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Rekordjagd vereitelt - Nestlé-Aktie braucht dringend neue Impulse

Gleich zwei Analysten kündigten Nestlé in den letzten Tagen aufgrund der hohen Bewertung die Liebe. Das reichte aus, um der mehrwöchigen Rekordjagd ein Ende zu bereiten. Nun sind neue Impulse gefragt.
09.06.2017 08:31
Von Lorenz Burkhalter
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey.
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey.
Bild: Bloomberg

Noch bis vor wenigen Tagen sah alles danach aus, als ob die Nestlé-Aktie schon bald auf 90 Franken vorstösst. Das hätte auch dem Swiss Market Index (SMI) neuen Schub verliehen, trägt das Schwergewicht beim Börsenbarometer doch nahezu einen Viertel zur Gesamtkapitalisierung bei.

Allerdings vereitelten zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Herunterstufungen die Rekordjagd. In einer Studie zum europäischen Nahrungsmittelsektor zog der für die Berenberg Bank tätige Autor zwar sein Kursziel auf 85 (zuvor: 83) Franken nach, senkte gleichzeitig jedoch das Anlageurteil von "Buy" auf "Hold". Davon inspiriert stufte die Berufskollegin von Bryan Garnier die Nestlé-Aktie mit einem unverändert 83 Franken lautenden fairen Wert von "Buy" auf "Neutral" herunter.

Folgen weitere Herunterstufungen?

Dabei wurde in beiden Branchenstudien mit der mittlerweile stolzen Bewertung und dem weitestgehend eingepreisten Kosteneinsparpotenzial argumentiert.

Nachdem sich der Titel anfänglich in der Nähe des Rekordhochs bei 83,65 Franken zu behaupten wusste, folgte gestern Donnerstag der jähe Rückschlag auf knapp unter 81 Franken. Das lässt darauf schliessen, dass weitere Banken dem Beispiel von Bryan Garnier und der Berenberg Bank folgen könnten.

Harscher Kursrückschlag für die Nestlé-Aktie in den letzten Tagen (Quelle: www.cash.ch)

Denn wie Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP verraten, empfehlen selbst nach den beiden Herunterstufungen noch immer 13 von 25 Analysten die Aktie zum Kauf. Dem stehen gerademal zwei Verkaufsempfehlungen gegenüber. Dass der Durchschnitt aller Kursziele bei 81,60 Franken liegt, lässt ebenfalls tief blicken.

Das organische Umsatzwachstum hat sich bei Nestlé über die letzten Jahre kontinuierlich verlangsamt und ist in der zweiten Hälfte 2016 auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren angelangt. Wie die erst kürzlich veröffentlichten Quartalsumsatzzahlen zeigen, hat die Umsatzentwicklung in den ersten drei Monaten nur leicht an Tempo zugelegt.

Neue Impulse vermutlich erst im September

Analyst der Berenberg Bank kommt auf Basis seiner diesjährigen Schätzungen auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23,9, seine Kollegin von Bryan Garnier immerhin auf ein KGV von 23,5. Die Nestlé-Aktie ist damit kein Schnäppchen mehr, weder gegenüber dem langjährigen Durchschnitt, noch im Vergleich zu Konkurrenten wie Unilever oder Danone. Attraktiv bleibt einzig die Dividendenrendite von 2,8 Prozent.

Dennoch bedarf es nun dringend neuer Impulse, soll das SMI-Schwergewicht wieder in die Spur zurückfinden. Solche könnten vom diesjährigen Investorentag ausgehen, so lässt der für die Berenberg Bank tätige Autor in der Branchenstudie durchblicken. Seines Erachtens könnte Konzernchef Mark Schneider dann endlich Einblick in seine Pläne geben. Neben neuen Wachstums- und Kosteninitiativen sind auch grössere Veränderungen im Firmenportfolio möglich. Sprich: Nestlé könnte sich von wenig rentablen Geschäftsbereichen trennen und rasch wachsende und margenstarke andere Bereiche vorantreiben.

Allerdings findet der Investorentag erst am 26. September statt. Bis dahin heisst es bei Nestlé warten und auf andere Impulse, beispielsweise in Form einer organischen Wachstumsbeschleunigung im laufenden zweiten Quartal, hoffen. Mit etwas Glück nistet sich ein Finanzinvestor ein, wie das bei einigen amerikanischen Nahrungsmittelkonzernen in den letzten Jahren der Fall war.