«Roche und Novartis sind hervorragend positioniert»

Im Hinblick auf die US-Präsidentschaftswahlen sind Pharma-Aktien unter Druck geraten. Stephen Macklow-Smith von J.P. Morgan glaubt aber an die Branche und an die beiden Schweizer Big Shots, wie er im cash-Video sagt.
05.10.2016 18:55
Von Marc Forster, London
Stephen Macklow-Smith, Portfoliomanager bei J.P. Morgan Asset Management in London.
Bild: cash

Aktien aus dem Gesundheitssektor hatten bisher kein gutes Jahr. Der MSCI Index Healthcare verzeichnet weltweit eine Performance-Einbusse von gut 3 Prozent. In Europa hat der Sektor gar 8,6 Prozent nachgelassen. Die beiden Schweizer Grossunternehmen der Branche sind noch schlechter dran: Der Roche-Bon hat seit Januar 12,5 Prozent verloren, während die Novartis-Aktie 10,5 Prozent weniger wert ist.

Für Stephen Macklow-Smith, der für J.P. Morgan Asset Management in London Portefeuilles mit europäischen Aktien managt, ist das aber kein Grund zur Beunruhigung. Zumindest nicht langfristig. 

"Europa hat einige der absoluten Giganten im Gesundheitssektor", sagt Macklow-Smith im cash Video-Interview. Unter den zehn grössten Pharmakonzernen der Welt befinden sich mit den Schweizer SMI-Konzernen Novartis und Roche, dem deutschen Bayer-Konzern, der französischen Sanofi sowie GlaxoSmithKline und AstraZeneca in Grossbritannien sechs Unternehmen mit Sitz in Europa. Jüngste Entwicklungen zeigten, dass die Branche stark sei: Der Kauf von Monsanto durch Bayer habe gezeigt, dass die Branche viel Kapital anziehen könne.

Die Meinung des britischen Fondsmanagers zu Roche und Novartis und deren Marktstellung ist sehr gut: "Beide sind hervorragend positioniert." Kurzfristig liessen sich Anleger immer von taktischen Überlegungen leiten, aber langfristig blieben die beiden Basler Pharmamultis in der Branche führend. "Sie werden das sicherlich für den Rest der Zeit sein, in der ich in der Investment-Welt tätig sein werde."

Einfluss der US-Wahlen begrenzt

Kurzfristig werden die Pharma-Titel weiter unter Druck sein. Beide Kandidaten im Rennen um das Weisse Haus beunruhigen die Märkte mit ihrem Programm: Hillary Clinton will eine Senkung der Medikamentenpreise verordnen und Donald Trump will das Krankenversicherungssystem Obamacare abschaffen.

Macklow-Smith bezweifelt aber, dass das künftige US-Staatsoberhaupt überhaupt so viel Einfluss auf die Gesundheitsgesetzgebung nehmen kann: "Wer immer Präsident wird - es wird genauso wichtig sein, wie das Repräsentantenhaus und der Senat zusammengesetzt sein werden", sagt Macklow-Smith. Die Strategen von J.P. Morgan Asset Management erinnern Investoren daran, dass das US-System die Macht verteilt. Dass ein Clinton-Sieg bei den Wahlen am 8. November einen Preisdruck im wichtigen US-Medikamentenmarkt auslösen werde, ist dabei eine Wahrnehmung im Markt, aber keine Gewissheit, wie Macklow-Smith durchblicken lässt.

Mehr Klarheit zum Brexit-Prozedere

Neben den US-Wahlen sind - sowieso in Grossbritannien - die Folgen des Brexit-Votums vom 23. Juni das Thema Nummer Eins. Am Wochenende ist die neue Premierministerin Theresa May bezüglich des Fahrplans konkreter geworden. Wie sie zur Parteikonferenz der regierenden Konservativen sagte, will sie bis spätestens März 2017 den Artikel 50 anrufen, der gemäss EU-Regeln den Beginn der Austrittsverhandlungen markiert.

Sie deutete zudem an, dass die Kontrolle der Einwanderung und die Rückführung der gesetzgeberischen Gewalt nach London höher gewichtet werde als der Zugang zum EU-Binnenmarkt. Dies entspräche dem so genannten "hard Brexit" ohne vollen Zugang zum "single market", den die EU-Gegner wünschen und den in der Wirtschaft vor allem die Finanzbranche fürchtet. Als Folge dieser Ankündigungen etwa ist das Pfund zum Dollar weiter gefallen.

Auch angesichts des nun konkreten Brexit-Fahrplans hat J.P. Morgan aber keine besonderen Vorkehrungen getroffen, wie Macklow-Smith sagt: "Wir haben die Risiken vor der Abstimmung abgebaut." J.P. Morgan reduzierte das Exposure besonders im britischen Markt, bleibt aber übergewichtet. "Die Fundamentaldaten sind immer noch gut", sagt Macklow-Smith.

«Europas Aktienmarkt ist sehr divers»

Auch für das übrige Europa ist Macklow-Smith optimistisch. Er weist vor allem die Ansicht zurück, die Kurs-Gewinn-Verhältnisse seien zu hoch: "Vom den Bewertungen her ist der Markt nicht besonders teuer, sondern eher auf der billigeren Seitie des fairen Wertes." 

Der europäische Aktienmarkt werde Dank seiner Diversität immer Anlagemöglichkeiten bieten: "Mehr als die Hälfte der Unternehmensumsätze kommt von ausserhalb Europas. Was immer in der Welt vor sich geht, es profitiert immer ein Sektor." Kurz- und mittelfristig profitierten die Zykliker, aber auch Investitionsgüter wie Maschinen und Ausrüstungen sowie der Bereich Verteidigung. Auch der Detailhandel werde davon profitieren, dass sich die europäische Konjunktur insgesamt erhole.

Im cash-Video-Interview sagt Stephen Macklow-Smith auch, welche Alternativen zu Aktien er derzeit sieht. Er äusserte sich dabei zu Immobilien sowie Staatsanleihen.

Das Gespräch wurde während einer Pressereise in London aufgezeichnet, zu der J.P. Morgan Asset Management eingeladen hatte.