Rekordhoch der Nestlé-Aktie: Ein Skeptiker bleibt hartnäckig

Die Aktie von Nestlé ist bei Anlegern und Analysten derzeit sehr beliebt. Nur die grosse Investmentbank Goldman Sachs mag sich hier nicht anschliessen.
19.08.2016 08:36
Von Lorenz Burkhalter
Rekordhoch der Nestlé-Aktie: Ein Skeptiker bleibt hartnäckig
Bild: Bloomberg

Die Nestlé-Aktie ist so begehrt wie selten zuvor. Während sich ausländische Grossinvestoren am Schweizer Aktienmarkt aus den Valoren der beiden Basler Pharmaschwergewichte Roche und Novartis zurückziehen, fliesst ein nicht unbeträchtlicher Teil des Verkaufserlöses in die Aktien des Nahrungsmittelherstellers aus Vevey.

Alleine seit Mitte Juni ist der Wert von Nestlé an der Börse um 13 Prozent gestiegen und diese Woche ein Rekordhoch. Das wiederum bescherte dem Swiss Market Index (SMI) ein Plus von 270 Punkten, da Nestlé für 23 Prozent der Gewichtung im SMI verantwortlich ist.

Selbst ein durchwachsenes Ergebnis für die erste Jahreshälfte konnte die Rekordlaune der Anleger nicht trüben, wie der gestrige Donnerstag eindrucksvoll zeigte. Denn obschon sich das organische Umsatzwachstum bei Nestlé überraschend stark verlangsamte, setzte die Aktie nach einem schwachen Start zu einer beeindruckenden Kurserholung an.

Wechselspiel zwischen Absatzpreisen und Absatzmenge

Am Tag danach erhöhen die meisten Analysten ihre Kursziele für die mehrheitlich zum Kauf empfohlene Nestlé-Aktie. Nicht so derjenige von Goldman Sachs. Er erhöht zwar seine Gewinnschätzungen um bis zu 1,8 Prozent, hält aber weiterhin an seiner Verkaufsempfehlung fest. Das weiterhin 65 Franken lautende 12-Monats-Kursziel lässt einen Rücksetzer um nicht weniger als 18 Prozent erahnen.

Kursentwicklung der Nestlé-Aktie während der letzten drei Monate, Quelle: www.cash.ch

Ein Grund, weshalb die Börse letztendlich doch noch positiv auf das Halbjahresergebnis reagiert hat, sind die von den Firmenvertretern für die kommenden Monate in Aussicht gestellten Preiserhöhungen. Allerdings befürchtet der für Goldman Sachs tätige Experte, dass diese zu einem Eigentor für den traditionsreichen Nahrungsmittelhersteller werden könnten. Er glaubt, dass höhere Absatzpreise auf die Absatzmenge drücken werden und die Hoffnung auf eine organische Wachstumsbelebung fehl am Platz ist.

Rochade an der Konzernspitze sorgt für Fantasie

Darüber hinaus zweifelt der Analyst im aktuell sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld am Erfolg der geplanten Preiserhöhungen. Nestlé habe zuletzt auf 43 Prozent des Produktangebots Marktanteile verloren, so schreibt er. Über die nächsten drei Jahre rechnet er sogar auf rund 60 Prozent der Produkte mit Marktanteilsverlusten, was sich mit Preiserhöhungen wohl noch beschleunigen würde.

Eine Hintertür hält man sich bei der mächtigen amerikanischen Investmentbank dennoch offen: Sollte Nestlé aktionärswertgenerierende Veränderungen im Beteiligungsportfolio oder Firmenübernahmen vornehmen, hätte das 65 Franken lautende 12-Monats-Kursziel keine Gültigkeit mehr. Und genau solche Anpassungen werden Ulf Mark Schneider, dem zukünftigen Nachfolger von Konzernchef Paul Bulcke, nachgesagt.

Die geplante Rochade an der Konzernspitze ist es denn auch, welche bei Nestlé schon seit Wochen für Fantasie sorgt. Schliesslich war Schneider lange Jahre für die Fresenius Gruppe tätig, weshalb unter seiner Führung auf eine Transformation von Nestlé zu einem Gesundheitskonzern spekuliert wird.

Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zufolge empfehlen deshalb nicht weniger als 14 von 27 Banken das Indexschwergewicht zum Kauf. Nur gerade drei Institute raten zum Verkauf der Aktie. Die Kursziele liegen zwischen 65 (Goldman Sachs) und 90 (Société Générale) Franken.