Robuster Rückversicherer - Die Angst vor schlechten Swiss-Re-Zahlen war übertrieben

Naturkatastrophen schmälern bei Swiss Re den Quartalsgewinn. Dies jedoch längst nicht so stark, wie von Analysten befürchtet. Anschlusskäufe erfassen die Aktie und lassen die Kurse steigen.
04.05.2017 10:32
Von Lorenz Burkhalter
Bürotürme in der Londoner City mit dem «Gherkin» in der Mitte, erbaut von der Swiss Re.
Bürotürme in der Londoner City mit dem «Gherkin» in der Mitte, erbaut von der Swiss Re.
Bild: Pixabay

Kostspielige Naturkatastrophen verhageln Swiss Re wortwörtlich das erste Quartal. Dass der Rückversicherungskonzern aus Zürich erst vor wenigen Wochen vor den finanziellen Folgen des Tropensturms "Debbie" gewarnt hatte, kommt ihm am Donnerstag allerdings zugute.

Nicht nur bei den gebuchten Bruttoprämien, auch beim Reingewinn fällt der Rückgang im ersten Quartal geringer als befürchtet aus. Mit 656 Millionen Dollar liegt der Reingewinn über den von AWP befragten Analysten durchschnittlich erwarteten 639 Millionen Dollar.

Da Swiss Re insbesondere im Sachrückversicherungsgeschäft zu überzeugen weiss, wird die Aktie an der Schweizer Börse SIX von Anschlusskäufen erfasst. Zur Stunde gewinnt sie noch 1,3 Prozent auf 88,60 Franken. Zeitweise wurden sogar Kurse von bis zu 89,50 Franken bezahlt.

In einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank bezeichnet der Autor die im ersten Quartal beobachtete Geschäftsentwicklung als solide. Erwartungsgemäss seien die Gewinnkennzahlen im Jahresvergleich infolge des deutlichen Schadenaufwands aus dem Wirbelsturm "Debbie" zwar deutlich tiefer. Allerdings zeige die Anlageseite eine gute Entwicklung, so der Analyst. Auch die Eigenmittelausstattung erachtet er weiterhin als sehr gut. Die Swiss-Re-Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank wie bis anhin mit "Marktgewichten" eingestuft.

Fragen rund um die hohen Sturmschäden bleiben

Sein Berufskollege von der UBS Investmentbank hält den Jahresauftakt hingegen für "ereignislos". Wie er schreibt, deckt sich der Konzerngewinn weitestgehend mit den Markterwartungen. Allerdings räumt er ein, dass der Gewinnbeitrag aus dem Sachrückversicherungsgeschäft insgesamt etwas besser ausfällt.

Dem UBS-Analyst zufolge werfen die hohen Verluste im Zusammenhang mit dem Tropensturm "Debbie" weiterhin Fragen in Bezug auf das Risiko-Management von Swiss Re auf. Aufgrund fehlender Angaben zur Reserveentwicklung vertröstet er seine Anlagekundschaft auf die Halbjahresergebnispräsentation. Bis dahin empfiehlt er die Aktie weiterhin mit einem 82,50 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel zum Verkauf.

Wurden Reserven aufgelöst?

Ebenfalls eher vorsichtige Töne schlägt der für Alliance Bernstein tätige Experte an. Seines Erachtens verändert der vorliegende Zahlenkranz die von einer rückläufigen Gewinnentwicklung geprägte Investmentthese beim Rückversicherungskonzern nicht materiell. Er stuft die Aktie denn auch wie bis anhin mit "Market Perform" und einem eher tiefen Kursziel von 82 Franken ein.

Gar Reserveauflösungen vermutet der Berufskollege der Commerzbank hinter dem besser als erwartet ausgefallenen Abschneiden im Sachrückversicherungsgeschäft. Gefallen findet er einzig an der überraschend starken Barmittelgenerierung im Geschäftszweig Life Capital. Dennoch empfiehlt er die Aktie mit "Reduce" und einem Kursziel von 87,50 Franken zum Verkauf.

Grundsätzliche Vorbehalte in Bezug auf die Reservierungspolitik plagen den für Morgan Stanley tätigen Autor eines Kommentars. Wie er schreibt, ist Swiss Re dünner mit Reserven ausgestattet als andere Rückversicherer. Das wiederum habe negative Auswirkungen auf das effektive Überschusskapital und damit auf die zukünftigen Dividendenaussichten. Auch bei Morgan Stanley senkt man über der Swiss-Re-Aktie deshalb den Daumen und stuft diese mit "Underweight" und einem Kursziel von gerademal 80,60 Franken ein.