Ringier-CEO: «Bezahlschranke kommt erst 2014»

Die Paywall soll die Einnahmen im digitalen Geschäft ankurbeln. Weshalb sich die Ringier-Gruppe mit der Einführung zurückhält, sagt Ringer-CEO Marc Walder im cash-Video-Interview.
17.04.2013 13:39
Von Frédéric Papp
Marc Walder, CEO Ringier, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Während bei den Schweizer Medien das Printgeschäft darbt, entwickelt sich das digitale Geschäft erfreulich.  Im vergangenen Jahr erzielte Ringier knapp 30 Prozent mehr Umsatz als noch im Vorjahr. Insgesamt macht dieser Sektor zusammen mit der Entertainment-Sparte gut 18 Prozent am Gesamtumsatz von über 1 Milliarden Franken aus.

Doch die Einnahmen vor allem im Online-News-Bereich lassen noch zu wünschen übrig. Um diese zu erhöhen, führen immer mehr Schweizer Medienhäuser die sogenannte Paywall ein. Online-Benutzer sollen für journalistische Beiträge bezahlen. Als eine der ersten grossen Publikationen in der Schweiz hat die Westschweizer Zeitung "Le Temps" ein Bezahlsystem eingeführt. Auch die "Neue Zürcher Zeitung" verlangt seit einigen Monaten eine Gebühr. Und seit einiger Zeit steht fest, dass auch Ringer diesen Herbst für "Blick.ch"-Beiträge etwas verlangen will.

Ringier-CEO Marc Walder dementiert: "Wir haben nie ein konkretes Datum genannt", sagt er im cash-Video-Interview. Ringier halte aber am Grundsatzentscheid, eine Bezahlschranke einzuführen, fest, sagt Walder. "Mit einer definitiven Einführung ist wahrscheinlich im nächsten Jahr zu rechnen", prognostiziert er.

Ringier schielt auf deutsche Konkurrenz

Der Grund für die Zurückhaltung liegt bei "Blick.ch". Das grösste Internetportal der Schweiz sei sehr beliebt bei den Lesern. Entsprechend vorsichtig müsse man agieren, mahnt Verwaltungsratspräsident und Verleger Michael Ringier an der Bilanzmedienkonferenz am Mittwoch. Ringier zieht es deshalb vor, an der Seitenlinie zu warten und zu beobachten, welche Erfahrungen die Konkurrenz macht. Die Boulevardzeitung "Bild" etwa, das deutsche Pendant zu Blick, wird diesen Sommer die Paywall einführen. "Wir werden dies sehr genau verfolgen", sagt Walder. Die IT ist bei der Einführung der Paywall gefordert. Denn je nach gewähltem Bezahlmodell, stellen sich unterschiedliche Probleme an die IT.

Konsolidierung im Fokus

Zuversichtlich ist der Ringier-CEO für die Umsatzentwicklung in den kommenden drei Jahren im digitalen Bereich. "Der Umsatz wird deutlich zulegen", sagt Walder. Grund für den künftigen Umsatzschub sind die beiden Ende 2012 akquirierten Unternehmen "jobs.ch" – das zusammen mit der Tamedia-Gruppe geschluckt wurde – und dem führenden polnischen Onlineportal "Onet.pl". Ringier ist neben Polen in zahlreichen anderen europäischen Ländern aktiv und seit eineinhalb Jahren auch in Afrika präsent. In Kenia, Nigeria und Ghana unterhält der Ringier-Konzern 15 digitale Plattformen.

Ringier hat in den letzten fünf Jahren 1,1 Milliarden Franken für Akquisitionen ausgegeben. Deshalb liege, so Walder, im aktuellen Geschäftsjahr der Fokus ganz klar auf der Konsolidierung.

Der Start ins 2013 ist Ringier geglückt. Die Erstquartalszahlen fielen besser aus als budgetiert und seien stärker als im Vorjahresquartal.

 

Im Video-Interview äussert sich Walder zum rückläufigen Umsatz bei der Ringier-Gruppe und über die Herausforderungen im Printgeschäft.