Risikofreudige Anleger kaufen nun Bankaktien

Obwohl das wirtschaftliche Umfeld in der Eurozone garstig ist, bleibt Aktienexperte Rory Bateman von Schroders positiv für Aktien eingestellt. Im Gespräch mit cash nennt er seine favorisierten Sektoren.
20.11.2014 13:11
Von Frédéric Papp
Rory Bateman, Anlagechef britische und europäische Aktien bei Schroders.
Bild: cash

"Die Wirtschaft in der Eurozone war enttäuschend für Anleger, und auch wir hatten mit mehr gerechnet", sagt Rory Bateman, Anlagechef für britische und europäische Aktien bei Schroders, zu cash. "Doch wir stehen an einem Punkt, an dem richtungsweisende Entscheide gefällt werden", fährt er fort.

Gemeint ist das allgemein erwartete Staatsanleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Dieses wird die Aktienkurse an den europäischen Börsen weiter heben, so der Konsens. Wie stark dies geschehen wird, bleibt aber ungewiss.

Eine ähnlich starke Entwicklung wie diejenige des amerikanischen S&P 500 infolge der drei "Quantitative-Easing-Geldspritzen" (QE) durch die US-Notenbank (Fed) ist laut Bateman nicht anzunehmen. Der S&P 500 hat sich seit der Einführung des ersten QE-Programms im März 2009 verdreifacht.

Tiefe Bewertungen

Für ein Engagement in europäische Aktien spricht auch die tiefe Bewertung. "Der Markt ist überverkauft, vor allem der zyklische Sektor erlebte einen starken 'Sell Off'", so Bateman, der seit 2008 beim britischen Assetmanager tätig ist. Europäische Zykliker werden derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 gehandelt, derweil der dreissigjährige Schnitt bei rund 21 liegt.

Dahinter steckt die Angst der Anleger vor einer Rezession in der Eurozone. Wenig Zugkraft zeigt derzeit die Eurozonen-Lokomotive Deutschland. Die Bundesrepublik befindet sich am Rand einer Rezession. Im zweiten Quartal dieses Jahres sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent, im dritten Quartal ist es mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent nur haarscharf an der Rezession vorbei geschrammt.

Schroders geht auch für das kommende Jahr von einem schleppenden Wirtschaftswachstum in Europa aus, doch das müsse nicht zwingend auf die Unternehmensgewinne drücken, so Bateman. Zwar sei eine Erholung der Unternehmensgewinne bislang ausgeblieben und Besserung für das laufende Jahr sei nicht in Sicht. "Für das kommende Jahr rechnen wir aber mit Wachstumsquoten im hohen einstelligen Prozentbereich", sagt Bateman. Und für die Bankaktien erwartet er gar einen Zugewinn im zweistelligen Prozentbereich.

Der kürzlich publizierte Bankenstresstest der EZB zeigt, dass die Banken wohl das Schlimmste überstanden haben und nun kräftig genug sind, wiederum Kredite zu sprechen. Bateman erwartet, dass die europäischen Banken den amerikanischen Banken bezüglich Profitabilität nacheifern werden.  "Nimmt das Kreditwachstum zu, dann wird die Profitabilität über die kommenden drei bis fünf Jahre signifikant zunehmen – mit einem positiven Effekt auf die Gewinne", so Bateman.

Durchgeschüttelt werden die Banken aber immer wieder von happigen Bussen. Zuletzt musste die UBS im Skandal um manipulierte Devisenkurse gut 770 Millionen Franken auf den Tisch legen. Und jederzeit können neue Millionenforderungen in die Banken flattern. So hat zum Beispiel die amerikanische Börsenaufsicht SEC eine Untersuchung gegen Grossbanken - darunter die UBS und die Credit Suisse - zu den sogenannten Dark Pools eingeleitet.

Schwacher Euro als schiebt Gewinne an

Als Heilsbringer in der Not entpuppt sich zudem der Euro. Eine 10-prozentige Abschwächung der Gemeinschaftswährung erhöht das Gewinnwachstum der Unternehmen um geschätzte 5 Prozent, rechnet Bateman vor.

Der Euro steht schon länger unter Druck. Allein in den letzten drei Monaten büsste die Gemeinschaftswährung zum Dollar 5 Prozent ein - mit gut 1,25 notiert er so tief wie seit Sommer 2012 nicht mehr. Devisenprofis sehen den Euro weiter fallen (zum cash-Börsen-Talk), vereinzelt ist gar von der Parität die Rede. Gegenüber dem Franken notiert er wieder nahe dem SNB-Mindestkurs.

Als dritter Kurstreiber führt Bateman die tiefen Rohölpreise ins Feld. "Bis auf den Erdölsektor werden davon alle Unternehmen profitieren." Überkapazitäten und schleppendes Wirtschaftswachstum liess den Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent letzte Woche auf ein Vierjahrestief bei rund 76 Dollar fallen.

Im cash-Video-Interview äussert sich Rory Bateman zum Schweizer Aktienmarkt und weshalb die Renditechancen anderswo grösser sind.

Das Gespräch mit Rory Bateman wurde am Rande der Schroders International Media Conference 2014 geführt, die vergangene Woche in London stattfand und zu der cash eingeladen wurde.