Ringier: «Das dauert noch zwei, drei Jahre»

Bei Ringier hat sich im Jahr 2015 der Reingewinn halbiert. Das ist kein Anlass zur Sorge, wie VR-Präsident Michael Ringier im cash-Video-Interview sagt. Das Verlagshaus will weiter in hohem Tempo investieren.
20.04.2016 12:01
Von Daniel Hügli
Michael Ringier, VR-Präsident und Verleger der Ringier AG, im Video-Interview mit cash.
Bild: cash

Minus 47 Prozent auf 11,3 Millionen Franken. Das ist das Resultat auf Stufe Gewinn nach Steuern beim Zürcher Medienunternehmen Ringier für das Geschäftsjahr 2015. Es war für Ringier ein weiteres Jahr, das stark geprägt war von der digitalen Transformation und entsprechenden Investitionen.

Für Verleger und Verwaltungsratspräsident Michael Ringier kommt der Gewinneinbruch nicht überraschend: "Wir haben gewusst, dass das eintreffen wird. Wir haben in den letzten sieben bis acht Jahren 1,7 Milliarden Franken investiert, und dies schreiben wir nun vorsichtig ab", sagt Ringier im Video-Interview mit cash. Der Rückgang des Gewinns wird vom Unternehmen auch mit den hohen Kosten für die Erschliessung neuer Märkte und Produkte sowie mit positiven Devestitionseffekten im Vorjahr begründet.

Ohnehin ist für Ringier das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wichtiger als der Reingewinn. Der Ebitda stieg im letzten Jahr um 17 Prozent auf 96,1 Millionen Franken. Die Marge nahm damit auf 10,2 Prozent nach 8,3 Prozent im Vorjahr zu.

Der Umsatz verringerte sich um 4,3 Prozent auf 946 Millionen Franken. Das ist fast das gleiche Resultat wie beim Konkurrenten Tamedia, dessen Umsatz im letzten Jahr um 4,5 Prozent auf 1,06 Milliarden Franken sank. Der Ebitda von Tamedia stieg um 1,2 Prozent auf 243 Millionen Franken.

Ringier konsolidiert unter seinem Dach mittlerweile 90 Gemeinschaftsunternehmen und hat in den letzten Jahren rund 40 M&A-Transaktionen vorab im digitalen Bereich vorgenommen. Zuletzt hat das Medienunternehmen eine Mehrheitsbeteiligung am grössten rumänischen Immobilienportal Imobiliare.ro erworben.

Zwei Kurven

Wie andere Medienhäuser, die sich im Wandel zum digitalen Unternehmen befinden, sieht sich Ringier mit zwei Kurven konfrontiert, die sich laut Michael Ringier auch bei Ringier "noch nicht überschneiden." Eine Kurve von neuen Geschäften, die Geld ins Haus spülen, und eine Kurve von alten Geschäften, die immer weniger Geld bringen. Diese Entwicklung kann laut Ringier noch "zwei bis drei Jahre dauern, aber wir sind sehr zuversichtlich."

Ähnlich wie bei Tamedia vermögen die forcierten Digitalaktivitäten den Umsatzrückgang im traditionellen Kerngeschäft also auch bei Ringier noch nicht vollumfänglich zu kompensieren. Geschäfte, die immer weniger Geld bringen, sind bei Ringier zum Beispiel Printerzeugnisse wie der "Blick" oder Sonntagsblick". Dieser verlor im letzten halben Jahr 8 Prozent seiner Leserschaft und setzte damit seine jahrelange Talfahrt fort. Neue wachsende Geschäfte sind bei Ringier etwa die Portale jobcloud.ch oder die Scout24-Gruppe.

Der digitale Anteil bei Ringier beträgt auf Stufe Ebitda mittlerweile 61 Prozent, vor fünf Jahren lag er noch bei Null. Das schnelle Hochschiessen des digitalen Anteils hängt laut Michael Ringier nicht bloss mit den hohen Investitionen zusammen, sondern auch damit, "dass das alte Geschäft leider zurückgeht."

Michael Ringier will sich nicht festlegen, wie hoch der digitale Anteil beim Ringier-Ebidta in fünf Jahren sein wird. Es sei nun auch Zeit, die Investitionen zu konsolidieren. "Aber das Tempo wird hoch bleiben. Wenn sich eine Opportunität ergibt, dann werden wir uns das anschauen."

Im Video-Interview mit cash äussert sich Michael Ringier auch zu den Themen Börsengang von Scout24 und Ringier AG sowie zum gemeinsamen Werbevermarktungsunternehmen Admeira von SRG, Swisscom und Ringier.