". Dies soll zur Spontan-Buchung veranlassen. Das Problem: Die Offerten wechseln häufig und einige Tage später kann dasselbe Angebot billiger oder ein vergleichbares Angebot mit tieferen Preis verfügbar sein.

Was machen, wenn während der Buchung der Anbieter wechselt?

Gewisse Buchungsportale leiten den User bei der Suche einfach weiter zu einem anderen Anbieter. Manchmal ist dies völlig in Ordnung. Man kann so aber auch zu dubiosen Anbietern gelangen. Wenn plötzlich ein neuer Anbieter auf der Website erscheint, sollte man überprüfen, um wen es sich dabei eigentlich handelt.

Die Folge kann sein: Man findet einen billigen Flug, überweist das Geld, und bekommt dann nur eine Zahlungsbestätigung oder eine Buchungsbestätigung des Anbieters, nicht aber der Fluggesellschaft. Nur ein Online-Ticket oder eine e-Ticket-Nummer geben die Sicherheit, dass der Anbieter den Flug auch wirklich gebucht hat. Manchmal spekulieren diese Anbieter darauf, dass sie noch billigere Angebote bekommen und buchen nicht sofort.

Klappt dies nicht, verlangen sie später vom Kunden einen höheren Preis oder eine gebührenpflichtige Umbuchung – jedenfalls findet man im Internet das eine oder andere Forum, in denen sich frustrierte Reisende über dubiose Anbieter ärgern.

Hotel direkt oder über Buchungsplattform reservieren?

Hotelbetreiber haben ein gespaltenes Verhältnis zu Buchungs-Sites wie Booking.com, Expedia oder HRS: Zwar bekommen sie so mehr potentielle Kundschaft, aber sie entrichten der Internetplattform zum Teil auch saftige Gebühren - von um die 40 Prozent der Zimmerpreise ist die Rede. Die inzwischen grosse Marktmacht der Buchungsplattformen beschäftigt in der Schweiz auch die Politik und die Wettbewerbshüter.

Kleine Hotelbetriebe verlieren wegen der Buchungsplattformen Marge. Aber auch grosse Hotelketten lassen Überachtungsgäste auf subtile Weise ihren Unmut an solchen Websites spüren. Wer etwa über Booking.com ein Zimmer bucht, kann bei Hyatt, Marriott & Co. unter Umständen Vergünstigungen, zu denen man durch Treuekarten berechtig ist, nicht einlösen.

Vergleichen mit der Hotelwebsite empfiehlt sich immer. Bucht man direkt auf der Hotelwebsite, bekommt man unter Umständen ein schöneres Zimmer oder hat Aussicht auf Upgrades. Was man auch versuchen kann ist: In Internet ein Hotel suchen, aber persönlich anrufen und fragen, ob es auf direktem Wege die Zimmer günstiger gebe.

Sind Bewertungen hilfreich?

Buchungsportale weisen oft auch Bewertungen auf, oder Bewertungsportale wie Tripadvisor weisen auch gleich eine Buchungsfunktion auf. Diese können gute Angebote enthalten, aber man muss auch dort vergleichen. Zudem ist bekannt, dass Bewertungsportale zum Teil von Hotel- oder Restaurantbetreibern selber verfälscht werden. Die Fotos sehen meist besser aus als in der Realität. Umgekehrt können aufgebrachte Gäste in ihrer Wut übermassen schlecht bewerten.

Auch hier ist wichtig: Mehrere Bewertungsportale konsultieren oder mit der Suchfunktion und den Schlagwörtern "Bewertung" oder "Review" selbst nach dem gewünschten Hotel suchen. Zudem gibt es Seiten wie zum Beispiel oyster.com, die Fotografen in Hotels schicken und – zwar ebenfalls sehr schöne – aber auch realistischere Bilder aufschalten. Beispielsweise geben die dortigen Fotos einen verlässlicheren Eindruck zu Zimmergrössen und dergleichen. Eine Hotel-Umgebung lässt sich je nach Lage über Google Street View erkunden.

Spioniert mich die Buchungsplattform aus?

Immer wieder macht die Befürchtung die Runde, dass Buchungsportale über die IP-Adresse, das verwendete Gerät oder den Standort, wo jemand eine Suche durchführt, Informationen über Kunden abgreifen. Das System stellt dann individuell Angebote bereit. Wahr oder falsch? "Ja, dieses Phänomen gibt es – auch auf Buchungsportalen bekomme ich nicht dasselbe zu sehen wie beispielsweise mein Nachbar, der genau die gleiche Anfrage macht", sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.

Wer aber im Internet beispielsweise teure Modelabels anschaue, bekomme auch eher Angebote für luxuriöse Hotels. "Wie intensiv dies bereits umgesetzt wird, wissen wir nicht", sagt Sara Stalder. Der Rat der Konsumentenschützer ist daher: Angebote vergleichen, Suchanfragen mit unterschiedlichen Geräten machen und die Einstellungen an den Geräten so vornehmen, dass man möglichst wenig "getargeted" werden kann: Dies lässt sich bewerkstelligen, indem am Browser die Privatsphäre-Einstellungen entsprechend geändert werden.