Richemont-Aktie fällt in altes Fahrwasser zurück

Der Umsatz beim Luxusgüterkonzern Richemont fällt zweistellig, auch im als widerstandsfähig geltenden Schmuckgeschäft. In der Folge wird die Aktie mit Kursverlusten abgestraft.
14.09.2016 11:19
Von Lorenz Burkhalter
Die Luxusuhren von Richemont verkaufen sich nicht mehr so gut in den letzten Jahren.
Die Luxusuhren von Richemont verkaufen sich nicht mehr so gut in den letzten Jahren.
Bild: Bloomberg

Schon seit Wochen wird Richemont an der Börse eine Umsatzenttäuschung nachgesagt. Nicht ohne Grund, wie seit heute Mittwoch feststeht.

Denn sowohl in Franken als auch in der Bilanzierungswährung Euro betrachtet, muss der traditionsreiche Luxusgüterhersteller aus Genf nach fünf Monaten einen prozentual zweistelligen Umsatzrückgang hinnehmen. Dies überraschenderweise selbst im als widerstandsfähig geltenden Schmuckgeschäft.

Gleichzeitig wartet das Unternehmen mit ernüchternden Aussagen zur Entwicklung des operativen Gewinns auf. Dieser wird auf die erste Hälfte des Fiskaljahres 2016/17 bezogen um rund 45 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen. Selbst unter Ausklammerung von einmaligen Restrukturierungskosten ist das deutlich weniger als gedacht.

Besonders bitter: Im Zuge der Spekulationen der letzten Wochen hatten viele Analysten ihre Schätzungen noch einmal mit dem Rotstift überarbeitet. Dennoch reichen diese Korrekturen rückblickend bei weitem nicht aus.

An der Schweizer Börse SIX wird die Richemont-Aktie deshalb zur  Stunde mit einem Minus von 3 Prozent auf 58 Franken abgestraft. Im Laufe des Morgens wurden sogar Kurse von 57,15 Franken bezahlt. Mittlerweile berichten Händler von zu Lasten der Valoren von Swatch Group gehenden Umschichtungen.

Umsatzrückgang drückt auf die Margen

Der für Vontobel tätige Analyst zeigt sich in einer ersten Stellungnahme wenig überrascht vom Umsatzrückgang. Nach den anlässlich der Jahresergebnispräsentation gemachten Aussagen für April und den verhaltenen Schweizer Uhrenexportstatistiken habe er bereits mit einem verhaltenen Zwischenbericht gerechnet. Dennoch macht der Experte bei seinen Schätzungen für das gesamte Jahr Anpassungsbedarf nach unten aus.

Was die Aussagen von Richemont zum operativen Gewinn anbetrifft, so errechnet der Analyst unter Ausklammerung einmaliger Restrukturierungskosten eine operative Marge (EBIT) von rund 15 Prozent. Noch im Vorjahr habe diese knapp 24 Prozent betragen, so schreibt er weiter. In Erwartung einer stärkeren zweiten Jahreshälfte empfiehlt der Experte die Richemont-Aktie auch weiterhin zum Kauf. Womöglich wird das 75 Franken lautende Kursziel unter den Schätzungsanpassungen leiden.

Negative Aussagen zum Gewinn werden heruntergespielt

Verhaltener fällt die Beurteilung durch den Berufskollegen der Zürcher Kantonalbank aus. Seinen Berechnungen zufolge liegt der Umsatz nach fünf Monaten rund 3 Prozent unter den Erwartungen. Aufgrund des schwachen Abschneidens bei den Uhren- und den Schmuckmarken geht er von einer für die Margenentwicklung nachteiligen Umsatzzusammensetzung aus. Das erkläre auch, weshalb Richemont einen deutlichen Rückgang des Halbjahresgewinns erwarte, so ergänzt er. An seiner "Untergewichten" lautenden Verkaufsempfehlung hält der Experte unverändert fest.

Was die Aussagen zum operativen Halbjahresgewinn anbetrifft, so versucht der für Kepler Cheuvreux tätige Analyst die Wogen zu glätten. Er verweist auf den einmaligen Charakter der Restrukturierungskosten im Umfang von 65 Millionen Euro und schätzt die Kosten für den Produktrückkauf auf weitere 50 Millionen Euro. Gleichzeitig schreibt der Experte, dass die Gewinnentwicklung die Talsohle in den letzten Monaten durchschritten habe und in der zweiten Jahreshälfte mit Gewinnverbesserungen zu rechnen sei. Er empfiehlt die Aktie deshalb wie bis anhin mit einem Kursziel von 68 Franken zum Kauf und rät Anlegern in den Kursrückgang zum Einstieg.