Roche, Novartis & Co müssen mit den Quartalszahlen punkten

Mit den Valoren von Roche, Novartis und Actelion haben Anleger in den letzten Wochen Geld verloren. Bringt die Quartalsberichterstattung den Pharmawerten die erhoffte Belebung?
18.10.2016 22:58
Von Lorenz Burkhalter
Wusste sich in den letzten Wochen zu behaupten: Die Aktie des Biotechnologiekonzerns Actelion.
Wusste sich in den letzten Wochen zu behaupten: Die Aktie des Biotechnologiekonzerns Actelion.
Bild: ZVG

Mit Pharmawerten aus der Schweiz haben Anleger in den vergangenen Wochen mehrheitlich Geld verloren. Beim Swiss Performance Index (SPI) liegt der Unterindex für Aktien aus dem Gesundheitssektor knapp 10 Prozent unter dem Stand von Mitte Juli.

Seit dem Rekordhoch vom Sommer vor einem Jahr errechnet sich sogar ein fast doppelt so grosses Minus. Schuld ist die nicht verstummen wollende Diskussion um ausufernde Medikamentenpreise in Übersee.

Roche und Actelion eröffnen am Donnerstag die Berichterstattung

Was es jetzt dringend braucht, sind frische Impulse. Diese könnten von den in den nächsten zwei Wochen zur Veröffentlichung anstehenden Quartalsergebnissen ausgehen. Lange müssen Anleger nicht mehr darauf warten. Schon morgen Donnerstag eröffnen Roche und Actelion hierzulande bei den Pharmaherstellern die Berichterstattung für das zurückliegende dritte Quartal.

Actelion wird in Analystenkreisen schon heute ein solider Zahlenkranz nachgesagt. Für die ersten neun Monate rechnet der für die Bank Vontobel tätige Experte mit einem Umsatzwachstum von knapp 17 Prozent auf 1,78 Milliarden Franken. Den Tracleer-Nachfolger Opsumit sieht er knapp 600 Millionen Franken zum Gruppenumsatz beitragen.

Mit Uptravi hat der Biotechnologiekonzern aus Allschwil einen weiteren Pfeil im Köcher. Bei diesem Medikament interessiert vor allem die Anzahl Patienten, welche die Behandlung wieder abbrechen.

Aufgrund höherer Investitionen in die Forschung und Entwicklung sowie in Erwartung höherer Vertriebskosten dürfte der operative Kerngewinn unterproportional um 15 Prozent auf 750 Millionen Franken steigen.

Nachdem Actelion die firmeneigenen Prognosen im bisherigen Jahresverlauf bereits mehr als einmal angehoben hat, sollte diesmal alles beim alten bleiben. Zu konstanten Wechselkursen strebt das Unternehmen ein Wachstum des operativen Kerngewinns zwischen 13 und 14 Prozent an.

Anhaltspunkte bei Roche für ein solides drittes Quartal

Die Aktie von Actelion wusste sich in den vergangenen Wochen über weite Strecken zu behaupten. Sie notiert derzeit nur gerade knapp 7 Prozent unter ihrem Rekordhoch von Mitte September bei 171,60 Franken.

Anders der Genussschein von Roche. Ihn trennen nur wenige Franken von den Jahrestiefstkursen bei 230 Franken. Und das, obschon die von IMS erhobenen Absatzstatistiken darauf schliessen lassen, dass der Basler Pharma- und Diagnostikkonzern im Schlüsselmarkt USA auf ein starkes drittes Quartal zurückblicken kann. Dennoch beträgt der Kursrückgang alleine seit Mitte September fast 10 Prozent, was nicht zuletzt auf die immer wieder aufflackernde Angst vor einer Platzierung der Roche-Beteiligung durch Novartis zurückzuführen ist.

Kursverlauf in den letzten 52 Wochen der Valoren von Roche (rot), Novartis (grün) und Actelion (violett), Quelle: www.cash.ch

Von seiner zurückhaltenden Seite zeigt sich der Pharmaanalyst von Baader Helvea. Während seine Berufskollegen durchschnittlich einen um 5 Prozent höheren Konzernumsatz erwarten, prognostiziert er für das dritte Quartal gerademal ein Plus von 4 Prozent auf 11,9 Milliarden Franken. Damit nähere sich der Umsatz nach neun Monaten am unteren Ende der von Roche in Aussicht gestellten Zielbandbreite eines "im tiefen bis mittleren einstelligen Prozentbereich" liegenden Wachstums zu konstanten Wechselkursen.

Spekulationen rund um die Schlüsselmedikamente von Novartis

Liegt der Experte mit seiner Vermutung richtig, könnten die beiden Schlüsselmedikamente Rituxan und Avastin als Bremsklotz für das Pharmageschäft von Roche erweisen. Mit einer Reduktion der firmeneigenen Jahresprognosen rechnet er dennoch nicht.

Anders als die Aktionäre von Roche müssen sich jene von Novartis noch bis kommenden Dienstag gedulden. Erst dann wird der Platzrivale aus Basel sein Resultat vorlegen. Der für die Deutsche Bank tätige Experte rechnet für das dritte Quartal mit einem gegenüber dem Vorjahr stabilen Umsatz von 12,25 Milliarden Dollar. Der Grund: Nach dem Ablauf des Patentschutzes sollte der Umsatzbeitrag des Leukämiepräparats Glivec im Jahresverlauf um 30 Prozent zurückgegangen sein.

Das sollte sich auch in Form eines um 2 Prozent auf 3,41 Milliarden Dollar rückläufigen operativen Kerngewinns bemerkbar machen. Auch bei der auf Augenmedikamente spezialisierten Tochter Alcon dürfte der Schuh weiterhin drücken. Mit dem Minus von 5 Prozent seit Mitte September trägt die Aktienkursentwicklung bei Novartis diesem Umstand möglicherweise bereits Rechnung. Händlern zufolge kursierten in den vergangenen Tagen an der Börse Gerüchte, wonach einige Schlüsselmedikamente beim Basler Gesundheitskonzern positiv überraschen könnten.

Eines haben Roche und Novartis übrigens gemeinsam: Anders als Actelion sind die beiden beim SPI gemeinsam für knapp die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich. Grössere Kursveränderungen haben damit Folgen für den breiten Schweizer Aktienmarkt.