Richemont-Aktie nach Zwischenbericht im Höhenflug

Der Zwischenbericht des Luxusgüterkonzerns Richemont überzeugt. Weil das Weihnachtsgeschäft tatsächlich die erhoffte Wende bringt, zieht der Aktienkurs dank Anschlusskäufen erneut kräftig an.
12.01.2017 11:30
Von Lorenz Burkhalter
Eine Vacheron Constantin-Uhr aus dem Richemont-Konzern.
Eine Vacheron Constantin-Uhr aus dem Richemont-Konzern.
Bild: Bloomberg

Als Morgan Stanley am Dienstag aus dem Nichts kommend die Aktie von Richemont heraufstufte, vermuteten alteingesessene Börsianer dahinter ein Vorbote für einen überzeugenden Zwischenbericht.

Und tatsächlich erweisen sich selbst die höchsten Erwartungen an das Weihnachtsquartal als zu vorsichtig. Zur Überraschung der Analysten gewann die Umsatzentwicklung nach einer Stabilisierung im Oktober in den beiden Folgemonaten sogar an Fahrt. Sowohl im Uhren- als auch im Schmuckgeschäft übertrifft der traditionsreiche Luxusgüterkonzern aus Genf die Erwartungen deutlich.

Das kommt bei den Anlegern gut an, wird die schon seit Tagen feste Richemont-Aktie an der Schweizer Börse SIX doch von Anschlusskäufen erfasst. Zur Stunde haussiert sie um weitere 8 Prozent auf 76,60 Franken. Auch die Inhaberaktie der Rivalin Swatch Group erhält Vorschusslorbeeren und gewinnt immerhin noch 4 Prozent auf 345 Franken.

Von einem "nachträglichen Weihnachtsgeschenk" für die Aktionäre spricht der Luxusgüteranalyst der Zürcher Kantonalbank. Seines Erachtens hat sich die Umsatzentwicklung im Weihnachtsquartal stärker als erwartet verbessert. Dass die Verbesserung breit abgestützt ist und sämtliche Regionen und Produktbereiche eine Trendverbesserung zeigen, bezeichnet er als erfreulich.

Starkes Schmuckgeschäft hilft

Der Experte stellt eine Erhöhung seiner zukünftigen Gewinnschätzungen in Aussicht und glaubt, dass auch viele seiner Berufskollegen ihre Prognosen nach oben nehmen müssen. Die Richemont-Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank weiterhin mit "Übergewichten" eingestuft.

Die Richemont-Aktie ist schon seit Tagen im Aufwind; Quelle: www.cash.ch

In einem Kommentar aus dem Hause Baader Helvea wird die im vergangenen Quartal beobachtete Umsatzentwicklung als "beeindruckend" bezeichnet. Einmal mehr habe sich das Schmuckgeschäft als treibende Kraft dahinter erwiesen, so schreibt der Verfasser. Klärungsbedarf besteht seines Erachtens beim Effekt im Zusammenhang mit dem Rückkauf alter Uhrenmodelle. Der Experte hält vorerst am "Hold" lautenden Anlageurteil und am Kursziel von 68 Franken für die Aktie fest.

Erste Banken gehen über die Bücher

Der für die UBS Investmentbank tätige Experte macht hingegen über alle Geschäftsbereiche und Regionen hinweg eine Wachstumsbelebung aus.  Neben der Region Asien/Pazifik habe überraschend auch Europa erstmals wieder zum Wachstum beigetragen, so ergänzt er. Bei den Konsensschätzungen rechnet er auf Basis des vorliegenden Zwischenberichts mit Aufwärtsrevisionen im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Die Richemont-Aktie wird wie bis anhin mit "Neutral" eingestuft, das 67 Franken lautende 12-Monats-Kursziel womöglich erhöht.

Als einer der ersten seiner Berufsgruppe nimmt der Vontobel-Analyst das bisherige Kursziel von 75 Franken für die zum Kauf empfohlene Aktie in positive Überprüfung. Wie er schreibt, lag das Weihnachtsquartal deutlich über seinen Erwartungen. Das gilt insbesondere für das Schmuckgeschäft, welches dem Experten zufolge bei weitem am meisten zum Gewinn beiträgt. Noch einen Schritt weiter geht der für Julius Bär tätige Kollege. Er will nach dem Zwischenbericht nicht nur das Kursziel von 65 Franken, sondern auch das "Hold" lautende Anlageurteil überdenken.

Das Aktien-Research von Standard & Poor's stuft die Aktie sogar von "Sell" auf "Hold" herauf. Nach einer kräftigen Aufwärtsrevision der Gewinnschätzungen wird das 12-Monats-Kursziel neu mit 75 (55) Franken angegeben.