Richemont-Aktie nach Zahlen unter Druck

Das Weihnachtsquartal läuft bei Richemont schleppender als erwartet und das nicht nur in Asien. Obschon Analysten die Aktie verteidigen, stehen diese dennoch unter Verkaufsdruck.
15.01.2015 10:18
Von Lorenz Burkhalter
Insbesondere in Asien deutlich weniger gefragt: Luxusschmuck der Richemont-Tochter Cartier.
Insbesondere in Asien deutlich weniger gefragt: Luxusschmuck der Richemont-Tochter Cartier.
Bild: Bloomberg

(Ergänzt um den Kommentar von Baader Helvea sowie um den aktuellen Kurs)

Richemont ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell ein gefeierter Anlegerliebling doch in Ungnade fallen kann. Mit der Verlangsamung des Umsatzwachstums geht seit über einem Jahr auch eine verhaltenere Aktienkursentwicklung einher.

Die vom Westschweizer Luxusgüterhersteller für das wichtige Weihnachtsquartal veröffentlichten Umsatzzahlen sprechen eine Sprache für sich, liegen sie doch sowohl in Euro als auch in Lokalwährungen betrachtet hinter den Konsensschätzungen zurück. Nicht nur im Schlüsselmarkt Hongkong, sondern auch in Nord- und Südamerika setzte das Unternehmen weniger als erwartet um.

Im frühen Handel kann sich die Aktie Richemont an der Schweizer Börse SIX fangen und verliert zur Stunde noch 0,8 Prozent auf 88 Franken. Zuvor liess eine Verkaufswelle den Kurs vorübergehend bis auf 86,60 Franken zurückfallen.

Kommentare von Zweckoptimismus geprägt?

Dennoch schlagen die meisten Analysten verteidigende Töne an, was in Anbetracht der unzähligen Kaufempfehlungen jedoch nicht erstaunt.

Einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank ist zu entnehmen, dass das Umsatzwachstum in Lokalwährungen leicht verfehlt hat. Gegenüber dem schwachen Oktober habe sich nur eine leichte Verbesserung eingestellt. Verantwortlich dafür sei die Region Asien ohne Japan, wo seit Oktober offensichtlich keine Verbesserung gelungen sei. In dieser Region würden noch immer die zu hohen Uhrenlager und die vorsichtigen Detailhändler belasten. Zudem hätten die Demonstrationen in Hongkong die Situation kurzfristig noch verschärft. Der Verfasser des Kommentars erhofft sich im Verlauf des Kalenderjahres eine Entspannung, deshalb er die Aktie weiterhin mit "Übergewichten" zum Kauf empfiehlt.

Schwache Uhrennachfrage in Asien

Sein für die Bank Vontobel tätiger Berufskollege berichtet sogar von einem im Rahmen der Erwartungen liegenden Weihnachtsquartal. Allerdings räumt er ein, dass die Konsensschätzungen leicht verfehlt worden seien. Insbesondere in Europa habe Richemont positiv überraschen können. Der Analyst rechnet weiterhin mit positiven Währungseffekten und einer Beschleunigung der Umsatzentwicklung. Vor diesem Hintergrund bekräftigt er sowohl die Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 98 Franken.

Bei J. Safra Sarasin ist von einem leicht schwächer als erwarteten dritten Quartal die Rede. Die grösste Differenz zwischen den Erwartungen und dem effektiven Umsatz macht der Verfasser des Kommentars in der Region Asien/Pazifik aus. Dies insbesondere aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen in Hongkong und Macau. Dank der Einführung von Kurzarbeit in der Uhrenproduktion sei Richemont in Bezug auf die Margenentwicklung auf der sicheren Seite, so der Analyst. Aufgrund der noch immer attraktiven Bewertung hält er am "Buy" lautenden Anlageurteil fest.

So wird die Aktie von Richemont auch bei Kepler Cheuvreux eingeschätzt, nebst einem 105 Franken lautenden Kursziel. Der viel beachtete Analyst zeigt sich wenig vom leicht schwächer als erwarteten Quartalsumsatz beunruhigt und verweist auf die starke Barmittelgenerierung. Dank positiven Währungseffekten rechnet er sogar mit leichten Schätzungserhöhungen.

Der für Helvea tätige Berufskollege sieht über die kommenden Quartale einen nachlassenden Druck auf die Nachfrage in Hongkong. Gleichzeitig erwartet er eine Wachstumsbelebung in Japan. Das Westschweizer Unternehmen profitiere zudem von einem freundlichen Währungsumfeld. Nicht zuletzt dank der günstigen Bewertung stuft der Analyst die Aktie weiterhin mit "Buy" und einem Kursziel von 94 Franken ein.