Richtungsweisende Tage - Bekommt der Goldpreis weiteren Auftrieb?

Die Unze Gold flirtet mit einem neuen Jahreshöchst. Ein solches hält die UBS Investmentbank für denkbar, sollten von den politischen und geldpolitischen Grossereignissen die nötigen Impulse ausgehen.
08.06.2017 08:23
Von Lorenz Burkhalter
Der Preis für Gold ist in den letzten Wochen kräftig gestiegen.
Der Preis für Gold ist in den letzten Wochen kräftig gestiegen.
Bild: Bloomberg

Das Gold ist gefragter als noch vor wenigen Wochen. Gestern Mittwoch stieg der Preis für eine Unze des Edelmetalls kurzum auf 1'298,75 Dollar und übertraf damit das bisherige Jahreshöchst von Mitte April um wenige Cents. Und obwohl der Unzenpreis wieder etwas zurückgefallen ist, errechnet sich seit Jahresbeginn noch immer ein Plus von fast 12 Prozent.

In einem Kommentar warnt die für die UBS Investmentbank tätige Autorin zwar davor, allzuviel in die Goldpreisentwicklung der letzten Wochen hinein zu interpretieren. Allerdings wähnt sie das Edelmetall angesichts der anstehenden Grossereignisse in Lauer-Stellung.

Fokus auf das Treffen der US-Notenbank von nächster Woche

Mit anderen Worten: Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer Sitzung vom Donnerstagnachmittag an der Politik des billigen Geldes festhalten, wovon auszugehen ist, dürfte das dem Goldpreis Auftrieb geben. Dasselbe gilt, wenn die europa-kritischen Kräfte die Parlamentswahlen in Grossbritannien für sich entscheiden.

Bis zu den letztjährigen Höchstständen besteht beim Gold noch Luft (Quelle: www.cash.ch)

Von zentraler Bedeutung ist der Edelmetall-Strategin zufolge vor allem aber das Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank von kommender Woche. Die Verantwortlichen könnten sich zu einer weiteren Leitzinserhöhung im Umfang von einem Viertelprozent durchringen, sich gleichzeitig aber beim Ausblick auf den weiteren Jahresverlauf entspannt geben, spräche auch das noch einmal für einen höheren Goldpreis.

Denn schon seit einer gefühlten Ewigkeit besteht eine Wechselwirkung zwischen dem Edelmetall und dem Dollar. Steigt der Goldpreis fällt der Greenback und umgekehrt. Diese in der Finanzmathematik inverse Korrelation genannte Phänomen lässt sich mit der Rolle des Goldes als Wertaufbewahrungsmittel und Teuerungsschutz.

Wie die Edelmetall-Strategin weiter durchblicken lässt, sind die spekulativen Positionen beim gelben Metall schon seit Wochen sehr überblickbar. Sie hält alleine schon deshalb einen steigenden Unzenpreis für wahrscheinlicher als einen rückläufigen.

Goldpreis-Prognosen gehen weit auseinander

Offiziell geht man bei der UBS Investmentbank für 2017 von einem durchschnittlichen Goldpreis von 1'300 Dollar je Unze aus. Gehen die Grossereignisse der nächsten Tage zugunsten des Edelmetalls aus, hält die Grossbank einen Vorstoss auf 1'370 Dollar für möglich.

Die diesjährigen Prognosen anderer Banken gehen hingegen weit auseinander und bewegen sich zwischen 1'050 und 1'420 Dollar je Unze. Das lässt sich damit erklären, dass wichtige Faktoren wie die Zinsaussichten oder die zukünftige Teuerungsentwicklung sehr unterschiedlich eingeschätzt werden.

Erst vor wenigen Wochen sorgte die Zürcher Traditionsbank Julius Bär für Schlagzeilen, als sie von ihrer zuvor pessimistischen 3-Monats-Prognose von 1'075 Dollar abwich und diese auf 1'200 Dollar anhob.